So mancher Höchstadter, der in letzter Zeit über die Aischbrücke gedüst ist, dürfte sich gewundert haben in Anbetracht der Menge an Wohnwagen und Campern auf dem Festplatz in den Aischwiesen. Weit über 100 dieser Fahrzeuge bevölkern seit Ende Mai das Areal. Zudem wurde ein großes Zelt errichtet, welches ein Kreuz trägt.
Die wildesten Gerüchte kursieren, die vom fahrenden Volk bis hin zu Anwesenheit einer Sekte reichen. Ein Gespräch mit Joseph Wagner, einem der vier Vorsitzenden des Vereins „Missionswerk Zion“ bringt Aufschluss: „Wir sehen uns als freie Christengemeinde, die mit allen ernsthaften Christen in Kontakt treten möchte, die Jesus liebhaben, und wir möchten Vorurteile dem Volk der Sinti gegenüber abbauen.“
Überwiegender Teil sind Sinti
Der überwiegende Teil der Anwesenden besteht aus Sinti. Als Basis für das Missionswerk Zion zitiert Wagner die Bibelstelle Johannes 3, Vers 16, die da lautet: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe.“
Ihm sei es wichtig, so Wagner weiter, mit jahrhundertalten Klischees aufzuräumen, die in der Bevölkerung weitergegeben würden. „Holt die Wäsche rein“ zitiert er eines von ihnen, „Nehmt die Kinder weg“ ein weiteres. Seinen Hauptsitz hat das Missionswerk in Kronach.
Auf die Gründung angesprochen, erzählt Wagner, dass diese in den 1950er-Jahren in Frankreich stattgefunden habe. „Viele Sinti waren nach dem Zweiten Weltkrieg traumatisiert“, berichtet er und führt weiter aus, dass Pastor Clemens Lecusseck das Missionswerk Zion in Frankreich gegründet hatte. Von dort aus hätte es sich in Europa, nach Amerika und Indien ausgebreitet.
Zum ersten Mal in Höchstadt
Pastor Gerhard Heinzmann hatte in den 1960ern das entsprechende Missionswerk in Deutschland gegründet. Zweimal jährlich veranstaltet das Missionswerk laut Wagner Zusammenkünfte wie dieses in Höchstadt, wo sie jetzt zum ersten Mal zu Gast sind. „Zu Pfingsten und im August in den Sommerferien“, erläutert der 57-Jährige. Letztes Jahr sei man in Braunschweig und in Weiden gewesen.
Über das Netzwerk werden die entsprechenden Termine und Orte für das bundesdeutsche Treffen weitergegeben. Aber nicht nur dem Missionswerk Zugehörige sind willkommen. „Niemand wird aus dem Haus entfernt“, erklärt Wagner und berichtet im selben Atemzug, dass bereits Höchstadter Bürger an Predigten teilgenommen hätten.
Aber auch über die Höchstadter selbst weiß er Gutes zu berichten: „Wir sind sehr positiv aufgenommen worden“, sagt er und dankt gleichzeitig der Stadt Höchstadt, allen voran den Bürgermeistern sowie den Sachbearbeitern der Stadtverwaltung für die freundliche Aufnahme.
Zweiter Bürgermeister Günther Schulz selbst erklärt, dass man nur einmal in den Aischwiesen vorstellig geworden sei, um die Parksituation anzusprechen. Aufgrund der Dichte – praktisch kuschelte sich ein Wagen an den nächsten – musste um ein wenig Abstand gebeten werden, um eine Feuerwehrzufahrt zu schaffen. „Wir wissen zu schätzen, dass wir hier Gäste sind“, sagt Wagner, „und wir versuchen, alles in dieser Richtung zu regeln.“
Reges Kommen und Gehen
Den persönlichen Kontakt zu den Menschen sieht er als wichtig an, denn: „Vorurteile kann man nur dann abbauen, wenn man dazu bereit ist. Dann kann man sich selbst ein Bild schaffen, das der Wahrheit entspricht und nicht nach den alten Klischees entstanden ist.“
Um die 500 Menschen tummeln sich auf dem Gelände. Es herrscht zwar ein reges Kommen und Gehen der Fahrzeuge, dennoch geht es ausgesprochen ruhig zu. Die Anwesenden nehmen an Vorträgen, Predigten, Kinder- und Jugendaustausch teil. Es werden sogar fünf Erwachsene in der Aisch von einem der 20 anwesenden Pastoren getauft. Denn, so Wagner: „Wer glaubt und sich taufen lässt, soll gerettet werden.“
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