Es ist wohl eine der schlimmsten Diagnosen, die man erhalten kann: Krebs. Zu den üblichen Mitteln, um Tumore zu bekämpfen, gehört in etwa der Hälfte der Fälle Strahlentherapie. Bei dieser finden über Wochen Bestrahlungen der betroffenen Körperstelle statt. Das verlangsamt oder verhindert das Wachstum eines Tumors, setzt aber auch gesunden Zellen im Umfeld des Tumors zu. Daher klagen viele Patienten über gereizte Haut oder eine anhaltende Müdigkeit.
Aktuelle Forschungsprojekte zielen darauf ab, weniger belastende Strahlentherapien zu entwickeln. Anfang August gab das Universitätsklinikum Erlangen seine Beteiligung an einem öffentlich-privaten Konsortium, mit einem Gesamtbudget von 8,2 Millionen Euro zur Erprobung und Einführung des Geräts „Flashknife“, bekannt.
Vier europäische Kliniken, neben dem Uniklinikum das Institut Gustave Roussy bei Paris, das Centro Hospitalar Universitario in Lissabon und das Centre hospitalier universitaire vaudois in Lausanne, beteiligen sich an dem Projekt, das vom Europäischen Innovations- und Technologieinstitut (EIT) mit 2,5 Millionen Euro gefördert wird.
Zehntel Sekunden
Professor Dr. Rainer Fietkau, Direktor der Strahlenklinik am Uniklinikum, stellt zu den Vorteilen, von „Flashknife“ fest: „Wir erhoffen uns eine ultraschnelle Strahlentherapie. Eine Bestrahlung dauert dann nur noch ein paar zehntel Sekunden, statt 20 Sekunden bis zu zwei Minuten. Damit sind Bewegungsunschärfen durch den Patienten ausgeschlossen. Und statt einer Serie von Bestrahlungen, zum Beispiel in fünf bis 25 Sitzungen, soll eine einzige Sitzung reichen.“
Möglich werde dies durch einen speziellen Beschleuniger, der Elektronenstrahlen in einer sehr hohen Dosis pro Zeiteinheit – das Fünf- bis Zehnfache der üblichen Dosis – produziert. Die kurze Bestrahlung soll für das Gewebe mindestens gleich gut, wenn nicht besser verträglich sein. Da es mit Elektronenstrahlen arbeitet, ist das Gerät auch sehr kompakt und fahrbar.
Ende des Jahres soll das Gerät im Uniklinikum ankommen und durchläuft dann zunächst die übliche Qualitätssicherung: physikalische Untersuchungen, Abnahme vom Bundesamt für Strahlenschutz und vom Gewerbeamt und vieles mehr. Dr. Fietkau rechnet Mitte nächsten Jahres mit dem Beginn der Studie, die anderthalb bis zwei Jahre dauern dürfte.
Da die Strahlung ein bis zwei Zentimeter in die Haut eindringen soll, wird das Gerät vorerst in der Haut- und HNO-Klinik erprobt, wie an den anderen drei Klinikstandorten bei Paris, in Lissabon und Lausanne auch. Insgesamt sollen 120 Patienten an der Studie teilnehmen.
Mehr Lebensqualität
Sollte sich das Gerät bewähren, steht der Markteinführung nichts mehr im Wege. Es würde nicht nur Tumorpatienten mehr Lebensqualität erhalten, sondern auch das Gesundheitssystem dank kürzerer Behandlungen entlasten.
Auch Professor Eric Deutsch, Leiter der Abteilung für Strahlentherapie von Gustave Roussy, ist positiv gestimmt. Gegenüber „Wallstreet online“ sagte er: „Die Entscheidung für dieses sehr spannende Projekt von EIT Health fiel, weil es eine biologische Innovation, das Flash-Konzept, mit einer technologischen Innovation, „Flashknife“, und der Fähigkeit, diese Innovationen für den Patienten umzusetzen, zusammenbringt.“
Hersteller: PMB ist ein innovatives Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Herstellung komplexer mechanischer Baugruppen für die Verteidigungs-, Medizin- und Forschungsindustrie spezialisiert hat. Seit Ende der 2000er Jahre hat das Unternehmen komplexe Systeme entwickelt, die Teilchenbeschleuniger für die Nuklearmedizin, zerstörungsfreie Prüfungen und ein FLASH-Strahlentherapiesystem umfassen.
Konzern: PMB ist eine Tochtergesellschaft von Alcen, einer diversifizierten französischen Industriegruppe, deren Schwerpunkt auf Innovationen zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen liegt.
Konsortium: Ziel der öffentlich-privaten Partnerschaft ist es, die Strahlentherapie durch die Einführung eines neuen Strahlentherapiegeräts in die klinische Praxis voranzubringen.
Lesen Sie auch:











