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Mit Organspende
Erlangen: Sie hat ihrer Tochter ein zweites Leben geschenkt
Familie Göller
Waltraud und Julia Göller (rechts) aus Buttenheim finden sich acht Wochen nach der Nierentransplantation ein weiteres Mal zur Vorsorge in der Uniklinik Erlangen ein: Von dem schweren Eingriff sieht man den beiden heute kaum noch etwas an. // Foto: Anna-Lena Reif
Erlangen – Mit 21 verändert sich das Leben von Julia Göller durch eine überraschende Diagnose dramatisch. Jahre später schenkt ihre Mutter ihr ein zweites Leben. Welche Rolle ein Roboter dabei spielt.

Raus aus dem Elternhaus, die Selbstständigkeit genießen, von Party zu Party trudeln: Für viele beginnt mit Anfang 20 eine der aufregendsten Lebensphasen. Für Julia Göller begann im Alter von 21 auf ganz andere Art und Weise ein neuer Lebensabschnitt: Los ging alles mit einem angeschwollenen Fuß. „Dann konnte ich wochenlang mein rechtes Bein nicht richtig bewegen, Treppen steigen und so weiter. Es war wie steif“, berichtet die heute 32-Jährige. „Ich dachte, das geht schon wieder vorbei.“ Doch es ging nicht vorbei. 

Es folgten Krankenhaus- und Arztbesuche, Untersuchungen, schließlich die Diagnose: chronische Niereninsuffizienz. „Ich wusste am Anfang gar nicht wirklich, was das bedeutet, ich konnte das nicht greifen. Mir ging es ja an sich nicht schlecht“, erzählt Julia Göller. 

Uniklinik Erlangen: Nierentransplantation

Ihre Erkrankung ist „eine der häufigsten Nierenerkrankungen“, wie Dr. Katharina Heller, Oberärztin und Leiterin der Geschäftsstelle des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg, erklärt. Häufiger trete sie allerdings bei Männern auf. „Oft wird das bei der Musterung entdeckt“, erklärt die Ärztin. 

Fast elf Jahre hat Julia Göller mit der Krankheit gelebt. Erst Anfang 2025 verschlechterte ihr Zustand sich rapide, schnell wurde klar: Bald wird sie einen Nierenersatz brauchen. Für die 32-Jährige wäre entweder eine Dialyse in Frage gekommen – oder eine Transplantation. 

Erlangen: Mutter spendet Tochter Niere 

Für viele andere startet an diesem Punkt eine jahrelange Odyssee. Ganze 6397 Menschen warteten laut Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit 2024 in Deutschland auf eine Spenderniere. Doch für Julia Göller ging ab hier alles ganz schnell. 

Klinikum Erlangen
Als Fachärztin für Nephrologie und Leiterin der Transplantationszentrale hat Dr. Katharina Heller die Familie Göller auf ihrem Weg begleitet. // Foto: Anna-Lena Reif

„Für mich stand von Anfang an fest, dass ich das machen will“, sagt Mutter Waltraud Göller. Zusammen mit Ehemann und Vater Paul Göller sitzen die beiden Frauen im Büro von Dr. Heller im Klinikum Erlangen. Acht Wochen sind mittlerweile seit der Transplantation vergangen – und wüsste man nicht, welchen Weg die beiden Patientinnen hinter sich haben, würde man ihnen nichts davon ansehen. 

„Ich bin zur Langschläferin geworden“, scherzt die 58-Jährige. Ansonsten ginge es ihr gut. Auch Tochter Julia wirkt fit und gesund, ihre Werte seien sehr gut. „Am 20. März hatten wir das erste Gespräch bei Dr. Heller“, sagt Waltraud Göller. „Innerhalb von sechs Wochen waren dann alle Untersuchungen durch. Mein Mann saß einen halben Tag lang nur da und hat Termine ausgemacht.“ Denn die Vorbereitung für solch eine OP ist intensiv. 

