FAU Erlangen
Neue Erkenntnisse zu Long Covid
Long Covid und das Chronische Erschöpfungssyndrom haben ähnliche Symptome.
Long Covid und das Chronische Erschöpfungssyndrom haben ähnliche Symptome.
Foto: Oliver Berg/dpa
Erlangen – Forscher der Uniklinik Erlangen haben einen Zusammenhang zwischen dem Chronischen Erschöpfungssyndrom und Long Covid nachgewiesen.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Menschen, die unter dem Chronischen Erschöpfungssyndrom leiden und Long Covid. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten laut einer Pressemitteilung der FAU zwei Autoantikörper nachweisen, die sich sowohl bei Patienten mit Chronischem Erschöpfungssyndrom als auch bei Long-Covid-Patienten finden.

Das Chronische Erschöpfungssyndrom heißt in der medizinischen Fachsprache Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom und wird mit ME/CFS abgekürzt. ME/CFS ist eine erworbene, schwere organische Multisystemerkrankung, die eine starke Erschöpfung (körperlich und mental) nach körperlicher oder geistiger Anstrengung zur Folge hat.

Am Donnerstag waren der Bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek und Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag (beide CSU), ins Universitätsklinikum nach Erlangen gekommen, um sich in der Augenklinik über den aktuellen Stand der hiesigen ME/CFS-Forschung zu informieren. Dr. Bettina Hohberger, Molekularmedizinerin und Ärztin an der Augenklinik des Uniklinikums Erlangen, und Dr. Martin Kräter vom Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts erläuterten ihre ersten Erfolge, die in Zusammenarbeit mit Dr. Gerd Wallukat, Mitarbeiter der Berlin Cures GmbH, entstanden sind.

Hinweise auf Blutzellveränderungen

„ME/CFS tritt häufig nach Virusinfektionen auf, zum Beispiel in Zusammenhang mit dem Epstein-Barr-Virus oder nach einer Influenza. Auch ein Teil der Covid-19-Erkrankten entwickelt ME/CFS – sozusagen als schwere Form von Long Covid“, sagt Bettina Hohberger. Bei beiden Erkrankungen seien keine konkreten organischen Defekte nachweisbar.

Die Forscher konnten bei Patientinnen und Patienten mit ME/CFS analog zu Long Covid nicht nur die zwei Autoantikörper nachweisen, sondern fanden auch erste Hinweise auf Blutzellveränderungen, die Auswirkungen auf die Mikrozirkulation des Körpers haben könnten, heißt es in der Pressemitteilung.

Herzmittel BC 007 schlägt an

Im September 2021 ging die Uniklinik Erlangen mit einer Erfolgsmeldung gegen Long Covid an die Öffentlichkeit. Ärzte der Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen hatten an vier Patienten festgestellt, dass das Herzmedikament BC 007 Besserung ihrer Symptome brachte.

Dies nahm Hohberger zum Anlass, bei einer Patientin mit lange bekanntem ME/CFS ebenfalls einen Heilversuch mit BC 007 durchzuführen. Über viele Monate hinweg besserte sich nach eigener Aussage der Patientin ihre Symptomatik: Zuerst nahmen kognitive Beschwerden wie brain fog („Gehirnnebel“), Konzentrationsschwäche und eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis ab, später ebenso Geräusch- und Lichtempfindlichkeit. Über mehrere Monate hinweg ließen auch Fatigue (Müdigkeit), Muskelschwäche und POTS nach – das Posturale orthostatische Tachykardiesyndrom, das bei ME/CFS-Betroffenen zu Herzrasen und Schwindel führt, sobald sie sich aufrichten.

Forschung an größerer Patientenzahl

Angetrieben durch diesen ersten Erfolg möchten die Erlanger Forschenden bei einer größeren Patientenzahl mit ME/CFS sowohl die Diagnostik als auch den Therapieansatz überprüfen.

Von ME/CFS sind in Deutschland schätzungsweise 250.000 Menschen betroffen – Tendenz steigend.

„Vor allem junge Menschen zwischen 11 und 40 Jahren leiden unter der noch kaum verstandenen Krankheit. Wir möchten mit unserer Forschung alles daransetzen, den Betroffenen zu helfen. Und ich bin optimistisch, dass uns das gelingt, wenn Universitätsmedizin, Politik und Pharmaindustrie gemeinsam an einem Strang ziehen“, sagte Bettina Hohberger.

„Bisher gibt es nur einen einzelnen vielversprechenden Heilversuch. Deshalb braucht es jetzt wissenschaftliche Untersuchungen, die viel mehr Patientinnen und Patienten einschließen. Aus diesem Grund möchten wir zusätzlich zu unserer Long-Covid-Forschung eine klinische Studie mit ME/CFS-Betroffenen realisieren, die uns erste Hinweise auf die Wirkmechanismen von BC 007 bei diesem Krankheitsbild liefern soll“, erläuterte Dr. Hohberger.

1,6 Millionen Euro bereitgestellt

Bernhard Seidenath dankte den Forscherinnen und Forschern um Dr. Hohberger: „Keine Krankheit schränkt die Lebensqualität derart ein wie das Chronische Fatigue-Syndrom ME/CFS. Die Forschungen auch und gerade des Universitätsklinikums Erlangen sind deshalb ein Lichtblick für alle ME/CFS-Betroffenen. Es ist uns ein gemeinsames Anliegen, die Krankheit bekannter zu machen, die Versorgung der Betroffenen zu verbessern und die Forschenden in Bayern besser zu vernetzen. Hierfür haben wir allein für dieses Jahr 1,6 Millionen Euro zusätzlich im Staatshaushalt bereitgestellt.“

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