Lebensraum
Neues Zuhause für Zauneidechsen
Die Zauneidechse
Die Zauneidechse
Foto: Wasserstraßen-Neubauamt Aschaffenburg
Möhrendorf – In Vorbereitung auf den Neubau der Schleuse Erlangen wurden neue Lebensräume im Umfeld angelegt. Worauf Spaziergänger achten müssen.

Mit dem Bau von 31 Eidechsenhügeln – 26 davon in Möhrendorf und fünf in Hüttendorf – sollen neue Lebensräume für die Reptilien am Main-Donau-Kanal geschaffen werden. Das Wasserstraßen-Neubauamt Aschaffenburg hat nach eigenen Angaben damit alle baulich umzusetzenden Auflagen für den Neubau der Schleusen Kriegenbrunn und Erlangen bezüglich des Artenschutzes erfüllt.

Damit sei ein Meilenstein für den kommenden Ersatz der beiden Schleusen gelegt worden. Im Beisein von Thomas Fischer, dem Bürgermeister der Gemeinde Möhrendorf, weihten Natascha Engels, Projektleiterin des Schleusenneubauprojektes Erlangen, und Gerd Karreis, Umweltschutzexperte des Wasserstraßenamtes, Informationstafeln zum Schutz der Zauneidechse ein.

Sie versteckt sich gern

Die Zauneidechse selbst lebt eher versteckt. Aber die neuen Schautafeln über ihr Leben und den richtigen Schutz ihrer Art können Spaziergänger jetzt weithin sichtbar neben dem östlichen Betriebsweg am Main-Donau-Kanal nahe der Kanalbrücke bei Hüttendorf und am Feldweg zwischen Möhrendorf und der Schleuse Erlangen entdecken.

Neue Schautafeln in Hüttendorf und Möhrendorf informieren über den Schutz der Eidechse.
Neue Schautafeln in Hüttendorf und Möhrendorf informieren über den Schutz der Eidechse.
Foto: Wasserstraßen-Neubauamt Aschaffenburg

„Durch die Schaffung neuer Lebensräume haben wir einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Reptils geleistet“, erläutert Natascha Engels das Aufstellen der Schilder, „jetzt wollen wir Anliegern und Spaziergängern die Chance bieten, mehr über diese gefährdete Reptilienart zu erfahren. Denn die beste Grundlage für den Artenschutz ist das Wissen über die Lebensumstände der Tiere.“ Bürgermeister Thomas Fischer freute sich, dass die Tafeln dort angebracht seien, wo die Tiere auch leben: „Das erhöht das Interesse bei den Besuchern und stärkt die Verbundenheit mit der Natur unserer Heimat.“

Zwischen Möhrendorf und der Schleuse Erlangen finden die Eidechsenhügel auf ehemals landwirtschaftlichen Flächen und auch auf einer früheren Bauschuttablagerungsfläche ihren Platz. Damit sollen aus bisher konventionell genutzten Flächen ökologisch wertvolle Lebensräume werden.

Den Bau eines Eidechsenhügels muss man sich so vorstellen: Zunächst wird eine Mulde im Boden ausgehoben und der abgetragene Oberboden neben der entstandenen Vertiefung als schützender Wall wieder aufge-bracht. Der vertiefte Bereich wird dann mit grobem Steinmaterial aufgefüllt und eine Sandfläche vor den Steinhaufen geschaffen. Diese sogenannten Sandlinsen dienen als Kinderstube der Zauneidechsen, denn hier können sie im warmen Sand ihre Eier ablegen. Um diese Flächen zu erhalten und die wärmende Sonneneinstrahlung zu ermöglichen, werden sie regelmäßig von aufkommendem Bewuchs befreit.

Eingerahmt werden die Hügel von allerlei blühenden Pflanzen, Sträuchern und Kleingehölzen. Auch sogenannte Stubbenhaufen kommen zum Einsatz. Diese bestehen aus zahllo-sen Ästen und Wurzelstöcken und dienen als perfektes Versteck. Vom Totholz lassen sich zahlreiche Insektenarten anlocken und sorgen so für das leibliche Wohl der Echsen. So verfügen die Zauneidechsen in der warmen Jahreszeit über genügend Brut- und Versteckmöglichkeiten und in der kalten Jahreszeit über geschützte und frostsichere Winterquartiere.

Habitate eingerichtet

„Indem wir die Habitate schon jetzt eingerichtet haben, gewährleisten wir, dass sich die neu gestalteten Flächen noch natürlich entwickeln können und von der Zauneidechse besser angenommen werden“, begründet Gerd Karreis, Umweltschutzexperte des Wasserstraßen-Neubauamts, die frühzeitige Durchführung der Arbeiten. „Angesichts des erschreckend schnellen Aussterbens zahlreicher Tier- und Pflanzenarten weltweit“, fährt er fort, „sind Anstrengungen für den Artenschutz das Gebot der Stunde.“

Der eigentliche Umzug der Tiere geschieht erst kurz vor Baubeginn – in Kriegenbrunn ist das Ende 2023 und bei der Schleuse Erlangen voraussichtlich 2024.

Die Herstellkosten der Zauneidechsenhabitate belaufen sich insgesamt auf 205 000 Euro für die beiden Schleusenstandorte.

Alle Informationen zum Neubau der Schleuse Erlangen finden sich auf der Internetseite www.schleuse-erlangen.wsv.de.