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Zentrum der Saiteninstrumente
Wie ein Dorf bei Erlangen zum Mekka der Geigenbauer wurde
Rudolf Mettal, Ausbildungsmeister für Zupfinstrumentenbau, mit seinen Schülern, 1951 in Bubenreuth.
Rudolf Mettal, Ausbildungsmeister für Zupfinstrumentenbau, mit seinen Schülern, 1951 in Bubenreuth. // Sammlung Christian Hoyer
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Bubenreuth – Bubenreuth war einst berühmt für seine Geigen- und Gitarrenbauer. Vor 80 Jahren wurde deren renommierte Berufsfachschule geschlossen. Warum die Rettung scheiterte und was bis heute davon bleibt.

Heute zählt die Metropolregion Nürnberg über 100 Werkstätten im Saiteninstrumentenbau – eine Ballung, die beachtlich ist und von Weltgeltung. Kristallisationspunkt ist die Gemeinde Bubenreuth, um die sich die Hersteller- und Zulieferbetriebe in nächster und näherer Umgebung gruppieren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der agrarisch geprägte Ort durch vertriebene Musikinstrumentenbauer aus dem Egerland zum Zentrum des westeuropäischen Saiteninstrumentenbaus aufgestiegen. Heutige Lehrlinge müssen allerdings die Geigenbauschulen in Mittenwald im Werdenfelser Land oder in Markneukirchen in Sachsen besuchen, denn eine eigene Schule gibt es in Franken seit 1965 nicht mehr.

Wie Bubnreuth zum Mekka der Geigenbauer wurde

Dabei hatte alles unter denkbar schwierigen Bedingungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit so verheißungsvoll begonnen. Dank des unermüdlichen Einsatzes des damaligen Erlanger Landrats Willi Hönekopp gelang es, am „Platz an der Bubenruthia-Eiche“ Lehrwerkstätten zu errichten und 1951 einzuweihen.

Damit konnte an eine traditionsreiche Ausbildungseinrichtung in der Egerländer Musikstadt Schönbach angeknüpft werden. Von dort stammten die vertriebenen Instrumentenmacher, die in Bubenreuth eine neue Heimat fanden. Die Bubenreuther Lehrwerkstätten standen in der Tradition der 1873 gegründeten Schönbacher Staatsfachschule für Musikinstrumentenbau, sie wurden im Laufe der Folgejahre zu einer Berufsfachschule ausgebaut und um ein Lehrlingswohnheim ergänzt.

Willibald Raab lehrt Geigenbau an Berufsfachschule in Bubenreuth

Das Wissen im Musikinstrumentenbau konnte – wie in Schönbach – fortan auch in Bubenreuth an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden. Anders als in Mittenwald, wurden in der Bubenreuther Ausbildungsstätte in der Tradition Schönbachs gleich drei Abteilungen mit je einem Ausbildungsmeister eingerichtet: Neben dem Geigenbau unter der Leitung von Geigenbaumeister Willibald Raab traten nämlich als eigenständige, ebenfalls dreijährige Ausbildungsrichtungen der Gitarrenbau (unter Rudolf Mettal, später unter Josef Horner und Gerold Hannabach) und der Bogenbau (unter Emanuel Buchner). 1955 besuchten bereits 27 Lehrlinge die Lehrwerkstätten. Zahlreiche später preisgekrönte Absolventen gingen aus der Fachschule hervor.

Die Gebäude der Lehrwerkstätten 1951.
Die Gebäude der Lehrwerkstätten 1951. // Gemeinde Bubenreuth

Auch der spätere Bubenreuther Bürgermeister Erich Werner und der heutige Ehreninnungsobermeister Ernst Heinrich Roth waren Schüler der Ausbildungsstätte am Eichenplatz. Die finanzielle Basis der „Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau“, so der offizielle Titel seit Mitte der 1950er-Jahre, war von Anbeginn schwierig. Jedes Jahr von Neuem wurde der Kampf um die nötigen Geldmittel aufgenommen, denn die erforderlichen Finanzmittel mussten bei vielerlei Stellen beantragt und zusammengekratzt werden. Dabei trugen die Lehrwerkstätten durch den Verkauf der in der Schule erzeugten Instrumente einen beträchtlichen Teil der Kosten selbst.

