Zukunft
Klimaschutz soll Chefsache werden
Der Landkreis Haßberge soll bis 2030 klimaneutral werden. Das fordert die CSU-Fraktion in einem Antrag im Kreistag. Darüber diskutierten nun 35 Teilnehmer bei einer Online-Veranstaltung des Vereins „Wir gestalten Heimat“ mit dem CSU-Landtagsabgeordneten und Kreisrat Steffen Vogel.
Der Landkreis Haßberge soll bis 2030 klimaneutral werden. Das fordert die CSU-Fraktion in einem Antrag im Kreistag. Darüber diskutierten nun 35 Teilnehmer bei einer Online-Veranstaltung des Vereins „Wir gestalten Heimat“ mit dem CSU-Landtagsabgeordneten und Kreisrat Steffen Vogel.
Foto: Christian Licha
LKR Haßberge – Im Landkreis Haßberge zerbricht man sich gerade den Kopf darüber, wer die Ziele für die Klimaneutralität verfolgen soll.

Die CSU-Kreistagsfraktion will den Landkreis Haßberge weiter zum Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit und Klimaschutz machen. So lautet zumindest ein entsprechender Antrag, den die CSU-Fraktion in den Kreistag eingebracht hat. Hauptinitiator ist der CSU-Landtagsabgeordnete und Kreisrat Steffen Vogel.

Bei einer Online-Diskussion zum Thema „Klimaneutraler Landkreis 2030“ wurde dieser Antrag am Dienstag mit 35 interessierten Zuschauer ausführlich besprochen. Der Verein „Wir gestalten Heimat e. V“ mit seinen Vorstandsmitgliedern Oliver Kunkel, Bernd Bullnheimer und Christian Wittmann hatte die Veranstaltung sozusagen als Ergänzung zur Podiumsdiskussion „Klimawende vor Ort“ im September in Zeil initiiert. Neben einigen Bundestagsdirektkandidaten nahm damals Steffen Vogel teil. Unter anderen Norbert Zösch (Stadtwerk Haßfurt), Günter Lieberth (Ubiz), Gunter Häckner (BEG Haßberge) und Stefan Zettelmeier (ÖDP) sowie einige Kommunalpolitiker diskutierten jetzt mit weiteren Online-Teilnehmern und Steffen Vogel über die Klimaschutzziele.

Bis 2030 klimaneutral?

Stimmkreisabgeordneter Vogel ging ausführlich auf den Antrag ein, in dem es unter anderem heißt: „ Bereits in den vergangenen Jahren wurden viele richtige und wichtige Schritte geleistet. Beispielsweise haben wir bereits seit Jahrzehnten das Umweltbildungszentrum in Oberschleichach. Wir haben die GUT gegründet, um das Vorgehen in Sachen Energiewende im Kreis zu bündeln. Die Stadtwerke Haßfurt sind in vielen Themen der Zukunft Vorreiter, zum Beispiel bei ,power to gas‘. Auf die Erfolge der Vergangenheit sollten wir uns nicht ausruhen, sondern weiter mutige Schritte zu mehr Klimaneutralität gehen. Der Landkreis sollte sich deshalb dem Ziel verpflichten, bis 2030 klimaneutral zu sein. Ein wichtiger Punkt dabei wird der Ausbau der erneuerbaren Energien sein. Bereits heute ist der Landkreis Haßberge sehr fortschrittlich in der Erzeugung erneuerbarer Energien. 71 Prozent unseres Strom und 26 Prozent des Wärmebedarfs werden bereits regenerativ erzeugt. Erneuerbare Energien bieten die Chance einer regionalen Wertschöpfung und damit die Perspektive von wirtschaftlichem Nutzen, gepaart mit einem Nutzen für die Natur und dem Klimaschutz.“

„Die CSU will das Thema voranbringen, ohne Ideologie, dafür mit pragmatischen Lösungen“, sagte Steffen Vogel und zeigte sich offen für Anregungen von allen Seiten. Großer Zuspruch kam von den Diskussionsteilnehmern. So sagte zum Beispiel Bernd Bullnheimer im Rückblick auf die Zeiler Podiumsdiskussion: „Ich hätte nicht gedacht, dass Steffen Vogel den ersten Stein wirft und dass so schnell ein Antrag zustande kommt.“ Bullnheimer forderte auch, die Bürger mehr mitzunehmen. Vogel schlug daraufhin offene Veranstaltungen in allen Teilen des Landkreises vor, bei denen die Menschen ihre eigenen Ideen zum Klimaschutz einbringen können.

Vogel machte auch keinen Hehl daraus, dass er kein Freund einer Kooperation mit „Südwerk“ ist. Dieser private Investor, der seinen Sitz „im fernen Oberfranken“ habe, pachte Flächen und erstelle große Photovoltaikanlagen. Die Bestrebungen von Kommunalpolitikern aus dem nördlichen Landkreis, mit dieser Firma zusammenzuarbeiten, missfallen Vogel. Er hält stattdessen eine Planung von Photovoltaikanlagen durch die GUT für wesentlich sinnvoller.

Norbert Zösch, Geschäftsführer des Haßfurter Stadtwerks, stimmte zu. Die lokale Wertschöpfung könne nur mit lokalen Unternehmen geschaffen werden, sagte Zösch. Stefan Zettelmeier forderte im Zusammenhang mit einem Antrag, den seine Partei (ÖDP) im Kreistag eingereicht hat, einen Unterausschuss zu bilden, der sich ausführlich mit dem Thema befasst. In dem ÖDP-Papier heißt es unter anderem: „Wir sind der Meinung, dass es nicht ausreichen wird, den Auftrag Klimaneutralität in die Hände der GUT-Geschäftsführung und des Klimamanagers zu legen und sich einmal jährlich berichten zu lassen. Da acht Jahre, gemessen an der Aufgabenstellung, ein sehr kurzer Zeitrahmen sind, halten wir von Beginn an besondere Strukturen und Zielvorgaben für erforderlich, um den Anpassungsprozess effektiv voranzubringen.“

Stellvertretender Landrat Oskar Ebert, forderte bei der Online-Diskussion, die Klimaneutralität zur Chefsache zu machen. Auch Vogel stimmte dafür: „Ein so wichtiges Thema soll in den Spitzen des Kreistages, wie etwa dem Kreisausschuss, laufen.“

Aus der Sicht des Praktikers

Andreas Bierlein, der über sich sagte, er sei ein „politisch Unbeteiligter“, wünschte sich, dass dem Antrag auch Taten folgen. Als beruflich für die Entwicklung von Windkraftanlagen in einem Großkonzern verantwortlich, beschrieb er die Vorgehensweise seines Arbeitgebers, der ebenfalls das Ziel der Klimaneutralität habe: „Wenn wir die Ziele, die für ein einzelnes Jahr gesteckt sind, nicht erreichen, gibt es einfach kein Geld. Aber das ist in der Politik ja leider nicht möglich.“