Hochwasserschäden
Sie hoffen auf den Freistaat
Kniehoch stand am 9. Juli das Wasser im Weitramsdorfer Wiesengrund. Zahlreiche Keller liefen voll, die Schäden waren teilweise immens.
Kniehoch stand am 9. Juli das Wasser im Weitramsdorfer Wiesengrund. Zahlreiche Keller liefen voll, die Schäden waren teilweise immens.
Foto: Kerstin Körner
Coburg – Im Coburger Land können Geschädigte aus den Monaten Juni und Juli auf Hilfe durch den Freistaat Bayern hoffen. Zwei Betroffene berichten.

Im Rückblick auf diesen verrückten 9. Juli ist Hildegard Vetter am Ende sogar froh. Denn die Sache mit dem Starkregen sowie dem Hochwasser aus und um den Eggenbach hätte für sie auch böse ausgehen können.

„Ich war gerade im Keller“, erzählt die 68-Jährige, „als ich im Hof ein Auto gehört habe.“ Deshalb ging Hildegard Vetter nach oben zur Haustüre – just genau in dem Moment, als das Wasser die schwere Holztür im Keller aufdrückte und binnen weniger Augenblicke alles unter Wasser stand. Die bis oben hin volle und damit zentnerschwere Kühltruhe hat das Wasser einfach umgeworfen.

„Es steht alles unter Wasser“

In Weitramsdorf, bei Kerstin Körner, war es nicht viel anders. Als sie an diesem Tag früh um halb acht in die Arbeit ging, war noch alles in Ordnung und der kleine Bach hinter ihrem Haus im Wiesengrund plätscherte vor sich hin. Anderthalb Stunden später klingelte bei Körner das Handy: „Nachbarn waren dran: Es steht alles unter Wasser.“

Die Kellertür hatte dem Druck des Wassers nachgegeben, ein Schwall ergoss sich ins Haus. Bilanz: Heizung kaputt, Einrichtung kaputt, zentnerweise Holzpellets unbrauchbar. „Wir werden noch lange mit den Schäden zu tun haben“, sagt Kerstin Körner, die den nicht durch die Versicherung gedeckten Schaden am gemeinschaftlichen Inventar des Vier-Familien-Hauses auf rund 15000 Euro schätzt.

Lesen Sie hier:

Die Lage heute

Heute, sechs Wochen später, sind die Keller wieder sauber, teilweise schon neu gestrichen. „Das alles zahlt zum Glück die Versicherung“, sagt Hildegard Vetter, während sie ihre Vogelfutter-Vorräte für den Winter zurecht schiebt. Die musste sie neu bestellen, weil die alten Säcke einen dreiviertel Meter hoch im Wasser standen – so wie die erst sieben Monate alte Waschmaschine und die Kühltruhe auch.

Und für diese Schäden, beide Hausgeräte sind kaputt, gibt es kein Geld von der Versicherung. Für den seit dem Hochwasser unbrauchbaren Rasenmäher und viele andere Gartengeräte sicher auch nicht. Wie fast jeder in Lahm hatte die Familie Vetter nämlich keine Versicherung gegen Elementarschäden abgeschlossen. Aber sie haben nun zumindest die Hoffnung, dass sie und ihre vom Eggenbach-Hochwasser betroffenen Nachbarn vom Freistaat Bayern unterstützt werden.

Viel Lob für die Feuerwehr

Das Starkregenereignis hat bei den Betroffenen Spuren hinterlassen. Eigentlich sind die fast schon positiv, denn auf das Engagement der Feuerwehr, der Familie und der Freunde lässt Hildegard Vetter nichts kommen: „Da muss man wirklich dankbar sein.“ Die Feuerwehr ist es auch, die Kerstin Körner sofort nennt: „Was die geleistet haben, war super.“ In Lahm war die Feuerwehr schnell vor Ort, ein Aktiver machte sofort klar, dass die Sache mit dem überfluteten Keller eine gefährliche Sache war. Erst als für einen größeren Abschnitt an der Hans-Jahn-Straße der Strom abgestellt war, konnten die Helfer zum Abpumpen des Wassers in den Keller. Vorher war die Gefahr eines Stromschlages zu groß.

Lesen Sie dazu auch:

Bitte nicht noch einmal

Das Problem war dabei nicht nur der Eggenbach, sagt Hildegard Vetter im Rückblick. „Auch von der Wiese hinter dem Haus kam das Wasser geschossen“, erzählt sie. Nie habe sie sich vorstellen können, dass so schnell und so große Mengen Niederschlag zusammenkommen können. „Normal sieht man so was im Fernsehen und denkt nicht daran, dass so was hier auch passieren kann.“ Aber es kann passieren. Alteingesessene Lahmer haben Hildegard Vetter erzählt, dass es so ein Hochwasser schon mal gegeben hat.

So rund ein halbes Jahrhundert ist das aber schon her. Ob die Vetters und die Körners Geld vom Freistaat bekommen? Kerstin Körner ist da eher skeptisch: „Lassen wir uns mal überraschen…“ Gemeldet hat sie ihre Schäden jedenfalls der Gemeinde mal, wobei man bei ihr fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen verspürt, wenn sie abwinkt und sagt: „Ehrlich gesagt: Wir sind doch alle noch glimpflich davongekommen.“ Wichtiger als Geld wäre es Körner sowieso, wenn die Gemeinde im Wiesengrund das schon seit längerer Zeit geplante Regenrückhaltebecken bauen würde. „Damit wir keine Angst mehr haben müssen, dass so was wie im Juli noch einmal passiert.“