Er ist der heimliche Star der Eberhofer-Krimis und regelmäßig in der Erfolgsserie „Dahoam is Dahoam“ zu sehen: Eisi Gulp. Der vielseitige Schauspieler lebte schon in New York, Paris, Berlin und München, doch seit über 30 Jahren bevorzugt er das Landleben. Im Sommer genießt er die Ruhe im Chiemgau, während er die Wintermonate in Kenia verbringt.
Im Interview mit unserer Zeitung spricht Eisi Gulp über seine beeindruckende Karriere, seine Reisen und sein aktuelles Solo-Programm „Tagebuch eines Komikers I“, das er am 2. November in der Fortuna Kulturfabrik in Höchstadt präsentieren wird.
Sie sind Komiker, Akrobat, Schauspieler, also wirklich ein wahrer Tausendsassa. Können Sie uns Ihren Werdegang skizzieren und wie Sie zu dem geworden sind, der Sie jetzt sind?
Eisi Gulp: Das ist eine lange Geschichte. Ich bin in München aufgewachsen, bin ganz normal auf die Schule gegangen, habe nach der Schule Zivildienst und ein soziales Jahr gemacht. Dann habe ich ein Architekturstudium angefangen. Eigentlich wollte ich auf die Kunstakademie gehen, aber da waren vier Semester Wartezeit. Während des Architekturstudiums habe ich angefangen, hier mal am Wochenende einen Theater-Workshop mitzumachen, da mal einen Pantomime-Kurs belegt oder ein paar Tanzstunden genommen. Und dann bin ich bei einer Modern Dance-Company hängen geblieben, deren Choreografin anscheinend ein Potenzial in mir gesehen hat und sagte, ich solle da noch ein bisschen mehr daraus machen.
Und darüber hinaus habe ich mich dann in eine amerikanische Ballerina verliebt. Mit der bin ich nach New York gegangen, weil die zu mir gesagt hat: „Wenn du irgendwas in der Richtung machen willst, dann musst du nach New York gehen!“ Dann sind wir nach New York. Sie musste allerdings dann ziemlich schnell wieder zurück, weil sie ein sehr wichtiges Engagement bekommen hat in Stuttgart bei John Cranko (Anmerkung: südafrikanischer Balletttänzer und Choreograf des Stuttgarter Balletts). Und dann bin ich eben noch in New York geblieben – und das war für mich eigentlich so die Initialzündung.
New York hatte damals auch viel zu bieten, was Kunst angeht.
Ja, damals war New York wirklich noch die Künstlerstadt schlechthin. Heute muss ich ehrlich sagen, das ist nur noch eine große, teure, kommerzielle Stadt – und dieses ganze Künstler-Flair im Village und was es damals alles so gegeben hat, das gibt es eigentlich nicht mehr so in der Richtung. Aber es ist natürlich trotzdem noch eine wichtige Stadt für Schauspieler und für Tänzer.
Nach New York sind Sie dann nach Paris gegangen.
Genau. In Paris habe ich noch so eine richtig klassische Pantomime-Schule besucht, und zwar von der Frau von Marcel Marceau. Er war sozusagen der bekannteste weißgesichtige Pantomime aus der klassischen Szene, die es damals gab.
Das ist ja sehr speziell. Wie kamen Sie dazu, das zu studieren?
Studieren ist immer so ein großes Wort. Man geht halt und macht da diverse Stunden oder Workshops mit und versucht sich natürlich selber weiterzuentwickeln. Und die klassische Pantomime, die gab es hauptsächlich in Paris damals. Damals hatte das natürlich noch einen ganz anderen Stellenwert in den Theatern.
Also Marcel Marceau, der ist auf Tourneen gegangen, die waren komplett ausverkauft. Und der hat wirklich den ganzen Abend kein Wort gesprochen, sondern das alles wurde pantomimisch dargestellt. Er war natürlich ein Meister, aber es ist jetzt irgendwie einfach nicht mehr zeitgemäß, passt heutzutage nicht mehr rein. Und mir ging es eigentlich damals schon so: Ich wollte ganz einfach auch meinen Mund aufmachen können. Ich habe auch was zu sagen. Aber es war eine sehr gute körperliche Ausbildung. Ich komme noch dazu gleichzeitig vom Kampfsport. Und das sind also zwei Disziplinen gewesen, die einem natürlich unheimlich gutes Körpergefühl gegeben haben.
Und so hat es sich dann quasi langsam bei Ihnen entwickelt, oder?
Genau. Also mich hat im Grunde genommen jemand auf der Straße angesprochen, ob ich auch ein Bühnenprogramm habe. Dann habe ich einfach Ja gesagt und hatte zwei Wochen Zeit, mir ein Bühnenprogramm zusammenzustellen, und das habe ich dann damals gespielt. Das lief einfach vom ersten Moment ab saugut, muss ich sagen. Also es ging wirklich unheimlich flott. Und dann habe ich halt so ein Engagement nach dem anderen gekriegt.
Und wie sind Sie dann zur Schauspielerei gekommen?
Eigentlich auch über diese Arbeit, weil dann diverse Regisseure mal bei mir im Programm dringesessen sind. Damals gab es tatsächlich noch Regisseure, die sich da die Mühe gemacht haben, sich die Szene auch anderweitig ein bisschen anzuschauen und abzugrasen. Die haben sich jetzt nicht einfach auf irgendwelche Casting-Agenturen, so wie das heute läuft, verlassen, sondern die sind selber unterwegs gewesen und haben sich ihre Leute zusammengesucht, wenn sie einen Film machen wollten.
