Berufswelt
Pflege: Lieber Erlangen statt Italien
Nach fünf Monaten Abwesenheit wieder am alten Arbeitsplatz: Pflegefachkraft Francesca Leombruno mit Stationsleiter Robert Zimmer.
Nach fünf Monaten Abwesenheit wieder am alten Arbeitsplatz: Pflegefachkraft Francesca Leombruno mit Stationsleiter Robert Zimmer.
Foto: Kerstin Bönisch/Uni-Klinikum Erlangen
F-Signet von Kerstin Bönisch Fränkischer Tag
Erlangen – Eine italienische Pflegefachkraft entscheidet sich ein zweites Mal für das Uni-Klinikum Erlangen. In ihrer Heimat fand sie keine passende Stelle.

Wo möchte ich leben und arbeiten? Eine wichtige Frage, die jeder Mensch in seinem Leben immer wieder aufs Neue beantworten muss. Die junge italienische Pflegefachkraft Francesca Leombruno traf diese existenzielle Entscheidung in diesem Jahr gleich zweimal: zuerst Anfang 2021, als sie nach fünf glücklichen Arbeitsjahren auf der Station B3-2 der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen wieder zurück in ihre Heimat zog, um fortan dort zu arbeiten.

Wenige Monate später stellte sie sich die Frage allerdings erneut – und entschied, nach Erlangen zurückzukehren. „Wir arbeiten hier alle nicht nur Hand in Hand, sondern teilen auch viele Bereiche unseres Lebens“, beschreibt sie das gute Miteinander auf „ihrer“ Station. Die Ärztinnen und Ärzte sowie die Pflegefachkräfte und auch der Klinikdirektor empfingen ihre Kollegin mit großer Wiedersehensfreude; über diverse WhatsApp-Gruppen waren sie mit Francesca Leombruno während der vergangenen Monate in engem Kontakt geblieben.

Keine passende Stelle

„Ich bin zurückgegangen, um meinen Eltern und Großeltern dort wieder näher zu sein und dachte, ich könnte mit dem in Erlangen erworbenen Wissen in Italien genauso gut arbeiten“, erinnert sich die 29-Jährige lachend. Doch trotz mehrerer Anläufe fand die junge Frau keinen Arbeitsplatz als Pflegefachkraft in der Nähe ihrer Familie, der ihren Vorstellungen entsprach. „Es hat einfach nicht funktioniert. Zuletzt wollten auch meine Eltern, dass ich zurück nach Deutschland gehe, damit ich wieder glücklich bin. Und mein Opa ist sehr stolz auf mich und meine Arbeit am Uni-Klinikum Erlangen“, berichtet Francesca Leombruno, die im Sommer 2016 als fertig ausgebildete Pflegefachkraft auf der Station B3-2 begonnen hatte. „

Als wir uns kennenlernten, konnten Sie ein bisschen Deutsch und jetzt sprechen Sie fließend“, erinnert sich Klinikdirektor Robert Grützmann – er begann 2016 seine Tätigkeit am Uni-Klinikum Erlangen fast zeitgleich mit Francesca Leombruno. „Dass die Station B3-2 mehr als ein Arbeitsbereich ist, verdanken wir maßgeblich Robert Zimmer, der sie seit 33 Jahren leitet“, betont Prof. Grützmann. „Er hat hier eine kleine Welt geschaffen, in der sich das ganze Team extrem wohlfühlt; es ist wirklich ein bisschen so wie in einer Familie“, begeistert sich der Chirurg.

Arbeit auf Augenhöhe

Für das gute Miteinander sorge vor allem, dass auf Augenhöhe gearbeitet werde. „So ist auch mal Kritik möglich, ohne dass die gute Atmosphäre davon beeinträchtigt wird“, sagt Prof. Grützmann. „Hier haben alle die gleiche Stimme, egal, ob Pflegehelferin oder Klinikdirektor. Neue Kolleginnen und Kollegen werden gemeinsam ins Team geholt, damit eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entsteht.“ Robert Zimmer ergänzt: „Wir sehen uns als ein Gesamtteam und hören aufeinander. Jede neue Ärztin und jeder neue Arzt erhält von mir eine ausführliche Stationsführung, in der ich umfassend alle Abläufe erkläre, damit sie und die Pflegenden miteinander für die Patientinnen und Patienten arbeiten und nicht nebeneinander.“

Ein gutes Beispiel für das funktionierende interprofessionelle Arbeiten auf der Station B3-2 ist die Wundversorgung: „Das ist ein kompliziertes Thema, das in der Pflege seinen professionellen Platz gefunden hat“, erläutert Grützmann. „Viele Medizinerinnen und Mediziner – so auch ich – kennen sich bei den zahlreichen unterschiedlichen Verbänden etwa für chronische Wunden nicht gut aus. Deshalb lasse ich mir von einer erfahrenen Pflegefachkraft gerne erklären, wie ein spezieller Verband anzulegen ist. Dass unsere Ärztinnen und Ärzte inzwischen ein starkes Interesse an der Wundversorgung zeigen, verdanken wir dem Engagement von Robert Zimmer, der diese immer wieder zum Thema gemacht hat“, betont der Klinikdirektor.

Gemeinsam Freizeit verbringen

Regelmäßige Stammtische, Besuche von Veranstaltungen wie Bergkirchweih oder Weihnachtsmarkt und auch kleinere gemeinsame Reisen, etwa Skitouren übers Wochenende – die derzeit 26 Beschäftigten in der Pflege und die zehn Ärztinnen und Ärzte auf der Station B3-2 unternehmen auch in ihrer Freizeit viel zusammen. „Wir haben hier Mitarbeitende, die sich zum Teil schon seit Jahrzehnten kennen und auch Neuankömmlinge schnell integrieren“, erklärt Robert Zimmer. „Diese gute Teambildung hat sich über lange Zeit entwickelt, und mir ist wichtig, dass ich als Stationsleiter für alle immer in der Mitte stehe.“

Den Kolleginnen und Kollegen etwas zutrauen und ihnen die Möglichkeit geben, sich weiterzuentwickeln – das sind zwei der goldenen Regeln, nach denen Robert Zimmer seine Station führt. „Manchmal heißt das auch, loszulassen – so wie bei Francesca“, meint der Pflege- und Funktionsdienstleiter, der im Moment nur 18,5 seiner 23 vorhandenen Stellen besetzen kann.

„Wir hoffen alle, dass im Frühjahr zusätzliche Kolleginnen und Kollegen zu uns stoßen und es dann für alle etwas leichter wird.“ Auch deshalb freut sich Zimmer sehr über die unverhoffte Rückkehr der erfahrenen Pflegekrachkraft. „Sie hat trotz der fremden Sprache alles sehr schnell gelernt und ist eine wertvolle Unterstützung.“

Francesca Leombruno hat in ihrem Stationsteam einen Arbeitsplatz gefunden, der alle ihre Wünsche erfüllt. „Es gibt einige Unterschiede zu Italien: Ich habe hier leichter die Möglichkeit, mich fortzubilden. In meiner Heimat geht das zwar auch, muss aber privat bezahlt werden. Und: Am Uni-Klinikum Erlangen kenne ich meinen Dienstplan zwei Monate im Voraus – in Italien nur eine Woche vorher“, berichtet sie.

Obwohl Francesca Leombruno dieses Jahr das Weihnachtfest getrennt von ihren Eltern und Großeltern verbringen musste, freut sie sich, wieder in Deutschland zu sein.

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