Ein bisschen sieht er aus wie Disney Pixar's WALL-E, der kleine Müllroboter, der im Film die Erde aufräumt, nachdem sie unbewohnbar geworden ist. Sein Auftrag ist zwar ein ganz anderer, jedoch mindestens genauso ernst: Der Löschroboter, der am Mittwochabend bei strahlendem Sonnenschein über den Möhrendorfer Bauhof tuckert, soll im Ernstfall bei Bränden eingesetzt werden und nicht nur die Bevölkerung, sondern vor allem die Einsatzkräfte der Feuerwehr schützen.
Gerade bei großer Hitze und Trockenperioden, wie sie in den letzten Tagen vorherrschen, sei die Feuerwehr besonders gefordert, gibt Alexander Tritthart zu bedenken. „Unsere Aufgabe ist es, die Bevölkerung zu schützen, aber eben auch die Feuerwehr zu schützen“, so der Landrat. Weil gerade in Gebieten wie dem Tennenloher Forst, wo wegen der historischen Nutzung noch immer eine akute Gefahr durch Munition und Sprengstoffreste vorliege, ein Brand auch für die Einsatzkräfte zusätzlich gefährlich werden kann, habe der Landkreis sich für die Anschaffung zweier Löschroboter entschieden.
Vorführung mit Wasserstrahl, Sirene und Blinklicht
Nach einigen Einführungsworten rollen die beiden neuen Einsatzkräfte auch schon los, quer über den Bauhof, auf die Straße und hinein ins Feld, dann wieder zurück. Von der Straße aus beginnen beide Roboter, Wasser auf ein Feld zu spritzen, manchmal in hohem Bogen als konzentrierter Strahl, manchmal als feiner Nebel, der den Umstehenden bei weit über 30 Grad angenehme Erfrischung bringt. Sogar eine Sirene und Blinklicht kann der drollige Helfer vorweisen. Die Faszination ist bei allen Anwesenden groß.
Bewusst habe man mit der Anschaffung im Wert von knapp 170.000 Euro kleinere Feuerwehren im Landkreis ausgestattet, dennoch werde der Roboter natürlich auch in anderen Orten zum Einsatz kommen, wenn benötigt. Die Rathsberger und die Möhrendorfer Feuerwehren machen vor, wie es geht. „Wir hatten das Bedienfeld relativ schnell drin“, sagt Ella Maierhofer, die einen der beiden Roboter die Straße auf und ab lenkt. „Man fährt mit dem Knüppel eigentlich ja genauso, wie man laufen würde.“ Bei der ersten Übungsfahrt sei sie drei bis vier Stunden unterwegs gewesen, dann habe sie die Steuerung blind beherrscht. Beinahe kunstvoll lässt sie den kleinen Roboter Pirouetten drehen, den Wasserstrahl größer und kleiner werden.
Löschroboter im Landkreis Erlangen-Höchstadt
Löschroboter: Einzigartig in Franken
Wie sehr sich die beiden Löschroboter bewähren, müssen die Feuerwehren nun im Einsatz testen. Klar sei, dass man sich auf ganz neuem Terrain bewege, sagt Kreisbrandrat Matthias Rocca. In ganz Franken sei die Neuanschaffung einzigartig, nur in Südbayern gebe es ein weiteres Modell. Damit setze der Landkreis als Vorreiter weiterhin auf innovative Technologie.
Neben dem Einsatz im Wald sei noch ein weiteres Szenario denkbar, in dem der Roboter die Einsatzkräfte nicht nur unterstützen, sondern schützen kann, erklärt Kreisbrandmeister Andreas Schmidt. Da der Roboter nicht nur einen kompakten Wasserstrahl, sondern auch feinen Sprühnebel produzieren kann, könne man ihn zum Beispiel in Tiefgaragen zum Kühlen benutzen, wenn eine brennende Lithium-Batterie im Spiel sei. Weil der Roboter auch eine Kamera hat, könne man auf dem Bedienfeld sogar sehen, wie die Lage sei, ohne dass die Einsatzkräfte direkt die Tiefgarage betreten müssen.
Grenzen für den Roboter: Einsatzgebiet und Reichweite
Über eine kleine Sprinkleranlage können die Roboter sich außerdem selbst kühlen, wenn sie Gefahr laufen, zu überhitzen. „Der Roboter ist multifunktional“, so Schmidt. „Aber der Schwerpunkt ist schon im Wald, dafür ist er auch ausgestattet.“ Von befahrbaren Wegen aus könne der Roboter mit dem Wasserwerfer eine Reichweite von 60 Metern abdecken. Dabei könne er bis zu 1600 Liter pro Minute ausgeben. Auch Wärmebilder könne er übertragen und sogar im Wasser soll er einsetzbar sein. „Aber das würde ich nicht unbedingt testen“, gibt Schmidt schmunzelnd zu.
Obwohl die Feuerwehrmänner und -frauen restlos begeistert scheinen, sind dem Helfer aber auch einige Grenzen gesetzt. So habe er zum Beispiel wegen des Schlauches, über den er das Wasser bekommt, nur eine Reichweite von circa 180 Metern, erklärt Schmidt. Und wenn der Brand im Wald weiter als die 60 Meter von einem befahrbaren Weg entfernt ist, werde es ebenfalls schwierig. „Ins Unterholz kann man ihn nicht schicken, weil er mit dem Schlauch eben überall hängenbleiben würde“, so Schmidt. Dennoch sind die Feuerwehrkräfte überzeugt davon, dass der Roboter eine sinnvolle Anschaffung ist, die im Ernstfall Leben retten kann.
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