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Vergessene Stadtgeschichte
Deswegen verschwand die Brauerei Hubmann aus Herzogenaurach
Hintere Gasse 34: Der größte Teil der Gebäude der einstigen Brauerei Hubmann fiel 1979 der Baggerschaufel zum Opfer.
Hintere Gasse 34: Der größte Teil der Gebäude der einstigen Brauerei Hubmann fiel 1979 der Baggerschaufel zum Opfer. // Manfred Welker
Signet des Fränkischen Tags von Dr. Manfred Welker
Herzogenaurach – Vor 45 Jahren verschwand die Brauerei Hubmann aus dem Stadtbild Herzogenaurach. Seine Mitarbeiter prägten die Geschichte der Stadt. Ein Ort zeugt noch heute vom einstigen Brauhaus.

Der Name „Hubmannparkplatz“ hält die Erinnerung an die ehemalige Herzogenauracher Brauerei wach, auch wenn deren Abriss schon 45 Jahre zurückliegt. Die Brauerei zwischen Hinterer Gasse, Steinweg und Schlossgraben war stets im Besitz der Familie Hubmann. Bereits 1835 hatte Herzogenaurach neben dem Communbrauhaus fünf Privatbrauereien, darunter die Sudstätte Hubmann. Die Brauerei mit angeschlossenem Wirtshaus war ein beliebter Anlaufpunkt für Herzogenauracher Bierfans.

Nach der Besetzung Herzogenaurachs durch die US-Amerikaner war bei den Besatzern auf jeden Fall der einheimische Gerstensaft sehr begehrt. Bürgermeister Adam Hubmann schrieb daher am 19. Juni 1945 an die Militärregierung in Höchstadt: „Die Bierabgabe an amerikanische Truppen ist in Herzogenaurach beträchtlich, so zum Beispiel beträgt die Abholung bis jetzt in meiner eigenen Brauerei bereits 1200 hl Bier, somit benötigen auch diese Betriebe Kohle.“ Die Zivilbevölkerung konnte sich vermutlich kaum Bier zum Trinken leisten. Einen Einblick über die Preisstruktur gibt ein Schreiben des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Abteilung Preisbildungsstelle, am 25. Juni 1945 mit dem Betreff: „Bierpreis für Einfachbier“.

Brauerei Hubmann in Herzogenaurach darf kein Bier mehr brauen

Seit dem 15. März 1945 durften Brauereien nur noch Einfachbier in einer Farbe mit einem Stammwürzegehalt von 1,7 bis 2,4 Prozent herstellen. Als Ganterpreis waren höchsten 30 Reichsmark je Hektoliter genehmigt. Durch den zusätzlichen Kriegszuschlag betrug der Ausschankpreis für Einfachbier im Fass 47 Reichspfennig je Liter und 24 Reichspfennig je halben Liter. Einen herben Rückschlag für die Herzogenauracher Biertrinker war eine Meldung aus Höchstadt von Mitte Oktober. Landrat Valentin Fröhlich wies im Auftrag der Militärregierung am 12. Oktober 1945 sämtliche Brauereien an, dass sie ihren Betrieb einzustellen hätten.

Außerdem sollten sie ihre Bestände an Gerste, Malz und Hopfen melden. Die Produktion konnte aber bald danach wieder aufgenommen werden. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Brauerei Hubmann einen bedeutenden Aufschwung. Adam Hubmann war für die Brauerei zuständig, Melchior Hubmann eher für das Büro, als Braumeister sorgte Adam Schürr für gutes Bier. In den Jahren von 1950 bis 1970 stieg der Ausstoß auf das Zehnfache.

Bier aus Herzogenaurach in Nürnberg und Erlangen

Malz, Bier und Limonaden wurden in Bayern und Baden-Württemberg abgesetzt. Zahlreiche Wirtshäuser in der Umgebung von Herzogenaurach schenkten Hubmann-Bier aus, aber auch Gasthäuser in Nürnberg und Erlangen wurden beliefert. Später waren die Besitzer der als „Brauerei und Mälzerei oHG E.C.Hubmann“ titulierten Sudstätte Melitta Hubmann sowie ihre Söhne Paul und Josef Hubmann. Siggi Erhardt startete sein Arbeitsleben im Jahr 1950 als „Stift“ bei Hubmann: „Damals gab es sogar noch zwei Pferde für die Bierauslieferung, die von Franz Hofmann versorgt wurden.“ Bereits mit dem Pferdegespann wurde das Bier bis Schwarzenbach geliefert.

Blick auf den Hubmannparkplatz heute
Blick auf den Hubmannparkplatz heute // Manfred Welker

Die Brauerei hatte eine rund 20-köpfige Belegschaft. Braumeister war Franz Obermayer. Als Brauer arbeiteten Hans Glaß, Georg Gumbrecht, Siggi Erhardt, Stefan Hagen, Christian Schütt, Georg und Otto Ploner, Alfred Meidel und Lorenz Dümler. Auch die Namen der letzten Brauerlehrlinge wusste Erhardt noch: Alfons Herbolzheimer und Franz Bischof. Gebraut wurde hauptsächlich Vollbier mit 11,5 Prozent Stammwürze, außerdem Märzen, Dunkelbier, Pils und in der Weihnachtszeit Bockbier.

Modernstes Sudhaus in Nordbayern

Der Ausstoß betrug 20.000 bis 25.000 Hektoliter im Jahr. Für das Ausfahren des Gerstensafts und der Limonaden per Lastwagen waren Linhard Bauer, Simon Hagen, Josef Ort, Georg Schmitt (Gaststätte Steigerwald), Ulrich Kräck, Robert Glaß und Hans Süß („Pfiffer“) verantwortlich. Peter Händel arbeitete als Betriebsschlosser in der Brauerei und war auch der Cheffahrer von Brauereichef Hubmann. Bereits 1958 erfolgte eine Modernisierung der Brauerei. Im Dezember 1967 wurde das neue Sudhaus in Betrieb genommen.

Ehemaliges Gasthaus Hubmann in Herzogenaurach
Ehemaliges Gasthaus Hubmann in Herzogenaurach // Manfred Welker

Die halb automatische Anlage der Brauerei Hubmann war das modernste Sudhaus in Nordbayern. Die Brauausstattung wurde nach der Stilllegung der Brauerei ins Rheinland verkauft. Unter dem Sudhaus befand sich die Mälzerei. „Wir haben unser Malz selber hergestellt“ – darauf war Erhardt auch Jahrzehnte danach noch stolz. Neben dem Malzkeller befand sich der Lagerkeller mit großen Aluminiumtanks, die bis zu 180 Hektoliter Inhalt fassen konnten.

Hubmann-Parkplatz in Herzogenaurach entsteht

Hermann Anneser arbeitete als Hauptbuchhalter und war damit für die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung zuständig. Die Brauerei wurde 1974 verkauft. Die letzte Abrechnung für Anneser bei der Brauerei Hubmann datierte vom Februar 1975. Nach dem Aus für die Brauerei wurden die Gebäude in einigen Etappen abgerissen, um Raum für einen Parkplatz zu erhalten. Der größte Teil der Gebäude fiel 1979 der Baggerschaufel zum Opfer.

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