Und ja, da saß dann einmal der Karl-Heinz Kramberg, das war ein alter Regisseur und Büchernarr, unheimlich belesen, auch Kritiker in der Süddeutschen Zeitung. Und der hat damals literarische Filmerzählungen im Bayerischen Rundfunk gemacht. Er hat mich als erster engagiert. Dann kamen Percy Adlon und Marianne Sägebrecht zu mir ins Programm und haben mir damals den Film „Zuckerbaby“ angeboten. Und „Zuckerbaby“ war dann eigentlich so der erste Durchbruch. Da habe ich allerdings parallel dazu gleichzeitig auch noch „Live aus dem Alabama“ gemacht. Das war alles im Jahr 1984. Also 1984 war ein ganz, ganz wichtiges Jahr für mich, in dem unheimlich viel passiert ist.
Sie sind ja schon sehr viel herumgekommen in Ihrem Leben, aber letztendlich sind Sie in Bayern geblieben.
Teils, teils. Ich bin jetzt schon seit knapp 40 Jahren in Afrika, eben auch als zweite Heimat. In Kenia. Wobei den größeren Teil verbringe ich natürlich schon hier und mittlerweile ja voll auf dem Land. Ich bin vor langer Zeit aus München raus und aufs Land gezogen ins Chiemgau. Da mein Job ja sowieso überall und nirgendwo stattfindet, ist es egal, wo ich wohne.
Würden Sie sagen, Sie sind Bayern verbunden, heimatverbunden?
Ja, ich konnte mich Gott sei Dank in dieser bayerischen Schiene etablieren und da bin ich auch tatsächlich dankbar drum, weil ich gar nicht mehr den Bock habe, ständig irgendwie zu Dreharbeiten nach Köln, Berlin oder Hamburg oder sonst irgendwo hin zu müssen. In den letzten Jahren hat sich das alles hier abgespielt und das ist auch sehr praktisch und vor allen Dingen viel angenehmer.
Bei den bayerischen Produktionen läuft alles ein bisschen lässiger und charmanter und diese ganze Struktur um Köln herum, wo diese ganzen Privatsender sitzen, ja, das ist eine Fernsehszene, die mir etwas unsympathisch ist.
Es ist schön, dass Sie in Bayern geblieben sind. Nun kommen Sie mit Ihrem Solo-Programm „Tagebuch eines Komikers I“ zu uns nach Höchstadt. Worum geht es in dem Programm und was können die Besucher erwarten?
Ja, es geht autobiografisch um mein Leben. Es geht mit meiner Geburt los, denn ich kann mich ja minutiös an alles erinnern. Ich erzähle wirklich aus den frühesten und ersten Erfahrungen meines Lebens in dem Programm. Deswegen habe ich auch hinter den Namen eine „Eins“ gesetzt, weil mir beim Schreiben dann schnell bewusst war, okay, da kommt noch einiges und das kann ich gar nicht alles in einem Programm erzählen.
Das heißt, es wird auch noch ein zweites geben?
Es wird ein zweites geben, es wird wohl ein drittes geben und wenn ich es so schaffe wie Johannes Hesters, dann gibt es vielleicht auch noch einen Teil vier. Bei dem ersten Programm, da komme ich gerade mal aus der Grundschule raus. Bin gerade zum Übertritt ins Gymnasium und dann ist die Show eigentlich fertig.
Wie läuft das Programm in ungefähr ab?
Nicht mehr ganz so wie früher. Früher habe ich wirklich richtige Stand-Up-Comedy-Programme gemacht, wo ich natürlich sehr viel mit dem Publikum interaktiv gespielt und sehr viel zugelassen habe, auch sehr viel an Improvisation. Dieses Programm hat jetzt tatsächlich einen sehr klaren Aufbau von A bis Z, aber ich bin immer noch offen. Also wenn bei mir jemand was dazwischenruft oder wenn es irgendeine Frage gibt, dann lasse ich mich da auch ganz gern drauf ein.
Gibt es etwas an Franken, was Ihnen besonders gut gefällt?
Franken war schon immer ein gutes Spiel- und Einzugsgebiet für mich. Ich habe zwischendurch mal wirklich sehr lange von der Bühne Pause gemacht. Ich habe wirklich zwölf Jahre lang fast nur gedreht und bin eigentlich nicht mehr auf die Bühne gegangen und hatte es auch gar nicht mehr vor.
Woher kam der Wandel?
Ich habe andere Kollegen auf der Bühne gesehen und mir dann immer gedacht: „Brauche ich das jetzt noch? Will ich das noch? Mag ich das noch?“ Und dann ruft mich ein alter Veranstalter vom Bodensee an und sagt: „Jetzt gehen wir wieder auf die Bühne!“ Und dann haben wir tatsächlich einfach einen Premierentermin ausgemacht. Das war letztes Jahr auf der Luisenburg in Wunsiedel. Und das hat super funktioniert und hat mir dann auch diese Kraft und den Mut gegeben, zu sagen: „Okay, das machen wir jetzt weiter, das ziehen wir jetzt durch!“
Was dürfen wir im kommenden Jahr von Ihnen erwarten?
Also für nächstes Jahr kommen noch einige Tour-Termine dazu. Wir werden auch wieder einen Eberhofer-Film drehen, so wie es ausschaut.
Interview: Natália dos Reis Gonçalves
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