Bildung
Expertin fordert: Schule muss anders denken
Ein so genannter Gallery-Walk rundete den Fortbildungstag ab.
Ein so genannter Gallery-Walk rundete den Fortbildungstag ab.
Foto: Liebfrauenhaus
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Herzogenaurach – „Es geht um das Überleben der Menschheit, und wir machen Unterricht wie schon immer“, sagt Bildungsexpertin Margret Rasfeld.

Die Lehrkräfte und pädagogischen Mitarbeiter der Liebfrauenhausschule befassten sich im Rahmen eines Fortbildungstages mit der Frage: „Was ist der Kernauftrag von Schule, insbesondere unter den Aspekten der aktuellen und künftigen Herausforderungen?“. Darauf verweisen Schulleiter Michael Richter und Heike Witthus in einer Pressemitteilung.

Als Referentin hatte die Schule Margret Rasfeld gewinnen können. Sie ist Mitinitiatorin der Bewegung „Schule im Aufbruch“, einer Initiative, die sich für eine ganzheitliche und transformative Bildung im Sinne des Weltaktionsplans „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der Unesco einsetzt.

Rasfelds Aussage zum Umgang der Schule mit aktuellen und zugleich explosiven Themen wie Klimakrise, Artensterben, (Plastik-) Müll oder Vergeudung von Lebensmitteln rüttelte auf: „Es geht um das Überleben der Menschheit und wir machen Unterricht wie schon immer!“ Ihre Authentizität, Begeisterung und Strahlkraft berührte auch die Teilnehmer im Liebfrauenhaus.

Motiviert und engagiert

Margret Rasfeld war die Gründerin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum und hat dort als motivierte und engagierte Schulleiterin ein Schulkonzept entwickelt, das für viele Schulen zur Blaupause für die eigene Schulentwicklung geworden ist, heißt es in der Pressemitteilung. Mittlerweile ist Rasfeld zur gefragten Bildungsexpertin geworden, die auf vielen nationalen und internationalen Bühnen spricht.

Margret Rasfeld sprach zunächst sehr deutlich die kritischen Punkte im bisherigen Bildungssystem an. Es werde immer klarer, dass sich wesentliche und dringend notwendige Kompetenzen so nicht entwickeln könnten und zudem viele Schüler im herkömmlichen Schulsystem ihr Potenziale nicht wirklich entfalten könnten und zudem auch oft psychisch leiden.

Mut haben, Musterbrüche zu wagen

Ihre Forderung nach nachhaltiger Bildung sieht die Notwendigkeit, Schule anders zu denken: Nicht mit Verbesserungen im bestehenden System, sondern mit dem Mut, Musterbrüche zu wagen. Schule in der bisherigen Form sieht sie als Risikofaktor, die die Schüler nicht befähigt, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Sie sagt: „Schule soll Schüler zu selbstverantwortlichem, kreativem Lernen ermuntern, zu kritischen und verantwortungsbewussten Menschen erziehen, Demokratiebewusstsein fördern und Wert darauf legen, dass die Kinder und Jugendlichen solidarisch, mutig und empathisch mit Umwelt und Gesellschaft in Kontakt treten.“

Schülerinnen sollen lernen, Wissen zu erwerben, gemeinsam zu handeln und zusammen zu leben. Zusammen mit dem Ziel, sich als Persönlichkeit weiterzuentwickeln und der Gewissheit, selbst etwas bewirken zu können, bilden sie die Kernkompetenzen einer modernen Schule.

Das Lernen in fachübergreifenden Projekten, mit Fragestellungen, die sich aus den Zielen der Agenda 2030 ergeben, müsse Routine an den Schulen werden und entsprechend müsse sich die Rolle und Haltung der Lehrkräfte hin zu einem Coaching wandeln.

Es braucht Mut

Die Teilnehmenden der Veranstaltung hatten zunächst Zeit, mit Margret Rasfeld in den Austausch zu treten. Im Anschluss daran ging es um die Frage, was das alles für die eigene Arbeit bedeutet und welche nächsten konkreten Schritte daraus abgeleitet werden können. Ein Gallery Walk, also das Anschauen und Diskutieren über die vielfältigen Ideen aller Anwesenden, rundete den Fortbildungstag ab. In der Abschlussrunde wurde deutlich, dass es Mut braucht für diese Entwicklung und dies ein langer Prozess ist. Trotzdem wollen alle den ersten Schritt wagen oder auf ihrem Weg weitergehen.

 Seit 2019 jährlich als „Umweltschule in Europa“ ausgezeichnet

Das Liebfrauenhaus hat sich seit 2010 auf den Weg der Schulentwicklung gemacht und setzt bereits wesentliche Eckpfeiler der von Rasfeld geforderten Inhalte und Strukturen um, berichtet Michael Richter. Wochenplanarbeit und selbstorganisiertes Lernen, die Arbeit in der Forscher-Lernwerkstatt sowie fest installierte Projekte im unterrichtlichen Bereich spielen eine große Rolle und machen auch die Inklusion von Kindern mit Handicaps möglich.

Die Schüler lernen in der Klassenzeit, in Schulversammlungen und einer aktiven SMV die demokratischen Grundstrukturen kennen. Das Liebfrauenhaus wurde seit 2019 jährlich als „Umweltschule in Europa“ ausgezeichnet. Nachhaltigkeit im Sinne von Wissen über Kreisläufe in der Natur, bewusstem Umgang mit Ressourcen und Achtung vor Natur und Lebewesen lernen die Schüler auch auf dem Schulbauernhof.

 

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