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Von Mozart bis Jazz
Junger Orgelvirtuose spielt in Adelsdorf ungewöhnliche Töne
Ludwig Orel zaubert an der Orgel in Adelsdorf.
Ludwig Orel zaubert an der Orgel in Adelsdorf. // Johanna Blum
Adelsdorf – Mit Improvisationstalent und virtuosem Fingergefühl begeistert Ludwig Orel an der Orgel in Adelsdorf. Der 23-Jährige entlockt dem Instrument ungewohnte Klänge. Was er von der erneuerten Orgel hält.

Von Bach bis Jazz: So betitelte der junge Orgelvirtuose Ludwig Orel (23) sein Konzert in der sehr gut besuchten Adelsdorfer Stephanskirche am vergangenen Sonntag. Im Namen des Pfarrgemeinderates begrüßte Thomas Röckelein die vielen Zuhörer und erklärte, er freue sich auf einen Konzertgenuss der Extraklasse. Auch „neue“ Musik war im Programm, das verriet Orel schon zu Beginn. „Als ich meinem Lehrer erzählte, dass ich die Toccata von Jean Guillou spiele, meinte dieser: ,Hoffentlich laufen die Leute nicht aus der Kirche.‘“

Ludwig Orel begeistert mit Mozart auf Orgel in Adelsdorf

Die Werke des Konzertes und ihre Abfolge hatte der Ausnahmekünstler ausgewählt, „weil sie mir besonders gut gefallen und ausgesprochen selten gespielt werden.“ Aber ein Konzert sollte natürlich auch einen dramaturgischen und logischen Aufbau haben. „Man kann nicht einfach mit dem langsamen Satz einer Triosonate das Konzert eröffnen − und auch nicht mit der doch sehr opulenten Toccata von Guillou“, erklärte er. Die einführende Improvisation zeigte sein enormes Improvisationstalent. Er tanzte gleichsam über die Tasten, man hörte eine wundervolle Melodie, alles wurde jazziger, und es ging wunderbar ins Ohr.

Orel zeigt Werke von Guillou in Adelsdorf

Wundervolle Klänge durchwehten das Gotteshaus. Auch die zweite Improvisation, eine facettenreiche Jazz-Improvisation mit rhythmisch perkussiven Teilen zeigte sein meisterhaftes Können. Angelehnt an die Melodie eines Hallelujas, das oft vor dem Evangelium gesungen wird, schöpfte Orel die Klangfarben der Orgel perfekt aus.

„Ich liebe es zu improvisieren. Improvisation erfordert Ideenreichtum und eine sehr große Übersicht und Fertigkeit über harmonische, stilistische und formale Besonderheiten der Musik, aus denen heraus sich dann ein eigener Stil entwickeln kann. Es ist eine Möglichkeit, mit Musik ganz individuell umzugehen. Es macht mir einfach Freude auszuprobieren, Neues zu entdecken, eigentlich seitdem ich an Tasteninstrumenten spiele.“ Die Toccata, ein frühes Werk des französischen Komponisten Guillou, ist eine seiner am häufigsten gespielten Kompositionen.

Adagio und Fuge von Mozart auf Orgel in Adelsdorf

Das stellenweise hochkomplexe Stück ist um drei Themen zentriert, deren individueller Charakter eine progressive Spannungserhöhung bewirkt. Der Komponist setzt darin auf die melodische Flexibilität und will dem Werk einen Charakter verleihen, der „zugleich tragisch und feurig“ ist. Das nach verschiedenen Ruhepunkten in immer wieder neuen Anläufen feurig-virtuose Werk bildet einen starken Kontrastpunkt zu gefälligeren Toccaten aus der Tradition der französischen Orgelromantik.

Die Frage, wie der Orgelvirtuose die restaurierte Strebel-Orgel findet, beantwortete er vor dem Konzert: „Auf den ersten Blick erscheint diese zweimanualige Orgel eher schlicht, doch durch die Ergänzung mit dem Auxiliare-Werk können etliche zusätzliche Klangbilder erreicht werden. Sie bietet viele Möglichkeiten, und diese versuche ich heute auf vielfältige Art und Weise zu integrieren − vor allem bei der Toccata von Guillou und den Improvisationen.“

Die Triosonate in e-Moll folgte als ruhiges Element, und hier verdeutlichen viele stilistische Details den Einfluss der italienischen Konzertform. Triosonaten zählen zu den schwersten Werken der Orgelliteratur. Ein gefälliges Stück, das gut ins Ohr ging. Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Adagio und Fuge für Streichquartett in einer Bearbeitung von Jean Guillou erklang zum Schluss ein prächtiges virtuoses Werk. „Mir ist auch immer der Schluss eines Konzertes wichtig“, erklärte Orel.

Konzert in St. Stephan in Adelsdorf: Besucher sind begeistert

„Die Bearbeitung für Orgel durch Gouillou von Mozarts Fuge für Streichquartett in c-Moll ist dafür absolut geeignet.“ Natürlich erwarteten die begeisterten Zuhörer eine Zugabe, und die war fast ein Rausschmeißer: Er improvisierte über eine Bearbeitung von Mozarts Klaviersonate „Alla turca“ von Fazil Say. Wolfgang Kießling, selbst Organist in der Stephanuskirche, schwärmte: „Einfach klasse, zwar ungewohnt, aber fantastisch, auch wenn es für Adelsdorfer Ohren vielleicht etwas ungewohnt ist.“

Sein Bruder Rudolf, ebenfalls Organist, erklärte: „Ich habe heute ungewohnte Töne von der Orgel gehört, obwohl ich jetzt schon 60 Jahre hier spiele. Es ist das siebte Konzert seit der Renovierung, und jeder Organist hat etwas anderes aus der Orgel rausgeholt. Aber Orel heute ist der modernste.“ Am Ende waren die Zuhörer zu einer Agape mit Glühwein, Bratwürsten und Punsch auf den Kirchenvorplatz eingeladen.

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