Technik
Drohne checkt Hochspannungsleitung
Die Langstreckendrohne startete am Modellflugplatz in der Nähe von Prappach.
Die Langstreckendrohne startete am Modellflugplatz in der Nähe von Prappach.
Foto: Christian Licha
F-Signet von Christian Licha Fränkischer Tag
Haßfurt – Zwischen Haßfurt und Prappach war ein kleiner elektronischer Helfer im Einsatz. Was er kann und weshalb sein Einsatz sinnvoll ist.

In einem gemeinsamen Demonstrationsprojekt haben Bayernwerk Netz (Bayernwerk), Siemens Energy und Schleswig-Holstein Netz am Donnerstag erstmals in Deutschland eine Freileitung mit einer Langstreckendrohne beflogen. Die mit einem Multisensor ausgerüstete Drohne hat zur Deutschlandpremiere für einen unbemannten Flug außerhalb der Sichtweite der steuernden Person den Abschnitt einer Hochspannungsleitung zwischen Haßfurt und Prappach kontrolliert.

Start und Landepunkt der Drohne und eines begleitenden Hubschraubers war der Modellflugplatz in der Nähe von Prappach. „Wir haben Haßfurt ausgewählt für unser Event, weil wir hier eine Stromleitung unmittelbar am Ort des Events haben“, sagte eine Bayernwerk-Sprecherin.

Derzeit erfasst Siemens Energy im Auftrag der beiden E.ON-Netzbetreiber die Daten von rund 4000 Leitungskilometern im Überflug mit dem Hubschrauber digital.

Vorteile für Umwelt und Natur

Mit „Sieaero“ setzen die Beteiligten in Zukunft auf eine innovative und automatisierte Leitungsinspektion mit vielfältigen Auswertungsmöglichkeiten und Vorteilen für Umwelt und Natur. Beim Einsatz der Sieaero-Technologie bringt die Bayernwerk Netz mit Siemens Energy künstliche Intelligenz, hochauflösende Multisensorik und innovative cloudbasierte Plattformen zum Einsatz.

„Mit den Aufnahmen und der Aufbereitung der Daten erhalten wir einen digitalen Zwilling unseres Hochspannungsnetzes. Die automatische Befliegung macht die Leitungsinspektion künftig noch schneller, genauer und hilft uns in kürzeren zeitlichen Abständen, den Zustand unserer Leitungen exakt zu bewerten“, erläuterte Egon Westphal, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, bei der Flug-Demo in Haßfurt. Auf diese Weise kann Bayerns größter regionaler Energienetzbetreiber Störungen oder Fehler erkennen und die Versorgungssicherheit im eigenen Netzgebiet erhöhen.

Höchste Datenqualität

Im Vergleich zur konventionellen Freileitungsinspektion, die drei getrennte Hubschrauberflüge umfasste, inspiziert „Sieaero“ die Leitungen in einem Flug. Das liefert höchste Datenqualität, vermindert die Lärmbelästigung für Umwelt und Natur, Inspektionskosten und zeigt die Innovationsfreude des Bayernwerks und seiner Partner. „Die Digitalisierung bietet ein enormes Potenzial, die Energieeffizienz zu erhöhen und die Zuverlässigkeit unserer Stromnetze zu maximieren.

Genau deswegen haben wir auch ,Sieaero‘ entwickelt“, sagte Tino Link, Leiter „Transmission Lifecycle Services“ bei Siemens Energy. Er ergänzte: „Bereits heute können wir mit dem System die Stromleitungen präziser analysieren und die Anzahl der Helikopterflüge von zwei oder drei auf einen pro Strecke reduzieren. Mit den richtigen rechtlichen Rahmenbedingungen könnten wir durch den Einsatz der Langstreckendrohne die Umweltbilanz der Flüge noch einmal wesentlich verbessern.“ Projektleiter Christian Walter erklärte: „Nach den ersten erfolgreichen Sieaero-Flügen in Deutschland werden wir unseren Service nun auch in anderen europäischen Ländern und Nordamerika anwenden.“

Details darstellen per Computer

Er fügte hinzu: „Beim Einsatz der Drohne im Hochspannungsnetz wird in einem einzigen Überflug sowohl das gesamte Leitungsnetz als auch das Umfeld der Stromleitungen multisensorisch erfasst. Mit der anschließenden Auswertung am Computer lassen sich ohne zusätzlichen Aufwand Details an jedem beliebigen Betriebsmittel darstellen oder auch der Abstand von Bäumen und Pflanzen von den Leitungen für das Trassenmanagement beurteilen.“

Am Bildschirm werde in einer 3-D-Ansicht beispielsweise sichtbar, ob Mastverstrebungen oder Fundamente beschädigt wurden, Isolatoren verschmutzt sind oder Leiterseile ausgebessert werden müssen.

Neue Möglichkeiten für Mitarbeiter

Zukünftig sei neben dem Einsatz der Drohne vorstellbar, dass als Ergebnis der digitalen Auswertung eine künstliche Intelligenz etwa auf Abweichungen zu vorherigen Inspektionen oder Minderabstände beim Bewuchs der Trassen hinweist. Sieaero digitalisiert nicht nur die technischen Aspekte der Netzinstandhaltung und des Netzausbaus der beiden E.ON-Tochterfirmen, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten für die Mitarbeiter.

„Der Einsatz aller beteiligten Fachkräfte wird auch künftig gefragt sein. Bei einer Einsatzzeit einer Freileitung von rund 80 Jahren ist die Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur ebenso entscheidend wie Ertüchtigung oder Neubau.

 

Ausbau der Netzte

Dennoch: „Um die energiewirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft zu meistern, ist neben Innovationskraft ein massiver Ausbau der Netze notwendig“, sagte Egon Westphal. Der Bayernwerk-Chef sieht die Verteilnetze angesichts des gesellschaftlichen Ziels in Bayern, bis 2040 klimaneutral zu sein, im Mittelpunkt der Transformation des Energiesystems. „In ganz Bayern sind etwa 700.000 PV-Anlagen mit 16.000 Megawatt Leistung ans Stromnetz angeschlossen. Die Zahl und die Größe der Erneuerbaren Energien-Anlagen wächst stetig. Bis 2030 soll sich die installierte PV-Leistung verdreifachen“, beschrieb er den Anschlussboom.

Die Bayernwerk Netz habe im Jahr 2021 bereits mit einem Rekordbudget von rund 650 Millionen Euro in den Netzausbau investiert. Den verschärften Herausforderungen will die Bayernwerk Netz mit einer weiteren Steigerung der Investitionen in Ausbau und Instandhaltung auf 680 Millionen Euro im Jahr 2022 begegnen. 750 Millionen Euro sind für das Jahr 2023 und nach heutiger Planung 815 Millionen Euro für das Jahr 2024 eingeplant.

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