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Vermisste Schwangere
Ermittler nehmen Verdächtigen in Kalchreuth fest
Das Wohnhaus des beschuldigten 48-Jährigen in Kalchreuth. Er ist Geschäftspartner des ehemaligen Lebensgefährten der vermissten und mutmaßlich ermordeten Alexandra R.
Das Wohnhaus des beschuldigten 48-Jährigen in Kalchreuth. Er ist Geschäftspartner des ehemaligen Lebensgefährten der vermissten und mutmaßlich ermordeten Alexandra R. // NEWS5/Oßwald
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Kalchreuth – Monatelang hat das Verschwinden einer Schwangeren die Menschen im Raum Nürnberg beschäftigt. Nun wurden zwei Verdächtige festgenommen, einer davon im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Eine Anwältin erklärt, warum die Ermittler erst jetzt zuschlagen.

Traurige Gewissheit nach monatelangem Bangen: Die Ermittler sind sich nun sicher, dass eine vermisste Schwangere aus Nürnberg getötet worden ist – obwohl ihre Leiche bis heute nicht aufgetaucht ist. Spezialkräfte der Polizei verhafteten am Mittwochmorgen den ehemaligen Lebensgefährten der 39-Jährigen und dessen Geschäftspartner in Kalchreuth (Landkreis Erlangen-Höchstadt) und Rengersricht (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz).

Aus einer Vielzahl von Beweisen ergebe sich der dringende Tatverdacht, dass diese die Frau entführt und ermordet hätten, sagte Oberstaatsanwältin Heike Klotzbücher. Das Motiv war möglicherweise ein Streit um Geld.

Die 39-jährige Alexandra R.
Die 39-jährige Alexandra R. // Polizeipräsidium Mittelfranken

Die 39-jährige Alexandra R. aus dem Nürnberger Stadtteil Katzwang war im achten Monat schwanger, als sie am 9. Dezember 2022 spurlos verschwand. Am Morgen hatte sie noch ihr Pflegekind in einer Kindertagesstätte abgegeben.

Suche im Main-Donau-Kanal

Später meldete ihr derzeitiger Lebensgefährte sie als vermisst. Stutzig machte die Ermittler, dass die Frau Bargeld, Ausweise und Mutterpass zu Hause gelassen hatte.

Deshalb und wegen anderer Hinweise gingen diese bald davon aus, dass die Schwangere nicht freiwillig weggegangen war. Die Polizei durchkämmte die Umgebung daraufhin mit Leichenspürhunden, Taucher und Boote suchten den nahe gelegenen Main-Donau-Kanal ab. Ohne Ergebnis.

Bei den Ermittlungen zu der vermissten Schwangeren veröffentlichte die Polizei im Dezember 2022 auch dieses Foto eines mintgrünen Renault Twingo mit ERH-Kennzeichen.
Bei den Ermittlungen zu der vermissten Schwangeren veröffentlichte die Polizei im Dezember 2022 auch dieses Foto eines mintgrünen Renault Twingo mit ERH-Kennzeichen. // Polizeipräsidium Mittelfranken

In den folgenden Monaten sammelte eine Sonderkommission an die 900 Spuren und Hinweise in mehreren europäischen Ländern. Die Vermisste stammte den Ermittlern zufolge aus Rumänien.

Außerdem wurde ihr Mobiltelefon später im Ausland entdeckt. In den Fokus der Ermittlungen rückten bald die beiden Verdächtigen, die in geschäftlichen Beziehungen zum Opfer gestanden hatten.

Deshalb ließ die Kriminalpolizei mehrere Gebäude durchsuchen, zu denen die Verdächtigen einen Bezug hatten. Es habe nicht den einen ausschlaggebenden Hinweis gegeben, sagte Klotzbücher. „Man hat die Puzzleteile zusammengesetzt.“

Aus der Gesamtschau habe sich der Tatverdacht gegen die beiden Männer konkretisiert. So fand die Sonderkommission unter anderem heraus, dass der ehemalige Lebensgefährte, ein heute 50-Jähriger mit deutscher und bosnisch-herzegowinischer Staatsangehörigkeit, die Frau nach der Trennung im Frühjahr 2022 bedroht haben soll.

Amtsgericht Nürnberg erlässt Haftbefehl

Zusammen mit seinem 48-jährigen Geschäftspartner soll er Geld von ihr gefordert und dazu auf betrügerische Weise einen Vollstreckungstitel über einen sechsstelligen Betrag erwirkt haben. Dagegen habe sich die Frau juristisch gewehrt, sagte Klotzbücher. „Wäre sie noch am Leben, wäre das in einem zivilrechtlichen Verfahren geklärt worden.“

Außerdem habe die 39-Jährige mehrere Strafanzeigen in dem Zusammenhang gegen die beiden Beschuldigten gestellt, unter anderem wegen Bedrohung und versuchter Nötigung. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erließ das Amtsgericht Nürnberg am Dienstag Haftbefehle gegen die beiden Männer, unter anderem wegen Geiselnahme und Mordes, wie es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth und des Polizeipräsidiums Mittelfranken heißt.

Für die Sonderkommission der Kriminalpolizei Nürnberg unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hatte sich demnach der Tatverdacht gegen den ehemaligen Lebensgefährten und dessen Geschäftspartner konkretisiert. Warum die Ermittlungen so lange angedauert haben, erklärt Klotzbücher folgendermaßen: „Das größte Problem war im Grunde, dass wir die Leiche nicht haben.“

Daher habe man auch nicht sicher sagen können, ob es sich um ein Tötungsdelikt handle. Die Leiche gebe in anderen Fällen Anhaltspunkte.

Leiche an unbekanntem Ort

So habe man im Umfeld von Alexandra R. allen Spuren nachgehen müssen. Die Vielzahl an Erkenntnissen und Spuren habe nun so zusammengepasst, dass es für einen Haftbefehl gereicht habe.

Mehr Details könne sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht preisgeben, erklärt die Sprecherin und verweist auf die noch immer laufenden Ermittlungen in dem Fall. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass die Beschuldigten Alexandra R. am 9. Dezember in ihre Gewalt brachten, töteten und die Leiche an einen bislang unbekannten Ort verbrachten.

Beide Beschuldigte werden nun dem Ermittlungsrichter vorgeführt.

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