Was kann ein Ehepaar aus der Gastronomie Schöneres erleben als ein Lokal voller Gäste, die sich mit stehenden Ovationen für die jahrelange Bewirtung bedanken? Ulrike und Norbert Gumbrecht „mussten“ am Samstagabend diesen Dank über sich ergehen lassen.
Die beiden 63-jährigen Inhaber und Betreiber des Höchstadter Restaurants Aischblick in der Großen Bauerngasse ziehen sich nach 27 Jahren in den Ruhestand zurück. Insgesamt hat Norbert Gumbrecht sogar 48 Jahre in der Gastronomie gearbeitet.
Alle kamen zur Abschieds-Party in den "Aischblick"
Vor geladenen Gästen sagte der Unternehmer und Küchenchef, es sei jetzt Zeit, Abschied zu nehmen. Zur Abschiedsparty hatten sie ihre besten Stammkunden geladen, das Unternehmer-Netzwerk, das sich regelmäßig im Aischblick traf, und alle, die im Laufe der 27 Jahre am Gebäude mitgearbeitet haben.
Aber auch Vertreter der Banken, die schon vor Corona die letzten Raten für den Gastronomiebetrieb und das Privathaus bekommen hatten, waren der Einladung gefolgt, ebenso wie Familie und Freunde. „Keiner der Eingeladenen hat gezögert“, freute sich Ulrike Gumbrecht.
Darunter war der Gemüselieferant Heinz Huber aus dem Knoblauchsland, dessen Familie Norbert Gumbrecht bereits seit 40 Jahren mit frischen Waren aus der Region versorgt. Ein Unternehmer, der sich mit seiner Belegschaft „nicht besser hätte aufgehoben fühlen können“.
Die „Unkompliziertheit der Gumbrechts“ lobte Geigenbauer Alfred Binner aus Großenseebach, der verschiedene Veranstaltungen im Aischblick hatte und auch Musiker mitbringen konnte.
Atze Bauer: Kultur in Höchstadt noch vor der Fortuna
Der Höchstadter Musik-Comedy-Künstler Atze Bauer erinnerte daran, dass der Aischblick lange vor der Fortuna Kleinkunst nach Höchstadt geholt hat. Bekannte und weniger bekannte Künstler sind hier aufgetreten.
Der Adelsdorfer Buchhändler Christian Schmidt und sein Team durften jeden zweiten Donnerstag schon um sieben Uhr in der Früh zum Frühstück im Lokal erscheinen. Lob bekamen die Gumbrechts auch von ihren Mitarbeiterinnen, die zehn, zwölf, 13 und 20 Jahre dabei waren und sich wie in einer Familie fühlten.
Den Aischblick von den ersten Planungen an begleitet hat Altbürgermeister Gerald Brehm: „Das hat mit Schwierigkeiten begonnen. Die wollten da bauen, wo sie eigentlich nicht gedurft hätten.“ Da wurde kurzerhand der Bebauungsplan von einem Gewerbegebiet in ein Mischgebiet geändert, und der Weg für die Gaststätte war frei.
Mit Wehmut sieht Brehm die letzte Karpfen-Wirtschaft in der Höchstadter Innenstadt schließen. Er habe viele schöne Veranstaltungen im Aischblick erlebt, erinnerte sich der Altbürgermeister.
Was die Gumbrechts nun planen
Wie es weitergeht? Die Gumbrechts wollen jetzt ihren Ruhestand genießen und nach einem Abstecher nach Ägypten über Weihnachten mit dem Wohnmobil ihren Sohn besuchen. „Die ersten Weihnachten seid über 40 Jahren, wo wir nicht arbeiten müssen“, sagt der Gastronom.
Nachfolger für den Aischblick gibt es noch nicht. „In erster Linie möchten wir verkaufen“, sind sich die beiden einig.
Falls sich kein Käufer findet, würden sie auch verpachten – zu einem Preis zwischen 2500 und 2700 Euro im Monat.
An Gästen hat es dem Lokal nicht gemangelt. Ulrike Gumbrecht: „Allein in den letzten vier Wochen waren wir jeden Tag voll ausgebucht.“ Um den Umsatz müssten sich Nachfolger keine Sorgen machen, meint die Gastronomin.
So entsteht auf der anderen Straßenseite der Großen Bauerngasse gerade das neue Landratsamt, das schon erste Kontakte aufgenommen hat. Rund 160 Arbeitsplätze sollen hier entstehen. Eine Kantine oder ein Café sind nicht geplant, dafür gäbe es ja den Aischblick.