Caritas betreibt Berufsfachschule für Saiteninstrumente in Bubenreuth

Es fehlte aber an einer grundlegenden und dauerhaften Finanzausstattung von Seiten des Staates. Josef Höfner, der Vorsitzende der Siedlungsgemeinschaft und Mitinhaber der bedeutenden Instrumentenbau-Firma Karl Höfner bezeichnete die Verstaatlichung der Lehreinrichtung als „Lebensfrage“. Dass dies noch nicht gelungen sei, betrachtete er 1959 als „die eine große Enttäuschung in unserem Wiederaufbau hier in Bayern“. Die Bemühungen um eine Verstaatlichung der Ausbildungsstätte begannen bereits vor ihrer Gründung. Denn die Siedlungsgemeinschaft der Schönbacher Geigenbauer sah sich nicht in der Lage, diese auf Dauer zu tragen.

Als der Diözesan-Caritas-Verband ab 1953 als Träger einsprang, legte er seinen Fokus naturgemäß auf die sozialen Aspekte des Projekts und ging von einer bald erfolgenden Verstaatlichung des Schulbetriebs aus. Mit dem sich mehrenden wirtschaftlichen Erfolg der Geigenbauer und ihrer Betriebe in Bubenreuth schwanden diese dahin und beschränkten sich bald nurmehr auf das angegliederte Jugendwohnheim. Die Caritas gliederte der Einrichtung daher 1957 einen Altenheim-Trakt an. Bald galt die Bubenreuther Fachschule als „Sorgenkind der Caritas“. Deren Direktor Walter Schirmer führte 1962 aus, dass die Caritas den heimatvertriebenen Geigenbauern in ihrer neuen Heimat gerne geholfen habe.

Kreistag diskutiert über Zukunft der Berufsfachschule in Bubenreuth

Das dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Führung und Unterstützung einer Fachschule mit Lehrlingsheim nicht Aufgabe der Caritas sei. Im Jahr 1964 fiel in Bamberg schließlich die Entscheidung, den Gebäudekomplex vollständig in ein Altenheim umzuwandeln. Wieder – wie so oft in den Jahren zuvor – läuteten die Alarmglocken in Bubenreuth.

Es wurde in den verschiedenen, nun darüber tagenden politischen Gremien viel diskutiert, Gemeinde-, Kreis- und Bezirkstag debattierten über die Fachschule. Sogar ein Neubau wurde von einigen nun erwogen. Zahlreiche Fahrten nach Ansbach und München wurden von Bubenreuther Entscheidungsträgern unternommen. Eine Rettung der mühevoll aufgebauten und dem eigenen Nachwuchs gewidmeten Einrichtung stand am Ende der Bemühungen leider nicht. 

Geigenbaumeister Willibald Raab wird Ausbildungsmeister für den Geigenbau.
Geigenbaumeister Willibald Raab wird Ausbildungsmeister für den Geigenbau. // Museumsverein Bubenreuth

Die Fachschule bestand kaum 15 Jahre. Mit dem Ende des Schuljahres wurde sie im Juli 1965 geschlossen. Im Freistaat war neben der Geigenbauschule in Mittenwald kein Platz für eine zweite gleichwertige Institution. Erst 1959 war dort ein Neubau durch den Freistaat erfolgt. Rückläufige Lehrlingszahlen in Bubenreuth waren Wasser auf die Mühlen der Gegner einer eigenständigen Institution in Franken.

Das Kultusministerium winkte genauso ab wie der Bezirk Mittelfranken. Trotz Hochkonjunktur der Branche sah sich die Gemeinde Bubenreuth zusammen mit den Betrieben vor Ort nicht in der Lage, eine derartige Schule dauerhaft zu finanzieren. 

Hoffnungen auf Kulturhof H7 in Bubenreuth 

Etwas traurig über das Ende seiner Fachschule blickt noch heute die an den Hintereingang des Nachfolgebaus verbannte Skulptur des Elias Placht, der als erster namentlich bekannter Schönbacher Geigenbauer gilt. Eine Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau wird es in Bubenreuth vermutlich nie wieder geben. Elias Plachts Hoffnungen richten sich nun auf etwas Neues, den Bubenreuther Kulturhof H7 mit seinem Museum „Musik und Integration“.

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