Baukostenexplosion
Wird der Straßenbau unbezahlbar?
In Wagenhausen gleicht der Straßenbau derzeit einem Tagebau: Die Generalsanierung über und unter der Erde soll im laufenden Jahr abgeschlossen werden.
In Wagenhausen gleicht der Straßenbau derzeit einem Tagebau: Die Generalsanierung über und unter der Erde soll im laufenden Jahr abgeschlossen werden.
Foto: Günther Geiling
Im Eltmanner Stadtteil Dippach wird nach dem Abbruch zweier Häuser Platz geschaffen für den Bau eines Gehweges entlang der Kreisstraße. Das bedeutet mehr Sicherheit.
Im Eltmanner Stadtteil Dippach wird nach dem Abbruch zweier Häuser Platz geschaffen für den Bau eines Gehweges entlang der Kreisstraße. Das bedeutet mehr Sicherheit.
Foto: Günther Geiling
Haßfurt – Der Bauausschuss des Kreistages schaute sich einige Baustellen an. Viele der 321 Kreisstraßen-Kilometer sind in die Jahre gekommen.

Nach vier Jahren führte der Bauausschuss des Kreistags Haßberge erstmals wieder eine Straßenbereisung durch und besichtigte dabei die Schwerpunkte des Ausbauplanes, die seit zwei Jahren abgeschlossen wurden, noch im Bau sind oder noch ausstehen.

Dabei mussten die Kreisräte auch enorme Kostensteigerungen zur Kenntnis nehmen, so dass die Ansätze für den Straßenbau erhöht und auch die „Bordmittel“ für die Tiefbauverwaltung angepasst werden müssen. Der Leiter der Tiefbauverwaltung, Alfons Schanz, erinnerte dabei an einen alten Beschluss, nach dem jährlich eine Million Euro an Eigenmittel eingesetzt werden sollen.

Preise haben sich verdoppelt

Allerdings hätten sich die Preise in den zwölf Jahren seiner Tätigkeit nahezu verdoppelt und deswegen müsste man sich die Frage stellen, ob man die Beträge für die Zukunft erhöhen muss. Ein Ausbau oder Vollausbau einer Straße setze ja auch eine Mindestbreite voraus, die bei Kreisstraßen bei 5,50 Metern liege.

Den Ausbausatz habe man von 800.000 um 120.000 Euro hochgesetzt und den Ansatz für einen Vollausbau von 1.150.000 Euro um 17 Prozent auf 1.350.000 Euro angehoben.

Beim Vollausbau einer Ortsdurchfahrt müsse man sogar die Kosten von 3 auf 3,5 Millionen Euro heraufsetzen. „Und das sind Preise, die durchaus noch nicht alles enthalten.“

Gemeinschaftliche Projekte

Bei der Zusammenarbeit mit den Gemeinden bei Ortsdurchfahrten hielt es Alfons Schanz für wichtig, dass die Infrastruktur stimme und man in den nächsten 20 Jahren dann im Straßenraum keine Hand mehr anlegen müsse. „Kanalbauarbeiten sind hier ganz entscheidend, und da bedarf es eines großen zeitlichen Vorlaufs.“

Eine solche Maßnahme sah man in Wagenhausen, einem Ortsteil der Gemeinde Theres, wo auf einer Länge von 470 Metern die gesamte Infrastruktur erneuert wird. Aber diese Maßnahme lohnt sich und der Ort wird sich damit sehr zum Positiven verändern“, sagte Schanz.

Die Bauausschussmitglieder fuhren mit dem Omnibus über zahlreiche Kreisstraßen bei Kreuzthal, Aidhausen, Happertshausen und Walchenfeld, wo teilweise Fahrbahn-Schäden sichtbar wurden.

Weitere Anträge

Auch hatten zahlreiche Gemeinden Anträge gestellt auf Berücksichtigung im Ausbauplan wie die Gemeinde Burgpreppach, wo eine Fahrbahndecke bei Gemeinfeld sich sanieren lasse, aber auch Maßnahmen wie die Anbindung zur B 303 und die Ortsdurchfahrt in diesem Wunschkonzert einen größeren Umfang ausmachten.

Auch über die Fortführung und Alternative des Radweges entlang der B 303 oder über die Kreisstraße Has 46 nach Goßmannsdorf machte man sich ein Bild. „Hier sind erste Kosten auf 3,3 bis 4,3 Millionen Euro veranschlagt, und es muss dazu die Förderung stimmen,“ meinte Alfons Schanz.

Endlich ein Gehsteig

Eine Maßnahme mitten im Bau sah man in Dippach, wo es der Wunsch der Stadt Eltmann war, an der Kreisstraße von der Kirche bis zum Friedhof einen Gehweg anzulegen. Um dies überhaupt möglich zu machen, musste die Stadt erst zwei Häuser erwerben und diese abbrechen, um Raum für diesen Fußweg zu bekommen.

Hier hätten der Landkreis und die Stadt gleichermaßen einen Vorteil, weil die Fußgänger aus dem Verkehr auf der Straße herausgenommen würden. Deswegen unterstütze der Landkreis diese Maßnahme bei einer Gesamtsumme von rund 594.000 Euro mit 80.000 Euro. Bis zum Jahresende soll diese Baustelle beendet sein.

Projekt ist gelungen

Von einer gelungenen Maßnahme konnte man sich in Zeil in der Sander Straße überzeugen, wo auf 445 Metern Länge große Teil der Infrastruktur erneuert wurden und der Landkreis für den Straßenbau Eigenmittel in Höhe von 340.000 Euro aufbringen musste.

Immer wieder einmal war der Bauausschuss in den vergangenen Jahren an der Barockbrücke in Frickendorf, so auch jetzt. Der langjährige Heimatpfleger Günter Lipp bezeichnete sie als eine „ungewöhnliche Brücke für ein Dorf mit 120 Einwohnern“. Landrat Wilhelm Schneider bestätigte, dass es für den Frickendorfer Lipp eine „Herzensangelegenheit“ war, diese Brücke zu sanieren. Lipp meinte, „die Brücke ist im Eigentum des Landkreises und dieser hat die Verpflichtung ein solches Bauwerk zu erhalten“.

Im Jahr 1750 gebaut

Die Brücke war um 1750 unter Fürstbischof Carl Philipp von Greifenklau als repräsentatives Bauwerk des Hochstifts Würzburg errichtet worden, mit vier Heiligenfiguren. Für die Sanierung waren bei Baubeginn im Jahre 2017 rund 250.000 Euro veranschlagt, sie wurde nun vor einiger Zeit mit 310.000 Euro abgerechnet.

Alfons Schanz ging auch auf die verschiedenen Arten der Deckenbausanierungen ein und bat darum, dass auch die Mittel für die Tiefbauverwaltung erhöht werden müssten. Die aktuelle Steigerung der Kosten in Höhe von 25 bis 30 Prozent hätten auch diese Abteilung eingeholt. So wünschte er sich statt 250.000 Euro pro Jahr 350.000 Euro als „Bordmittel“ für Dienstleistungen der Straßenmeisterei, aber auch für Energie und Treibstoff.

Im Ausbauplan des Landkreises für das laufende Jahr stehen die Has 27 (Ortsdurchfahrt Wagenhausen) mit 600.000 Euro, die Has 24 (Dippach) mit 594.000 Euro, die Has 2 (Ortsdurchfahrt Greßhausen) mit 15.000 Euro und die Has 56 (Losbergsgereuth bis Landkreisgrenze) mit 350.000 Euro.

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