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Schausteller mit Tradition
Sie sind die Seele der Bergkirchweih
Bergkirchweih 2024
Die Lebkuchenherzen an Jutta Kunstmanns Stand sind alle handbemalt. // Anna-Lena Reif
Erlangen – Süßigkeitenstände, Fahrgeschäfte, Schießbuden: Auf der Bergkirchweih wimmelt es vor Schaustellern. Drei von ihnen erzählen von ihrem Beruf.

In der Auslage leuchten bunte Brausebonbons neben blauen Schlümpfen und Gummischlangen, über den Köpfen drehen sich Lebkuchenherzen leicht im Wind. Am Stand von Jutta Kunstmann auf der Erlanger Bergkirchweih werden Kindheitserinnerungen wach, wie man sie heute längst nicht mehr überall findet.

Auf allen Herzen klebt ein Etikett mit der Aufschrift „100% Handarbeit“ und in der Tat: Alle Lebkuchenherzen am Stand sind von einem Hersteller in Worms handbemalt. Zwischen all den anderen Herzen auf der Kirchweih stechen sie sofort ins Auge.  Der Dauerbrenner ist jedoch die Mandel, erzählt die Chefin, während sie ein großes Lebkuchenherz von der Wand holt. Seit 70 Jahren gibt es den Süßwarenstand der Familie Kunstmann aus Erlangen, inzwischen in fünfter Generation. 

Bergkirchweih 2024
Die Lebkuchenherzen an Jutta Kunstmanns Stand sind etwas ganz Besonderes: Sie werden komplett von Hand bemalt. // Anna-Lena Reif

Jutta Kunstmann kennt das Leben als Schausteller also von klein auf. Doch sie weiß auch, dass es nicht immer einfach ist. „Wir sind jeden Tag der Bergkirchweih da“, sagt Kunstmann. Während die Angestellten in Schichten arbeiten, hält Jutta Kunstmann von früh bis spät die Stellung. „Wir sind von Ostern bis Ende Oktober unterwegs“, erzählt sie. Dabei zieht die Familie mit ihrem Stand von Kerwa zu Kerwa. „Man nimmt das Geschäft mit ins Bett. Viele fangen als Schausteller an und fallen damit auf die Nase, weil sie sich gar nicht vorstellen können, wie das ist.“

Bowle und Lillet: Sabine Kunstmann bietet Alternativen zum Bier

Während Jutta Kunstmann erzählt, gesellt sich eine weitere Frau an den Stand und stellt sich als Sabine vor, Juttas Schwester. Auch sie ist noch immer als Schaustellerin tätig – auf der anderen Straßenseite. An Sabines Stand reihen sich große Vasen auf, in denen frische Früchte in appetitlich aussehenden Bowlen schwimmen. „Das ist eher was für die Mädels, die vielleicht nicht unbedingt Bier mögen“, sagt Sabine mit einem Zwinkern. Ob Erdbeer, Kiwi oder Limetten: Es ist für jeden Geschmack was dabei. Auch eine alkoholfreie Variante gibt es. Der Favorit? Ganz klar Erdbeere. 

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Mojito, Lillet, Bowle: Sabine Kunstmann versorgt diejenigen, die keine Lust auf Bier haben. // Anna-Lena Reif

Das Schausteller-Leben kennt sie von klein auf, etwas anderes konnte sie sich nie vorstellen. „Es gibt auch andere, die dann studieren gehen, oder etwas anderes machen“, erzählt sie. „Aber letztendlich kommen bestimmt 98 Prozent von denen, die was anderes machen, wieder zurück.“

70 Jahre Autoscooter auf der Bergkirchweih

Nur wenige Meter weiter sitzt die dritte Schwester, Nadja, im Kassenhäuschen des Autoscooters. Auch dieser hat eine lange Geschichte: „Den ersten Autoscooter hat unser Urgroßvater gekauft, das war kurz nach dem Krieg. Inzwischen haben wir den siebten“, erzählt sie. „Und in diesem Jahr sind wir 70 Jahre auf der Bergkirchweih mit dem Autoscooter.“

Dass sie die Tradition weiterführen will, war für sie immer klar. Zwar sei das Leben als Schausteller anstrengend – frei hat sie eigentlich nur im Januar und im Februar – und man müsse unheimlich viel von sich geben. An ihre Kindheit hat sie aber viele schöne Erinnerungen. „Auf den kleineren Veranstaltungen kennt man jeden Kollegen. Das war für uns Kinder wie ein großer Spielplatz und wir durften überall umsonst fahren.“

