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Wirtschaftskrise
Bosch Rexroth streicht Stellen in Augsfeld
„Wir brennen für unseren Standort in Augsfeld“, machte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Stefan Selig (rechts) den Widerstand der Belegschaft deutlich. Insgesamt 150 Beschäftigte nahmen an der „aktiven Pause“ teil.
„Wir brennen für unseren Standort in Augsfeld“, machte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Stefan Selig (rechts) den Widerstand der Belegschaft deutlich. Insgesamt 150 Beschäftigte nahmen an der „aktiven Pause“ teil. // Christian Licha
„Vor sechs Jahren war unser Werk Augsfeld noch die Nummer Eins bei Bosch-Rexroth“, sagte Betriebsratsvorsitzender Ingo Pflugmacher.
„Vor sechs Jahren war unser Werk Augsfeld noch die Nummer Eins bei Bosch-Rexroth“, sagte Betriebsratsvorsitzender Ingo Pflugmacher. // Christian Licha
Signet des Fränkischen Tags von Christian Licha
Haßfurt – Mitarbeitende des Bosch-Rexroth-Werks in Augsfeld kritisieren die Pläne zum massiven Stellenabbau. Der Anfang vom Ende?

Im dichten Nebel lag am frühen Montagvormittag das Bosch-Rexroth-Werk in Augsfeld. Ebenso undurchsichtig wie das Wetter ist derzeit die berufliche Zukunft der insgesamt 420 Beschäftigten in dem Standort des Konzerns im Haßfurter Stadtteil.

Laut Unternehmensführung sollen 135 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2027 abgebaut werden. Gegen die Pläne hat sich Widerstand formiert, der nun konkrete Formen annahm. Die Gewerkschaft IG-Metall lud zusammen mit dem Betriebsrat zwischen 9 Uhr und 9.30 Uhr zu einer „aktiven Pause“ auf dem Firmenparkplatz ein. Insgesamt rund 150 Männer und Frauen der Frühschicht und auch einige Beschäftigte der anderen Schichten nahmen das Angebot an und zeigten mit ihrem Erscheinen ihren Protest.

Von Nachricht überrascht

Der Termin am Montag war schon seit längerer Zeit geplant, um eigentlich ein Zeichen der Solidarität mit den Rexroth-Standorten zu setzen, deren Stellenabbaupläne bereits bekannt waren. „Wir wollten heute für ursprünglich 700 abzubauende Mitarbeiter bei Bosch-Rexroth aufmerksam machen – als Standort nicht selbst betroffen – doch dann kam der Mittwoch, 6. November – und wir stehen heute nicht nur solidarisch, sondern selbst betroffen vor unserem Werk. Es geht seit diesem Mittwoch nicht mehr nur um 700 Mitarbeiter bei Bosch-Rexroth, sondern um mehr als 1.000 Mitarbeiter, die über die nächsten drei Jahre abgebaut werden sollen“, sagte Stefan Selig, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende in Augsfeld.

Harter Schlag für die Beschäftigten

Diese Informationen, die Selig vor rund einer Woche erhalten habe, sei ein ein harter Schlag gewesen. Durch anstehende Verlagerungen und das Einbrechen der Wirtschaft sollen 98 direkte Arbeitsplätze und 37 indirekte Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden. Umso mehr freute sich der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, dass die Kolleginnen und Kollegen mit ihrer Anwesenheit bei der „aktiven Pause“ ihre Entschlossenheit zum Ausdruck bringen, ganz nach dem Motto: „Wir brennen für unseren Standort in Augsfeld“.

„Vor sechs Jahren war unser Werk Augsfeld noch die Nummer Eins bei Bosch-Rexroth“, verdeutlichte Betriebsratsvorsitzender Ingo Pflugmacher. Gleichzeitig monierte er, dass momentan die Maschinen nicht so laufen würden, wie sie sollen und die Beschäftigten mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Nach den Stellenabbauplänen seien alleine in der Fertigung fast 100 Stelen betroffen. Diese Zahl fand Pflugmacher aus der Luft gegriffen, denn wenn dies verwirklicht würde, dann „arbeitet keiner mehr“.

Schlechte Auftragslage

Als Vertreter der IG-Metall machte Björn Mannß den Anwesenden klar, dass der Stellenabbau in Zahlen gefasst fast eine ganze Schicht ausmache. Betriebsratsmitglied Marco Diehm-Hauber und verdeutlichte auch, dass es nicht nur einzelne Abteilungen betreffe, sondern die gesamte Belegschaft. Deshalb rief er alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu auf, solidarisch zusammen für den Arbeitsplatzerhalt zu kämpfen.

Grund für den Abbau sei die schlechte Auftragslage im Bereich Mobilhydraulik, teilte das Unternehmens vor einigen Tagen mit. Das Werk in Augsfeld soll nach dem Willen des Konzerns neu ausrichtet werden und sich fortan statt auf die Produktion kleiner Scheibenventile auf die Herstellung von Monoblöcken und großen Scheibenventilen konzentrieren. Der Stellenabbau in Augsfeld solle sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen, versprach Bosch-Rexroth, dessen Hauptverwaltung sich in Lohr am Main befindet.

Ein Drittel der Stellen fällt weg

Bis Ende 2027 sollen im Werk in Augsfeld, einem Stadtteil von Haßfurt, 135 Stellen gekürzt werden. Das entspricht knapp einem Drittel der Belegschaft. In Elchingen bei Neu-Ulm werden außerdem bis 2025 nach Unternehmensangaben rund 180 Stellen gestrichen, dazu entfallen 15 Stellen am Hauptsitz in Lohr am Main.

Bosch Rexroth beschäftigt am Standort Lohr rund 5.300 Menschen. Dort sollen in verschiedenen Bereichen ohnehin 240 Stellen bis 2026 abgebaut werden, hieß es bereits im September. Die jetzt bekannt gegebenen Einsparungen betreffen laut Bosch Rexroth die Standorte für Mobilhydraulik.

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