Die elfjährige Jugendpräsidentin der Seku-Narren, Melina Bock, die nicht nur die Prunksitzung der Buckenhofer Narren moderierte, sondern auch selbst ihre erste Bütt vortrug, versetzte das Publikum in Staunen und erhielt mit viel Applaus positiven Zuspruch. Der Auftritt war quasi eine Generalprobe für das Highlight der Fastnacht in Franken: Die Bütt „Ich wär' so gern a Tanzmarie“ ist Teil der legendären „Fastnacht in Franken – jung und närrisch“. Während Melina mit dem Vortrag die Hauptrolle übernahm, wurde sie von ihrer Freundin Ina Laske (12) und ihrem Bruder Noah Bock (9) unterstützt.
Melina kam zusammen mit ihrem Bruder Noah 2019/2020 zu den Seku-Narren, Ina tanzte schon seit 2018 in der Garde. „Melina wollte auch unbedingt zu den Seku-Narren, weil all ihre Freundinnen dort tanzen“, verrät Melinas Mutter, Caroline Bock. Melina und Noah wurden gleich als Kinder-Prinzenpaar inthronisiert und dankten in der Saison 2022/2023 ab. Danach übernahm Melina das Amt der Jugendpräsidentin, ihr Bruder wurde ihr Page. „Melina ist zeitweise auf den Rollstuhl angewiesen. Sie ist ein wahnsinnig fröhliches Mädchen mit einer unglaublichen Ausstrahlung“, erinnert sich Rüdiger Baumann vom Bayerischen Rundfunk an die erste Begegnung.
Melina Bock bei Fastnacht in Franken in der Bütt
Bei der TV-Jugendsitzung „Fastnacht in Franken – jung und närrisch“ in Veitshöchheim hatte Melina 2023 im Elferrat gesessen und den Jungs an ihrer Seite gezeigt, wie man ausgelassen Fastnacht feiert. Und sie hatte damit die Herzen der Verantwortlichen von BR-Redaktion und Fastnacht-Verband Franken im Sturm erobert. „Ich habe Melina darauf angesprochen, ob sie schon mal eine Bütt gehalten hat oder sich dies vorstellen könnte. So kam alles ins Rollen“, verriet Baumann weiter. Melina war Feuer und Flamme, und so schneiderte Baumann Melina und ihrer Freundin Ina, der von Geburt an die rechte Hand fehlte, die perfekte Inklusions-Bütt auf den Leib.
Unter dem Titel „Ich wär' so gern a Tanzmarie“ erzählte Melina die Geschichte einer selbstbewussten jungen Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und für ihre Träume kämpft. „Das Gardetraining ohne mich geht mir gewaltig gegen den Strich. Ich schau dahin, die sind gut drauf. Und eine fällt besonders auf. Die Ina hat fei bloß a Hand. Und trotzdem großes Tanztalent. Das glaubt ihr net, doch… das ist wahr. Die tanzt ganz einfach wunderbar“, trug Melina mit starker Stimme vor.
Bouldern: Melina Bock aus Buckenhof unternimmt viel mit Bruder Noah
Zum Beweis verzauberte Ina das Publikum mit einer Tanz-Kostprobe. Und Melina fuhr fort: „Inklusion als Feigenblatt. Die findet mit mir nicht mehr statt. Ich kann was, darauf bin ich stolz. Geschnitzt bin ich aus besondrem Holz. Ich häng mich rein, tu viel trainieren. Versagen? Das wird nicht passieren. Mein rechtes Bein ist nicht gesund, nur mit dem Linken geht's gleich rund. Ich werd's euch schon noch allen zeigen.“ Am Ende der Bütt stand die Elfjährige auf, tanzte ein wenig zur Musik und gingdann in den Spagat. Melina und Ina wurden von den beiden Trainerinnen der Juniorengarde, Annika Wallerer und Anna-Lena Czernohorsky, unterstützt.
Die beiden Mädchen lassen sich von ihrem Schicksal nicht herunterziehen. Sie sind fröhlich und aufgeweckt wie ihre gleichaltrigen Mitschülerinnen. „Melina ist sehr sportlich; sie liebt Monoski. Mit ihrem Bruder geht sie oft Bouldern und Klettern. Auch beim Rollstuhlsport in Erlangen ist sie aktiv dabei. Sie macht alles, was ihr Spaß macht, und lässt sich dabei von nichts aufhalten“, erzählt Caroline Bock stolz.
Bütt zu Inklusion am 11. Februar im Bayerischen Rundfunk
Dass das Trio so gut harmoniert, liegt sicher nicht zuletzt daran, dass sie in ihrer Freizeit auch viel zusammen unternehmen, manchmal sogar zu dritt zum Reiten gehen. „Wir haben zwei Nachmittage bei uns im Wohnzimmer geprobt, dann ging es ganz gut. Bei den Generalproben am Sonntag war ich dann doch ganz schön aufgeregt und habe immer etwas vergessen. Zum Glück hat bei der Aufnahme dann aber alles geklappt“, verrät Melina euphorisch. „Es war toll, dass ich die Bütt zusammen mit meiner Freundin Ina machen konnte. Das war richtig schön“, so die Gymnasiastin. Noah, der Melina zusammen mit Ina wieder aus dem Spagat hilft, ist mächtig stolz auf seine große Schwester.
Die Bütt wird bei „Fastnacht in Franken – jung und närrisch“ am Faschingssonntag, 11. Februar, ab 18.45 im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt. Der Fastnacht-Verband Franken hat seit 2021 bei seinen Vereinen einen Inklusions- und Integrationspreis ausgeschrieben. In den drei fränkischen Regierungsbezirken wird seither jedes Jahr jeweils ein Gewinnerverein ermittelt. Dieser Preis ist mit dreimal 333,33 Euro dotiert. Der Fastnachtverband Franken möchte damit die seit vielen Jahren bestehende Aktivität seiner Mitgliedsvereine in den Bereichen Inklusion und Integration unterstützen.
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