Kulturlandschaft
Die Sanierung wird fortgesetzt
Die Mauern speichern am Tag Sonnenwärme, was der wärmeliebenden Flora und Fauna zugute kommt. Doch zahlreiche Mauerstücke sind, bzw. waren eingefallen.
Die Mauern speichern am Tag Sonnenwärme, was der wärmeliebenden Flora und Fauna zugute kommt. Doch zahlreiche Mauerstücke sind, bzw. waren eingefallen.
Claus Haubensack
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
LKR Haßberge – Mit Zuschüssen vom Freistaat Bayern in Höhe von 60.000 Euro setzt der Landkreis Haßberge die Sanierung der alten Weinbergsmauern fort.

Im Laufe dieses Jahres sollen im Naturschutzgebiet Pfaffenberg zwischen Steinbach und Ziegelanger weitere eingefallene Weinbergsmauern saniert werden. Fördergelder in Höhe von 60.000 Euro wurden dazu vom Landkreis Haßberge beim Freistaat Bayern beantragt. Bereits im vergangenen Jahr hatte man damit begonnen, die schwierigsten Mauerabschnitte im Osten des Berges zu sanieren.

Wegen der Höhe von bis zu zwei Metern ist die Trockenbauweise laut einer Mitteilung des Landratsamtes nur sehr schwierig zu bewerkstelligen, zumal nur die vor Ort vorhandenen Steine verwendet werden, die oft erst wieder ausgegraben werden müssen. Diese Arbeiten werden 2022 fortgesetzt. Der Pfaffenberg vereint somit die Interessen des Weinbaus, des Naturschutzes und des Tourismus.

Gut 700 Jahre alt

Die Weinberge zwischen Steinbach und Ziegelanger wurden um 1300 angelegt, in einer Zeit, in der der Weinanbau boomte und bis in den Osten Unterfrankens ausgeweitet wurde. Durch die Einschleppung der Reblaus Anfang des 20. Jahrhunderts hat der Weinbau einen massiven Einbruch erlebt. Die Weinbergsmauern am Pfaffenberg verfielen zunehmend, viele Weinberge wurden langsam von Gebüsch erobert.

Die zunehmende Mechanisierung im Weinbau machte die Bewirtschaftung der steilen, mit Mauern unterteilten Parzellen unwirtschaftlich, da diese nur in Handarbeit bearbeitet werden können. Deshalb wurde 1979 eine Weinbergs-Flurbereinigung angeordnet, die allerdings bei Kulturhistorikern und Naturschützern auf heftige Kritik gestoßen ist.

Der gesamte Hang sollte maschinengerecht umgestaltet werden, sämtliche kulturhistorisch und naturschutzfachlich bedeutsamen Strukturen wie Trockenmauern, Magerrasen- und Saumvegetation sollten verschwinden.

Ein Kompromiss

Herausgekommen ist schließlich ein Kompromiss: Die unteren zwei Drittel des Hanges wurden für die maschinelle Bewirtschaftung umgestaltet. Im oberen Drittel wurden traditionelle Rebflächen erhalten und Magerrasen und Saumstrukturen wiederhergestellt. 1987 konnte die Flurbereinigung abgeschlossen werden. Im Bereich der Rebflächen wurden im Rahmen der Flurbereinigung die Sandstein-Trockenmauern saniert.

Im Jahr 1986 ist das obere Drittel des Hanges als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden. Hauptzweck des Naturschutzgebietes Pfaffenberg ist, die „landschaftsoptisch und kulturhistorisch sehr bedeutende Weinbergsanlage mit ihren fischgrätartig angelegten Trockenmauern und Treppenaufgängen in ihrem Bestand zu sichern“.

Aufwendige Pflegemaßnahmen

Ab 1991 wurden die naturschutzfachlich wertvollen Halbtrockenrasenflächen teilweise von Gebüsch befreit und regelmäßig gemäht. Diese Pflegemaßnahmen werden vom Landkreis Haßberge mit Naturschutz-Fördergeldern des Freistaates Bayern bis heute regelmäßig durchgeführt.

2001 wurde damit begonnen, eingefallene Mauerabschnitte innerhalb der Naturschutzflächen zu sanieren. Landwirte, Mitglieder des Maschinenrings Haßgau, wurden mit den Arbeiten beauftragt. Seither werden immer wieder Mauerabschnitte mit Naturschutzgeldern saniert.

Lebensraum für Spezialisten

Auch Rückschläge mussten dabei eingesteckt werden, da einige bereits sanierte Mauern erneut eingestürzt sind. Aber die Investitionen lohnen sich: „Der Pfaffenberg wirkt heute optisch ansehnlich und bietet vielen auf Trockenlagen spezialisierten Pflanzen- und Tierarten Lebensräume“, freut sich Claus Haubensack von der Unteren Naturschutzbehörde.

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