Würde man die Eltern von Bella Hehn fragen, ob man das mit der Leidenschaft fürs Fliegen bei ihrer Tochter schon früh hat erahnen können, würde die Antwort sicherlich „Ja“ lauten. Bereits als Kleinkind steckte die kleine Bella jeden Cent in ihre Spardose, um irgendwann auf den Mond fliegen zu können. Und vor dem Abflug mit einem Passagierflugzeug wollte das interessierte Mädchen immer noch unbedingt einen Blick ins Cockpit werfen. „Ich habe mich von Anfang an für die Technik interessiert und wollte wissen: Wie fliegen diese großen Maschinen“, erzählt die heute 28-Jährige.
Der Traum vom Fliegen löst sich in den Folgejahren nicht in Luft auf. Auch nicht, als Bella Hehn im Rahmen der Berufsberatung nahegelegt wird, dass das mit der Flugleidenschaft schon ganz nett ist, sie es aber zunächst mal als Stewardess probieren sollte. „Ich wollte unbedingt Berufspilotin werden und habe da sehr viel Energie reingesteckt.“
Bewerbung bei Swiss und Lufthansa
Kurz vor dem Abi bewirbt sich die Haßfurterin bei Swiss und Lufthansa. Die Enttäuschung ist groß, als sie bei beiden Fluggesellschaften nicht genommen wird. Sie verabschiedet sich damals von ihrem Kindheitstraum, die Liebe zur Fliegerei bleibt.
Ausbildung am Flugplatz Haßfurt
Es ist eine glückliche Fügung, dass der Flugplatz in Haßfurt nur zehn Minuten von ihrem Elternhaus entfernt liegt. Mit 23 Jahren entscheidet sie sich für die Privatpilotenlizenz. Die kostet nicht nur knapp 10.000 Euro, sondern hat es auch in sich: Fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis, Sprechfunkzeugnis, Theorieunterricht, Zuverlässigkeitsprüfung beim Flugamt und insgesamt 45 Praxisstunden.
Nach zwei intensiven Jahren hält Bella Hehn die Erlaubnis zum Führen von Luftfahrzeugen in ihren Händen. „Ich erinnere mich noch an meine erste Flugstunde ohne Begleitung. Das war schon sehr aufregend.“
Heute ist Bella Hehn im Motorflugclub (MFC) Haßfurt ein fest integriertes Mitglied. Als Frau in einer Männerdomäne abzuheben, berichtet sie, sei hier ganz normal. „Wir sind einfach verschiedene Charaktere mit der gleichen Leidenschaft.“
Komisch geschaut werde eher auf anderen Flugplätzen. „Da werde ich als junge Frau schon mal anders wahrgenommen, wenn ich aus dem Flugzeug steige“, sagt Bella Hehn, für die es immer noch „surreal“ ist, dass sie, wann immer sie möchte, sich online eine der vereinseigenen Maschinen mieten und losfliegen kann.
Ausflug an den Gardasee
Im Sommer ist sie zum Beispiel mit anderen Vereinsmitgliedern von Haßfurt aus zum Gardasee und anschließend nach Venedig geflogen. „Das sind diese schönen Erlebnisse, die mir zeigen: Es hat sich gelohnt, dass ich diesen Weg gegangen bin.“
Das Fluggefühl, erzählt Bella Hehn, gibt ihr dabei sehr viel. „Ich bin dann total im Moment und kann alles andere hinter mir lassen, obwohl man sehr konzentriert sein muss. Es ist eine Kombination aus Freiheit und Verantwortung.“
Beschenkt wird Bella Hehn, die aktuell mit ihrer Schwester und deren Freund die Leuchtmühle bei Burgpreppach zu einer Eventlocation umbaut, mit besonderen Momenten. Wenn sie beispielsweise an einem goldenen Herbsttag ihre Heimat erkundet oder sich in Kapstadt ein Flugzeug ausleiht und den Tafelberg umkreist. „Es geht mir nicht darum, schnell von A nach B zu kommen, sondern um das besondere Fluggefühl und den Perspektivwechsel.“
Ziele, die sie in Zukunft unbedingt mal ansteuern will, sind Norwegen oder Finnland. Und Bella Hehn macht sich aktuell auch Gedanken darüber, wo sie die Fliegerei in ihrem Leben noch hinführen wird. Als Berufspilotin einer Airline sieht sich die 28-Jährige, die Grundschullehramt studiert hat, aktuell nicht mehr.
Eine gewerbliche Pilotenlizenz könnte aber trotzdem irgendwann dazu kommen. Bella Hehn möchte ihre Leidenschaft, die ihr privat so viele Glücksmomente schenkt, gerne auch sinnvoll einsetzen. „Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, im Bereich medizinischer Transportflug zu arbeiten.“
Doch das ist noch Zukunftsmusik. Bis dahin wird Bella Hehn sicherlich noch einige Runden über den Landkreis Haßberge kreisen. Und sie wird vom Boden aus weiter die kleinen und großen Flugzeuge begutachten. „Das mache ich immer noch. Wenn ich beispielsweise an einem Flughafen bin, stehe ich neben den Kindern an der großen Scheibe und beobachte die Maschinen auf der Landebahn.“

















