Zwei auf einen Streich heißt es heuer für den TSV Lonnerstadt. Zum einen feiert der Verein selbst sein 75-jähriges Bestehen, zum anderen findet das Kellerfest des TSV Fördervereins dieses Jahr bereits zum 30. Mal statt. Der Publikumsmagnet mit seinen lauschigen Plätzchen, Kellerbar, Weinlaube und zwei Grillstationen erstreckt sich vom Marktplatz bis zur Bergstraße, von der Mühlgasse bis zu An den Kellern sowie über die Schulstraße.
„Gemessen am alten Ortskern sind die drei größten Straßen involviert“, erläutert Rainer Haberkamm, Vorsitzender des Fördervereins. Er war auch schon beim ersten Kellerfest dabei. Zuerst als Vergnügungswart, wie er sagt, dann als Vorsitzender des TSV. Seit nunmehr sechs Jahren liegen die Geschicke des Fördervereins in seinen erprobten Händen. „Die Atmosphäre und Lage zeichnen das Kellerfest aus“, sagt er und gerät dabei ins Schwärmen. „Das geht hier ohne Zelt, wir haben eine natürliche Beschattung.“ Zehn Kelleranlagen haben sie hier in Lonnerstadt, wobei ein Keller je acht bis zehn Abteile aufweist. Die älteste gibt es seit 1774.
Der Bulldog wird nach wie vor gebraucht
Rückblickend sind Haberkamm besonders die ersten Jahre in Erinnerung geblieben. „Wir haben die Bierbänke und Tische mit dem Bulldog geholt. Wenn wir den dann holen wollten, war der weg“, erinnert er sich. „Da haben sich die Jungs einen Spaß erlaubt und ihn versteckt.“ Heute sind die „Jungs“ von damals erwachsen und treiben keinen Schabernack mehr, so dass der Bulldog von Heinz Reif, dem ersten Griller des Kellerfestes, sicher ist.
Logistisch ist das Event schon ein großer Aufwand. „Da wird der Lkw beladen, Freitag sind 30 bis 40 Helfer da zum Aufbauen und Sonntag zwischen 9 und 13 Uhr wird wieder abgebaut. Dann sieht das aus, als wäre hier nie was gewesen“, erklärt Haberkamm und lobt das Engagement der Mitglieder des TSV. Stolz ist er auch auf die Kellerbar, in welcher angenehme zwölf Grad herrschen.
Vor 20 Jahren habe man den Keller erworben und innerhalb von einem Jahr renoviert. Der Verwendungszweck stand von Anfang an fest. So kam ein Tonboden rein, um Flüssigkeiten aufzusaugen, die Theke wurde gemauert und verputzt und mit Biberschwanzziegeln überdacht.
Zuvor hatte Herbert Fischer seinen Keller für die Bar zur Verfügung gestellt, doch die 20 Quadratmeter reichten einfach nicht aus. Nun können sich rund 150 bis 200 Gäste auf 40 Quadratmeter über die Treppe mit Getränken versorgen lassen.
Apropos Getränke: Anlässlich des Jubiläums gibt es eine „Happy Hour“ von 16.30 bis 17.30 Uhr, in der die Maß Bier fast zu Gründerzeitpreisen angeboten wird. „Das waren damals 4 Mark, heute sind es 4 Euro“, erläutert Haberkamm. Der reguläre Preis pro Maß liegt heuer bei 7,50 Euro.
Aus Rücksicht auf die Anwohner und aufgrund der strengen Auflagen wird die heimelige Kellerbar nur für das Kellerfest geöffnet und fristet ansonsten leider ein ungenutztes Dasein.
Genutzt hingegen wird das ehemalige Gemeinschaftshaus, in welchem früher die Bauern ab 1959 ihr Fleisch in der Ge-meinschaftsgefriertruhenanlage lagern konnten. Vom Felsenkellerverein 2002 gekauft und umgebaut ist hier nun die Küche für das große Event untergebracht, so dass den Hygienevorschriften Rechnung getragen werden kann. Trotz heißen 36 Grad finden sich bereits um 16 Uhr die ersten Gäste ein.
Käthe und Walter Zwingel wohnen praktisch um die Ecke und haben sich mit Tochter Susanne in der Weinlaube, welche Haberkamm als „schönsten Platz in Lonnerstadt“ tituliert, ein lauschiges Plätzchen gesucht und lassen sich nun Kaffee und Kuchen schmecken.
Die Gemeinschaft ist es, was Käthe Zwingel beeindruckt. „Das ist einmalig“, unterstreicht Walter Zwingel die Worte seiner Frau. „Mit welchem Eifer das vorbereitet wurde, das ist enorm.“
„Ich hab die undankbare Aufgabe, Platz zu besetzen“, sagt Hartmut Lenz. Der gebürtige Herzogenauracher lebt seit zwölf Jahren in Lonnerstadt und hat seitdem kein Kellerfest versäumt. Ihn begeistern „die Mischung aus jung und alt, die Musik und gute Speisen und Getränke.“ Der Rest der Familie wird in den nächsten ein bis zwei Stunden eintrudeln und die schattigen Plätze mit Beschlag belegen.
Für die musikalische Untermalung wird die Zeckerner Blaskapelle sorgen, wobei Haberkamm nicht ohne Stolz den Musikpavillon präsentiert, welcher 2014 gebaut wurde. Er gehört zwar der Gemeinde, gebaut hat ihn aber der Felsenkellerverein und der TSV.
Zusammenhalt wird groß geschrieben
Überhaupt herrscht ein großer Zusammenhalt beim TSV Lonnerstadt, der bei 850 Mitgliedern mit rund ein Drittel Kindern aufzuwarten weiß.
Auch heute sind wieder rund 120 Leute am Start, um das Kellerfest zu etwas Besonderem zu machen. „Das ist nicht selbstverständlich, dass so viele Leute jedes Alters helfen“, betont der Erste Vorsitzende. „Da ist jede Generation dabei.“
Rund 1200 bis 1500 Besucher werden erwartet, so dass auch wirklich jede Hand gebraucht wird beim Doppeljubiläum des TSV Lonnerstadt, der es dank seines Engagements schafft, jung und alt für Fußball und Breitensport zu begeistern und der Gemeinde ein besonderes Fest wie das Kellerfest zu offerieren.
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