Den Elferrat des Röttenbacher Karnevalclubs „Die Besenbinder“ dürstet es nach der Macht. Der Macht über das Rathaus. So rottete man sich am Samstag zusammen, um selbige zu erlangen. Heuer jedoch leistete Bürgermeister Ludwig Wahl keinen Widerstand, sieht er sich doch offenbar zu Höherem berufen. „Wir sind hier, um die Vertrauensfrage zu stellen!“, ruft Michael Ank, Präsident der Besenbinder zum Fenster des Rathauses empor, bereit, es mit allen Mitteln zu entern.
„Ihr braucht das Rathaus nicht zu stürmen“, kontert Wahl, „wir erhalten hier praktisch täglich Anrufe aus Berlin. 16 Jahre hab ich euch gezeigt, wie man das Rathaus gut führt. Olaf hat nun schon mehrfach angefragt, ob ich mit dem Gemeinderat die Regierung übernehme. 2. Bürgermeister Harry Rotschka wird Vizekanzler und 3. Bürgermeister Hans Götz Amtschef im Kanzleramt.“ Sein Gemeinderat werde diverse Ministerien übernehmen. Die Frage an das Volk, ob sie ihn denn ziehen lassen würden, wird mit einem Chor beantwortet: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“.
Ohne Blutvergießen
Die Sache steht, der Schlüssel zum Rathaus, das fortan „Besenbinder Elferratshaus“ heißen wird, wechselt den Besitzer. „Ohne Blutvergießen“, wie Ank feststellt. Eine Riesenbitte der Besenbinder mit ernstem Hintergrund findet bei Wahl sofort Gehör. Die Lkw-Maut, die sie zu leisten haben, wenn sie mit ihrem Lkw zu den Auftritten in ganz Deutschland fahren, belaste den KCR sehr. Sie bitten Wahl, bei den entsprechenden Stellen um eine Befreiung zu ersuchen. Keine halbe Stunde später verkündet Wahl stolz, dass die Kosten für die Maut für 2025 von der Baufirma Kroner übernommen würden.
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Doch kein Rathaussturm ohne Wette. Heuer die wohl schokoladigste überhaupt, wetten die Besenbinder doch, dass Wahl es nicht schafft, das Gewicht aller drei Bürgermeister in Form von Schokoladennikoläusen von seinem Volk retour zu bekommen. Wetteinsatz der Besenbinder: Sollten sie verlieren, stellen sie sich einen Tag in den Dienst der Gemeinde Röttenbach. Sollte Wahl verlieren, wird er das wohl ansehnlichste Tanzmariechen der Saison und bei der Prunksitzung am 15. Februar sein Können unter Beweis stellen. Alle Hebel hat Wahl in Bewegung gesetzt, Aufrufe in der Zeitung, den sozialen Medien und gar im Radio gestartet, um an die Leckereien zu gelangen.
246 Kilo Lebendgewicht
Das zeigte Wirkung. Markus (14) ist mit seinen Schwestern Franziska und Julia (beide 12) gekommen. „Wir wollen, dass der Bürgermeister gewinnt“, sagt er. Das wollen auch Robert Aumer und Kerstin Hoffmann, die 28 Nikoläuse übergeben. „Wir wollen auch den gemeinnützigen Zweck unterstützen“, so Aumer. Die Wehren von Röttenbach und Baiersdorf schleppen gleich 30 kg Nikoläuse an. Schon werden die drei Bürgermeister nacheinander auf der Fischwaage gewogen.
Nach Abzug der Kleidung einigt man sich auf 246 kg Lebendgewicht. Wahl sieht zur Sammelstation hinüber. „Wieviel?“ „134 kg“, kommt es zurück. Die Besenbinder wähnen sich schon im Ziel. Doch dann zaubert Wahl ein Ass aus dem Ärmel, hat er doch bereits im Vorfeld unter anderem von Aldi, Norma, der Firmen Dausch und Kroner, der Laufer Mühle und dem Kaninchenzüchterverein Spenden erhalten.
Und tatsächlich: Insgesamt 256,16 kg Schokonikoläuse bringen Wahl den Sieg. Wie in den Jahren zuvor werden beide Seiten ihren Wetteinsatz einlösen. Die Leckereien selbst werden gemeinnützigen Zwecken zugeführt wie der Tafel, Kindergärten, Kinderkrankenhäusern und der Schule.












