Demografie
Wie die Kriegsvertriebenen helfen könnten
Damit sie eine Perspektive bekommen, werden Julia, Kira, Nikita und Ludmilla von der Dolmetscherfamilie Yaroslaw mit Mama Nadija, Emily und Papa Alexander unterstützt.
Damit sie eine Perspektive bekommen, werden Julia, Kira, Nikita und Ludmilla von der Dolmetscherfamilie Yaroslaw mit Mama Nadija, Emily und Papa Alexander unterstützt.
Foto: Günther Geiling
LKR Haßberge – Im Landkreis Haßberge fehlen Auszubildende und Fachkräfte. Hoffnungen ruhen deshalb auch auf den geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern.

Um fehlende Auszubildende und Fachkräfte ging es bei der Sitzung des Ausschusses für Arbeit und Soziales des Landkreises Haßberge. Barbara Hofstadt von der Handwerkskammer Unterfranken wies auf die 2000 unbesetzte Lehrstellen hin. Klar wurde, dass viele Hoffnungen auch auf den zugewanderten und geflüchteten Menschen ruhen.

Das Thema „Fachkräfte aus dem Ausland“ habe eine neue Brisanz bekommen, sagte Hofstadt. Derzeit seien Menschen aus 60 verschiedenen Nationen in Unterfranken im Handwerk tätig. Die Einwanderung sorge für neue Perspektiven.

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Jürgen Bode, bezeichnete den Arbeitsmarkt als hervorragend. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Haßberge liege bei nur 2,5 Prozent. Das Fachkräftemonitoring habe ein Defizit von 11.000 Fachkräften in Mainfranken ergeben und deswegen wolle man auch die Möglichkeiten aus dem Einwanderungsgesetz bei den Unternehmen propagieren. 60 Prozent der potenziellen Bewerber erhielten derzeit gleich eine Vollanerkennung, während 30 bis 40 Prozent in eine Nachschulung müssten, um auf diese Weise ihre Potenziale weiterentwickeln zu können.

Scouts werben fürs Handwerk

Jürgen Bode nahm den Begriff „Demografie-Falle“ in den Mund. Die IHK gehe mit Ausbildungsscouts in die Schulen, um über die veränderte Arbeitswelt und die Berufe zu informieren. Man dürfe aber auch ausländische Fachkräfte nicht aus den Augen verlieren, die aus dem Westbalkan und aus der Türkei kämen, und derzeit auch aus China, zum Beispiel im Gastronomiebereich.

Viele ukrainische Familien und Flüchtlinge haben sich über die Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung in den verschiedenen Unterkünften wie hier in der ehemaligen Schule in Stettfeld gefreut: Mama Nasjwa, Vater Farhod mit den Kindern Sevinja, Güzel ...
Viele ukrainische Familien und Flüchtlinge haben sich über die Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung in den verschiedenen Unterkünften wie hier in der ehemaligen Schule in Stettfeld gefreut: Mama Nasjwa, Vater Farhod mit den Kindern Sevinja, Güzel und Mohammed beim Kochen (von links). Meist ziehen sie aber auch in Privatwohnungen oder zu Verwandten weiter.
Foto: Günther Geiling

Dieter Sauer vom Sozialamt und Werner Mahr vom Jobcenter berichteten von der Aufnahme und Integration der aus der Ukraine Vertriebenen und Geflüchteten. Seit Februar habe man eine sehr große Anzahl von Menschen aufnehmen müssen. „Dies war eine große Herausforderung, weil wir nicht darauf eingestellt waren. Inzwischen sind rund 650 Menschen aus diesem Gebiet bei uns und wir stehen dabei vor einer ständigen Fluktuation“, betonte Dieter Sauer. Viele gingen weiter zu Verwandten oder Bekannten oder kehrten auch in ihre Heimat zurück.

Jetzt kommen laut Sozialamt nur noch wenige Menschen aus der Ukraine

Vordringlich sei die Bereitstellung von Unterkünften gewesen und hierfür habe man 479 Plätze angeboten. Die Aufnahmebereitschaft aus der Bevölkerung sei groß und die Notplätze wie in der Frauengrundhalle in Ebern seien nie komplett ausgenutzt worden. Aktuell habe der Zustrom nachgelassen und es kämen nur noch vereinzelt Personen aus der Ukraine in den Landkreis Haßberge.

Werner Mahr teilte mit, dass 169 Anträge auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II gestellt und über 92 Anträge schon entschieden worden seien. Eine nahtlose Leistungsgewährung sei aber sichergestellt. Es seien bereits 189 erwerbsfähige Ukrainer im Fachverfahren erfasst worden und man habe auch einen Integrations- und Sprachkurs mit 65 Plätzen eingerichtet, wobei man insgesamt mit einem Bedarf von 400 Plätzen rechne. Manche Ukrainer pendelten auch zu solchen Kursen nach Schweinfurt oder Bamberg aus. „Wichtig ist auf jeden Fall, dass sie einen solchen Kurs machen, denn nur damit haben sie eine Chance auf dem Arbeitsmarkt“, sagte Mahr.

Es gibt etliche Beispiele von Ukrainern, die hier schon beruflich Fuß gefasst haben

Er berichtete von einigen positiven Beispielen vom Übergang von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt. „Ein Ukrainer, der in der Schule Deutsch lernte, wurde schon zum 1. Juni von der Post als Zusteller eingestellt. Ein weiterer Ukrainer hat in Bamberg eine Arbeit als Kfz-Mechaniker (es war sein erlernter Beruf) in Teilzeit aufgenommen und besucht dort zusätzlich in Teilzeit einen Integrationskurs. Zwei Lehrerinnen unterstützen als Förderlehrerinnen den Schulunterricht an Grundschulen im Landkreis.“