Am Cardio Day stand alles unter dem Motto: Leben retten kann jeder! Organisiert vom Verein „Bürger retten Leben“ bot die Veranstaltung Einblicke und praktische Tipps rund um das Thema Erste Hilfe und den Umgang mit dem Defibrillator, einem Gerät, das bei plötzlichem Herzstillstand oft über Leben und Tod entscheidet.
Dass das Thema hochaktuell ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Mehr als 150.000 Menschen sterben jedes Jahr allein in Deutschland an einem plötzlich auftretenden Herzkammerflimmern, dem so genannten plötzlichen Herztod. Das sind über 400 Todesfälle pro Tag. Das Tragische daran: Mindestens die Hälfte der Betroffenen könnte gerettet werden, wenn schnell geholfen würde.
Vorträge und Vorführungen in Höchstadt
Doch tatsächlich überleben nur etwa fünf Prozent. Rund 70.000 Menschen sterben, weil nicht rechtzeitig reagiert wird. Die einzige wirksame Methode: Eine sofort beginnende Herzdruckmassage, möglichst in Kombination mit dem Einsatz eines Defibrillators. Genau deshalb engagiert sich der Verein gemeinsam mit dem Kreiskrankenhaus St. Anna und der Fortuna Kulturfabrik in der Aktion „Herzsichere Kommune“ und organisiert Veranstaltungen wie den Cardio Day in Höchstadt.
Der fand an zwei Orten statt: im Bistro des Kreiskrankenhauses in Belindas Café sowie im Foyer der Kulturfabrik. Dort gab es im Halbstundentakt kurze Vorträge und Vorführungen, bei denen die Besucher anschaulich lernen konnten, wie sie im Notfall richtig reagieren. Jochen Müller, Vorsitzender des Vereins, erläuterte die Bedeutung solcher Schulungen: „Unser Ziel ist es, immer mehr Menschen für das Thema zu sensibilisieren und sie mit dem nötigen Wissen vertraut zu machen.“ Der Verein führt in Zusammenarbeit mit Kommunen regelmäßig Veranstaltungen durch, um Hemmungen abzubauen und die Erste Hilfe zu stärken.
Bei Herzstillstand zählt jede Sekunde
Bei einem Herzstillstand zählt jede Sekunde. Müller betont: „Die ersten fünf Minuten sind entscheidend. Wichtig ist vor allem, dass Laien nicht zögern und mit der Herzdruckmassage beginnen – das kann Leben retten.“ Ein Defibrillator sollte idealerweise innerhalb von zwei bis drei Minuten erreichbar sein. „Der schlimmste Fehler ist, nichts zu tun“, so Müller. „Im Körper ist für einige Minuten Sauerstoff gespeichert. Die Beatmung ist für Laien nicht zwingend erforderlich, aber die Herzdruckmassage ist essenziell.“
Viele Menschen scheuen sich, im Notfall zu helfen – aus Angst, etwas falsch zu machen. „Das ist völlig unbegründet“, beruhigt Müller. „Unsere sogenannten Laien-Defibrillatoren sind so konzipiert, dass sie Fehler automatisch ausschließen. Das Gerät überprüft alles, erkennt, ob ein Schock notwendig ist, und gibt klare Anweisungen. Man kann also nicht versehentlich schocken. Auch die Qualität der Herzdruckmassage wird kontrolliert.“ Medizinisches Vorwissen sei für die Anwendung eines Defibrillators nicht erforderlich: „Jeder kann es.“ Trotzdem gebe es in Deutschland noch Nachholbedarf – sowohl bei der Verfügbarkeit der Geräte als auch beim Wissen darüber, wo sich im Ort ein Defibrillator befindet.
Müller macht deutlich, wie wichtig Aufklärung und regelmäßige Übungen sind: „Die Angst vor der Anwendung muss verloren gehen. Die Statistik zeigt leider, dass plötzliche Herztode um rund zwölf Prozent zugenommen haben, auch bei jüngeren Menschen.“ Für die Zukunft wünscht sich der Verein, dass Defibrillatoren noch sichtbarer und besser zugänglich werden, auch an Schulen, Sportstätten und öffentlichen Plätzen.
Der Cardio Day in Höchstadt war somit nicht nur eine Informationsveranstaltung, sondern ein wichtiger Schritt hin zu mehr Selbstvertrauen und Handlungsfähigkeit in Notsituationen. Denn im Ernstfall gilt: drücken geht vor zögern – und jeder kann helfen.














