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Leadsänger im Interview
Emotionales Finale: Letzte Instanz beendet Bandgeschichte
Nach 28 Jahren verabschiedet sich Letzte Instanz von der Bühne.
Nach 28 Jahren verabschiedet sich Letzte Instanz von der Bühne. // Bernd Sonntag
Signet des Fränkischen Tags von Bernd Sonntag
Höchstadt – Die Rockband Letzte Instanz beendet nach 28 Jahren ihre Karriere. Die Abschiedskonzerte werden emotional. Sänger Holly Loose blickt im Interview zurück auf fast 30 Jahre im Musikgeschäft.

Wenn beim 18. Schlosshof Festival am Freitag, 22. August 2025, um 20.15 Uhr die Band „Letzte Instanz“ dann bereits zum siebten Mal auf der Bühne steht, werden sich viele Konzertbesucher mit gemischten Gefühlen dem Konzert entgegensehnen.  

Auf der einen Seite, weil jeder der bisherigen Auftritte in Höchstadt ein echtes Highlight war. Das wird sicher auch beim siebten Mal so sein. Auf der anderen Seite ist inzwischen bekannt, dass die Band sich nach 28 Jahren von den Livebühnen verabschieden wird.

Stimme der Band ist der am 22. März 1977 in Berlin geborene Sänger Holly Loose, der sich inzwischen auch als Autor und Sprecher von Hörbüchern wie „Die Chroniken von Narnia“ einen Namen gemacht hat. Und so wurde die Gelegenheit genutzt, ihm etwas auf den Zahn zu fühlen.

Letzte Instanz Sänger Holly Loose im FT-Interview: 

Die Nachricht, dass ihr euch trennt, hat in der sogenannten ‚Schwarzen Szene‘, also bei Fans von Gothic und Mittelaltermusik, für Bestürzung gesorgt. Man hatte nie das Gefühl, dass ihr euch nicht mehr versteht, und euer Fankreis ist ja auch noch immer sehr groß. Was sind denn dann die Gründe für eure Trennung?

Holly Loose: Ein Grund steht ganz klar im Vordergrund, nämlich dass die Zeit gekommen ist, sich auch deutlich mehr um die Familie zu kümmern. Also in erster Linie um die Eltern und die eigenen Kinder. Mittlerweile haben wir ja tatsächlich mehr Kinder als Bandmitglieder inklusive Crew.

Am Freitag, 22. August 2025, beim Schlosshof Festival und am Samstag, 13. September 2025, beim Festival-Mediaval wird es die letzten Gelegenheiten geben, euch in Franken live zu erleben. Zwei Festivals, bei denen ihr schon öfter aufgetreten seid und sehr viele schöne Erinnerungen mitnehmen konntet. Wie ist denn deine Gefühlslage vor den beiden Konzerten?

Je näher es dem Abschiedskonzert entgegengeht, umso emotionaler werden die Konzerte. Das wird beim Schlosshof und beim Mediaval nicht anders sein. Es werden Tränen fließen, aber trotzdem werden wir Spaß haben. Auch auf den letzten Metern lassen wir uns diesen Spaß nicht nehmen.

Seit fast 30 Jahren Frontmann von Letzte Instanz: Holly Loose
Seit fast 30 Jahren Frontmann von Letzte Instanz: Holly Loose // Bernd Sonntag

Neben dem ziemlich einzigartigen Musikstil der Band ‚Letzte Instanz‘, den ihr mit dem Begriff ‚Brachialromantik‘ gut umschrieben habt, wart ihr auch immer eine Band, die in der Öffentlichkeit ihre Meinung sehr offen vertreten hat. Damit macht man sich nicht nur Freunde; viele Bands trauen sich das heute nicht mehr. Hast du auch das Gefühl, dass es immer schwieriger geworden ist und die Anfeindungen und Hassbotschaften immer schlimmer geworden sind?

Ja, das Gefühl habe ich in der Tat. Es gibt keine Diskussionskultur mehr. Wir – jeder von uns im Übrigen – haben das Recht und die Pflicht zugleich, darauf hinzuweisen und darauf zu achten, dass der Respekt voreinander trotz Meinungsverschiedenheiten gewahrt bleibt. Das im Kopf zu behalten bzw. anzumahnen, wird in der Tat immer schwieriger.

Ihr wart immer eine Band, die sehr deutlich gegen Kriege Stellung bezogen hat. Und deine Generation hatte das Glück, in Europa bis zum Angriff Russlands auf die Ukraine von Kriegen verschont zu werden. Seitdem verändert sich aus meiner Sicht die Welt ziemlich ins Negative. Wie siehst du das?

Ich selbst habe natürlich am eigenen Leib keinen Krieg mitbekommen, dennoch habe ich ja bewusst die Kriege um Irak, Kuwait, Kosovo, Libanon, Syrien etc. erlebt. Aus meiner Sicht ist es nicht unbedingt mehr geworden. Nur der Informationsfluss ist intensiver und damit auch die Übermittlung von ‚Fake News‘. Krieg ist Mist, ja. Aber wie Carl von Clausewitz schon schrieb, ist ‚Krieg die bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln‘. Es geht ihm also immer etwas voraus.

Bevor du als Sänger für die ‚Letzte Instanz‘ entdeckt wurdest, warst du als Wirt in Berlin tätig und hattest eine Kneipe. Etwas, was du dir in Zukunft wieder vorstellen könntest?

Zehn Jahre Barkeeper waren eine tolle Zeit. Aber ich möchte nicht mehr Samstagnacht meine Zeit im Pub verbringen. Lieber habe ich schöne Wochenenden mit meiner Familie.

Seit fast 30 Jahren Frontmann von Letzte Instanz: Holly Loose
Seit fast 30 Jahren Frontmann von Letzte Instanz: Holly Loose // Bernd Sonntag

Du hast neben der ‚Letzten Instanz‘ auch deine Solokarriere nie aus den Augen verloren. Außerdem hast du inzwischen vier Bücher veröffentlicht, vom Roman bis zum Kinderbuch. Willst du deine Autorenkarriere intensiver weiter betreiben?

Ja, ich denke, damit werde ich wieder mehr Zeit verbringen. Manuskripte liegen seit Jahren in diversen Schubladen. Da muss ich jetzt ran. Es will langsam alles fertig geschrieben werden.

Du bist ja auch ein begeisterter Bahnfahrer und schilderst deine Erlebnisse auf Facebook. Wann gibt es denn das Ganze in Buchform?

Es gibt ja schon ganz viele Erlebnisbücher über Reisen mit der Deutschen Bahn. Aber ja, mal sehen, es sind schon genug Geschichten da, da könnte vielleicht ein Buch daraus werden.

Du bist ein sehr naturverbundener Mensch und hast eine besondere Beziehung zu Bienen. Du stellst sogar eigenen Honig her und Bienenwachskerzen. Wie kam es zum Imker Holly?

 Das war der Wunsch meiner Tochter. Aber wie das immer so ist: Töchter wünschen sich etwas und Papas müssen dann ran. Daraus ist ein Hobby geworden.

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