Geschützte Art
Die ersten Eberner Vögel sind umgezogen
Mehlschwalbenküken werden im Nest mit Insekten gefüttert. Eberner Vögel müssen jetzt umziehen.
Mehlschwalbenküken werden im Nest mit Insekten gefüttert. Eberner Vögel müssen jetzt umziehen.
Foto: Peter Steffen/dpa
Ebern – Wenn Tiere ihre Heimat verlassen müssen: Eine Mehlschwalbenkolonie wird wegen des Neubaus der Landesbaudirektion umgesiedelt.

Bei der Umsiedlung der Mehlschwalbenkolonie in Ebern sind erste Erfolge zu melden – bereits im vergangenen Jahr haben ein paar Tiere die Kunstnester bezogen. Nun können die nächsten Schritte des Umsiedlungsprozesses eingeleitet werden: Am 24. März wird deshalb ein weiterer Schwalbenmast an der südlichen Ecke des ehemaligen Gasthofs Post aufgestellt und weitere bestehende Naturnester an der Hausfassade mit Brettern verdeckt.

Warum ist das notwendig?

Bereits im vergangenen Jahr wurden erste Ersatzunterkünfte für die Mehlschwalbenkolonie in Ebern geschaffen. Denn für den geplanten Neubau der Landesbaudirektion müssen die Tiere, die sich an der Hausfassade des ehemaligen Gasthauses Post angesiedelt haben, umziehen. Gemeinsam mit einem Biologen wurde ein umfassendes Konzept entwickelt. Die Priorität lag dabei darauf, der geschützten Vogelart sowohl weiterhin Brutplätze auf dem Gelände des ehemaligen Gasthofs anzubieten als auch alternative Brutstätten im näheren Umfeld einzurichten.

Vorgabe der höheren Naturschutzbehörde

Die Vorgehensweise resultiert aus der Vorgabe der höheren Naturschutzbehörde und erfolgt in mehreren Schritten. Das Fachbüro begleitet die gesamte Umsiedlungsphase. Geprüft wird dabei auch, ob die Ersatzhabitate von den Vögeln angenommen werden und ob weitere Anpassungen vorzunehmen sind, teilt das Staatliche Bauamt Schweinfurt mit.

Künstliche Nester sollen die Schwalben zum Umzug animieren.
Künstliche Nester sollen die Schwalben zum Umzug animieren.
Foto: Archiv/eki

Begonnen hat die Umsiedlung im Frühjahr letzten Jahres, als ein Teil der insgesamt rund 30 vorhandenen Nester an der Fassade des ehemaligen Gasthofs Post mit einer Holzabdeckung versehen und die Brutplätze damit für die Mehlschwalben unzugänglich gemacht wurden. Gleichzeitig stellte man als Ersatz ein provisorisches Schwalbenhaus an der nördlichen Fassade des ehemaligen Gasthofs mit einem mobilen Fundament im Bereich des Geh- und Radwegs auf. Zudem wurde ein neues Mehlschwalbenhaus an der Einfahrt zum Parkplatz „An der Eiswiese“ und eine fünf Meter hohe und fünf Meter breite Mehlschwalbenwand auf einer freien städtischen Fläche am Friedhof errichtet. An einer Hausmauer in der Bahnhofstraße sind weitere Ersatzhabitate angebracht worden.

Bautätigkeit an drei Kunstnestern

Nach dem Herstellen der Ersatzhabitate beobachtete der beauftragte Biologe die Mehlschwalbenkolonie während der ersten und zweiten Brutphase 2021 und stellte erste Erfolge fest: Insgesamt waren drei Kunstnester an zwei Ersatzbrutstandorten (Schwalbenmast Gasthof; Euronics-Gebäude) von Mehlschwalben besetzt. An drei weiteren Kunstnestern fand zumindest eine Bautätigkeit statt.

Um die Akzeptanz der Kunstnester weiter zu erhöhen, wurde im Juli 2021 an der Nistwand am Euronics-Gebäude eine sogenannte Anlock-Klangattrappe installiert, die mechanisch Mehlschwalbenkolonie-Geräusche abspielt.

Im nächsten Schritt wird diese Woche nun ein weiterer Schwalbenmast – diesmal an der südlichen Ecke des ehemaligen Gasthofes – errichtet und an der Hausfassade weitere Naturnester mit Brettern abgedeckt.

Bewusst ausgewählt

Als Zugvögel verbringen Schwalben die kalten Wintermonate in wärmeren Gefilden und kommen erst wieder im Frühjahr zur Brutzeit zurück. Schwalben gelten generell als sehr orts- und nesttreu. Wurde ein geeigneter Nistplatz gefunden und ein Nest gebaut, wird dieses in der Regel auch über Jahre hinweg wieder angeflogen. Die tatsächliche Akzeptanz von Ersatzhabitaten durch die Vögel ist nicht vorhersehbar. Zur Verbesserung der Erfolgschancen werden daher an mehreren Orten unterschiedliche Niststätten angeboten.