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Bekannt für einen Schatzfund
Einstige Brauerei in Herzogenaurach soll verkauft werden
Die ehemalige Gastwirtschaft „Zur Kastanie“ in der Bamberger Straße 2 in Herzogenaurach.
Die ehemalige Gastwirtschaft „Zur Kastanie“ in der Bamberger Straße 2 in Herzogenaurach. // Manfred Welker
Signet des Fränkischen Tags von Dr. Manfred Welker
Herzogenaurach – Die ehemalige Brauerei Polster soll verkauft werden. Einst wurden in dem Areal, heute Gastwirtschaft „Zur Kastanie“, Bälle und Feste gefeiert. Warum das Gebäude jedoch für einen Schatz bekannt ist.

Seit einigen Tagen hängt im Fenster der Gastwirtschaft „Zur Kastanie“ in der Bamberger Straße 2 von Herzogenaurach ein Zettel mit einer Kontaktadresse für eine Immobilienfirma. Die Gastwirtschaft und ehemalige Brauerei soll verkauft werden. Im Anwesen Bamberger Straße 2 sorgte die Brauerei Johann Mauer (1870-1872), danach die von Leonhard Mauer (bis 1889), weitergeführt von seiner Witwe Catharina Mauer (bis 1895) für eine gute Versorgung der Bierliebhaber.

Durch Einheirat von Johann Polster 1902 und die Errichtung eines neuen Brauhauses im Jahr 1909 firmierte das Unternehmen anschließend unter dem Namen Polster. Nachdem in der nächsten Generation Hans Polster Betty Zimmerer geehelicht hatte, wurde der Braubetrieb in die vormalige Brauerei Zimmerer, Hauptstraße 71 verlegt. Ende der 1950er-Jahre wurde in der Bamberger Straße ein neuer Saal anstelle der ehemaligen Brauereigebäude errichtet.

Schatz aus Silbermünzen in Brauerei Polster in Herzogenaurach

Im Saal des Gasthauses Polster fanden zahlreiche Veranstaltungen wie Bälle, aber auch Ausstellungen von Kleintierzüchtern statt. Im Gasthaus wurde lange Jahre Ende Juni eine eigene Johanni-Kirchweih gefeiert. Auch nach dem Ende der Brauereien Polster und Hubmann wurde das Gasthaus weiter betrieben. Pächter waren Anni Wirth, Engelbert Hupka, Paul Lange und Raluca Haas. Dass das Anwesen eine lange Geschichte hat, zeigte sich am 16. Juni 1905, als Brauereibesitzer Polster in seinem Anwesen an der Bamberger Straße in Herzogenaurach einen Kamin neu aufmauern lassen wollte.

Bei den Ausschachtungsarbeiten stießen die Arbeiter neben dem Fundament einer Scheidemauer auf ein einhenkeliges Tongefäß in Form der damals noch gebräuchlichen Milchkrüge, das außen rau und innen grün glasiert war. Dieser Krug mit etwa 1,4 Litern Fassungsvermögen war von seinem Vorbesitzer mit Silbermünzen gefüllt und vergraben worden. Leider waren Erde und Feuchtigkeit in das Gefäß eingedrungen, die Münzen zu ganzen Klumpen zusammengebacken und stark verkrustet, sodass der Wert nicht sofort erkennbar war. Der Besitzer gestattete Besuchern, sich je ein Exemplar mitzunehmen. Erst 14 Tage nach Auffinden der Münzen erfuhr der Erlanger Numismatiker Friedrich Will davon und erhielt ebenfalls einige Exemplare, ebenso der Numismatiker Buchenau aus Weimar.

Herzogenaurach: Münzen von Fürstbistum Bamberg

Das königliche Münzkabinett in München nahm von einem Ankauf Abstand, sodass Friedrich Will auch die verbliebenen Münzen untersuchen konnte. Es gelang ihm, die restlichen 3100 Stück genauer zu bestimmen. Die Fundstücke zeigten eine große Vielfalt an Gepräge, in der Hauptsache handelte es sich um einseitige Pfennige des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts. Wie aus den Prägedaten geschlossen werden konnte, war der Hort, so nennt man mehrere, zusammen niedergelegte, vergrabene oder versenkte Objekte, bereits 1532 verborgen worden. Vor allem die Landesmünze (Fürstbistum Bamberg), aber auch Stücke aus Prägeorten wie Oettingen, Leuchtenberg und Eberhard von Königstein, waren in großer Zahl dabei.

So fanden sich darunter verstärkt Prägungen der Fürstbischöfe von Bamberg, Anton von Rotenhan (1432-59), Georg von Schaumburg (1459-1475), Veit I. Truchseß von Pommersfelden (1501-1503), Georg Marschalk von Ebnet (1503-1505), Georg III. Schenk von Limpurg (1505-1522), aber auch Prägungen der Reichsstadt Nürnberg. Vertreten waren auch Münzen der Markgrafen von Ansbach, Albrecht Achilles (1440-1486), Friedrich der Ältere (1486-1515), Casimir (1515-1527) und von Georg dem Frommen (1515-1543), aber auch der Bischöfe von Würzburg, Johann III. von Grumbach (1455-1466), Rudolf von Scherenberg (1466-1495) und Lorenz von Bibra (1495-1519). Friedrich Will konnte auch Münzen der Reichsstädte Nördlingen, Kempten, der Bistümer Eichstätt, Regensburg, Passau und Osnabrück, der Erzbistümer Köln, Magdeburg und Mainz bestimmen sowie der Fürstentümer Anhalt, Kurbrandenburg, Henneberg, Hessen und Sachsen, aber auch aus neufürstlichen Häusern wie Oettingen und Leuchtenberg.

Herzogenaurach: Münzen zeigen Handelsbeziehungen

Es fanden sich Münzen aus Tirol, Böhmen, Salzburg und der Schweiz. Die breite Streuung der Münzen gibt auch Aufschluss über die Handelsbeziehungen des alten Herzogenaurach, die von Köln bis Chur und darüber hinaus reichten. Vermutlich war das Haus an der Bamberger Straße schon damals ein Gasthaus, was dann auch die Ansammlung der verschiedenen Münzen erklären könnte.

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