Spende muss von Ethikrat genehmigt werden 

Nicht nur müssen beide Patientinnen einen Rundum-Check machen. Auch ein Gespräch mit einer Lebendspendekommission ist nötig, um Organhandel auszuschließen, wie Heller berichtet. „Ich war froh, dass Dr. Heller mich vorbereitet hatte“, sagt Waltraud Göller. „Sonst hätte ich da wirklich dumm gesessen. Die fragen einen: Wie viel zahlt Ihre Tochter Ihnen für die Niere?“

Was im ersten Moment schockierend klingen mag, soll vor allem die Spender schützen, erklärt Heller. Ohnehin sei es für eine Transplantation wichtig, dass eine enge emotionale Verbindung zwischen Spender und Empfänger bestehe. „Denn so dicht kommen zwei Menschen sich nie wieder, wie bei einer Lebendspende“, sagt Heller.  Aber auch dann könne es immer noch sein, dass der Spender es sich anders überlege oder sich bedrängt fühle. In solch einem Fall kann die Kommission eine Spende ablehnen, ohne dass der Empfänger den wahren Grund erfährt. 

Familie Göller: Neues Leben dank Spenderniere

Für das Ehepaar Göller habe aber von Anfang an kein Zweifel daran bestanden, dass einer von beiden der Tochter eine Niere spenden würde. „Ich hatte um mich auch gar keine Angst“, sagt Waltraud Göller. „Für mich war nur wichtig, dass ich gesund bin, dass es klappt.“ 

Bei Tochter Julia gab es im Vorfeld mehr Zweifel. „Man macht sich total Sorgen, ich wusste eigentlich auch gar nicht, ob ich das wirklich will – man hat schon Angst“, erinnert sie sich sichtlich emotional an die Zeit vor der Operation. „Aber jetzt, wo alles so gut gelaufen ist, bin ich sehr froh.“

Familie Göller
Für Familie Göller bricht nach der Operation eine ganz neue Zeit an: Bis Waltraud (links) und Julia wieder arbeiten müssen, genießen sie die Zeit als Familie mit Ehemann und Vater Paul. // Foto: Anna-Lena Reif

Zum Teil verdanken die beiden ihre schnelle Genesung einem ganz besonderen Verfahren, das bei ihnen angewendet wurde. Denn zum ersten Mal hat im Fall der Göllers ein Roboter die Lebendnierentransplantation am Uniklinikum Erlangen durchgeführt. „Wir verfügen über jahrelange Erfahrung mit dem Da-Vinci-Operationssystem und verwenden es seit 2013 sowohl bei gutartigen als auch bösartigen Erkrankungen von Niere und Prostata – im vergangenen Jahr etwa bei knapp 200 Eingriffen“, erklärt der ausführende Oberarzt PD Dr. Hendrik Apel. „Es lag deshalb nahe, diese Expertise auch auf die Nierentransplantation zu übertragen.“ 

Schnelle Genesung durch roboterassistierte Operation

Für Heller sei das Ergebnis erstaunlich. Durch den Roboter sei beispielsweise mehr Präzision möglich, da dieser im Gegensatz zu einem Menschen nicht zittere. „Man darf sich das aber nicht so vorstellen, dass man da auf einen Knopf drückt und dann arbeitet der von selbst“, betont Heller. „Der Operateur ist live dabei, er programmiert und führt den Roboter. Das ist Präzision auf ganz hohem Niveau.“ 

Für die Klinik ist die OP ein Erfolg, der bei ausgewählten Patienten unbedingt wiederholt werden soll. Doch für Familie Göller beginnt damit ein ganz neues Leben. Noch sind Mutter und Tochter krankgeschrieben und wohnen momentan wieder unter einem Dach – eine Zeit, die laut Heller wichtig ist. „Wir sagen immer, der Empfänger und der Spender sollen nicht allein sein. Der Ehemann zeigt der Spenderin, dass sie eine Heldin ist und das ist wichtig“, sagt sie lächelnd. „Im medizinischen Betrieb stürzt sich alles auf den Empfänger, ob da alles passt. Aber der Spender hat sich viel zugemutet und braucht diese Empathie aus der Gesellschaft.“ 

„Ich sehe das vielleicht nicht als Außenstehender, aber seit meine Tochter wieder Zuhause ist, habe ich gemerkt: Die Harmonie ist anders“, erzählt Vater Paul. „Sie blüht auf, meine Frau auch. Julia lebt jetzt ihr Leben, das ist ganz anders als davor.“ Im November sollen die beiden zusammen auf Reha gehen. Bis dahin, verrät Waltraud Göller glücklich lachend, spielt die Familie Kniffel und kocht – all das, was Julia vorher elf Jahre lang nicht essen durfte. 

 

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