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Am Süßwarenstand von Jutta Kunstmann werden Kindheitserinnerungen wach. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Schon beim Zuschauen wird manch einem hier schwindelig. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Bunte Gummischlangen, Brausebonbons, Zuckerperlenketten – man fühlt sich in die eigene Kindheit zurückversetzt. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Bei Sabine Kunstmann kommen diejenigen auf ihre Kosten, für die es nicht unbedingt Bier sein soll. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Das ikonische Risenrad ragt über den Besuchern auf. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Ob Erdbeere, Kiwi oder Caipirinha: Bei dem Bowle-Sortiment ist für jeden was dabei. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Die Kinder haben auf den vielen Fahrgeschäften ordentlich Spaß. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Auch eine alkoholfreie Variante gibt es bei Jutta Kunstmann am Stand. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Neben Bratwürsten und Brezen locken auch Schmankerl wie Flammkuchen. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Am Samstagvormittag ist es noch ruhig am Steinbach-Keller – zwei Stunden später sieht das schon ganz andera aus. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Seit 70 Jahren ist die Familie Kunstmann eine Schausteller-Familie. Auch das Autoscooter von Sabine Kunstmann hat schon einige Jahre auf dem Buckel. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Was zum Schumnzeln am Entla's-Keller. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Von ihrem Kassenhäuschen aus hat Sabine Kunstmann ihr Autoscooter im Blick. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif
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Massenweise Chips gehen wir an so einem Samstag über die Theke. // FOTOGALERIE Anna-Lena Reif

Einige der schönsten Momente hat sie der Tatsache zu verdanken, dass sie schon so lange im Geschäft ist: „Die schönsten Momente sind, wenn du Kinder heranwachsen siehst und auf einmal sind sie selber Eltern und ihre Kinder fahren auch wieder bei uns. Wenn du so generationsübergreifend da bist und die Leute immer wieder siehst.“

Das Schausteller-Leben bringt viel Arbeit mit sich

Was Nadja Kunstmann immer wieder auffällt: Viele Menschen romantisieren das Leben als Schausteller. „Manche denken wirklich, wir sitzen hier abends alle am Lagerfeuer“, erzählt sie schmunzelnd. „Oder dass wir kein richtiges Haus haben. Ja, ich habe einen Wohnwagen, aber der hat eine Dusche, eine Küche, einen Trockner, ein eigenes Kinderzimmer. Und im Oktober ziehen wir dann wieder in unser Haus und dann bin ich auch froh, wieder Zuhause zu sein.“

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Nadja Kunstmann betreibt den Autoscooter in fünfter Gneration. // Anna-Lena Reif

Bei aller Liebe zu ihrem Beruf sieht sie für ihre Branche in Zukunft aber auch große Probleme. Vor allem die erhöhten Gebühren, die die Stadt Erlangen in diesem Jahr für die Schausteller und Wirte auf der Bergkirchweih angesetzt hat, kann sie nicht nachvollziehen. Einerseits profitiere schließlich die komplette Stadt von der Bergkirchweih, egal ob Hotel, Taxi oder Discothek.

Nadja Kunstmann: Schausteller bereiten den Menschen Freude

Andererseits müsse man bedenken, wie wichtig solche Feste in der aktuellen Zeit sind: „Wir machen den Fernseher an und wir sehen Krieg, wir sehen Katastrophen. Es ist alles negativ, was gerade auf uns einprasselt. Ob wir einkaufen gehen, oder tanken, es ist alles negativ“, gibt Kunstmann zu bedanken. „Meine Berufsgruppe ist dafür da, Menschen Freude zu bereiten. Ich mache das gerne, weil ich gerne mit Menschen arbeite. Aber wenn man noch mehr auf diese Berufsgruppe draufpackt, landet das letztendlich wieder beim Kunden. Und da muss man sich die Frage stellen: Wo führt das hin und wo hört das auf? Weil irgendwann kann der Kunde das nicht mehr bezahlen und dann kann der Kunde nicht mehr auf die Bergkirchweih gehen.“

Doch gerade angesichts der aktuellen Situation sei es ihrer Meinung nach umso wichtiger, Menschen solche Feiern weiterhin bieten zu können – auch weil sie ein Stück Tradition sind und viel Prestige für die Stadt bringen. „Das muss man ganz, ganz vorsichtig anfassen“, ist sie sich sicher. 

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