Brauchtum
Kerwasbaum kam als Brennholz
Die Stimmung war gut am Freitag im Boläsdä-Häusla am Höchstadter Kellerberg.
Die Stimmung war gut am Freitag im Boläsdä-Häusla am Höchstadter Kellerberg.
Foto: privat
Nackendorf – Ein sonderbares Zusammentreffen gab es am Freitag auf dem Höchstadter Kellerberg. Gefeiert wurde dort die Eröffnung der Nackendorfer Kerwa.

Die Kirchweih der 1742 erbauten Nackendorfer Kapelle St. Laurentius wurde am Freitag auf dem Höchstadter Kellerberg eröffnet. Die Vorsitzenden des Nackendorfer Kapellenvereins stießen mit Vertretern Höchstadter Kellerbrüder und Warmersdorfer Kerwäsburschen mit hygienischen Bügelflaschen auf diese „Kerwa“ an.

Diese Kirchweih wurde bis zur Eröffnung von zwei Gaststätten 1951/52 in Nackendorf immer in einem Wirtshaus auf dem Höchstadter Kellerberg, der in alten Flurbezeichnungen allerdings „Nackendorfer Knock“ hieß, gefeiert. Nun gibt es in Nackendorf und auf dem Kellerberg überhaupt keine Wirtshäuser mehr.

Kellerbruder hatte Kirchweihbaum gekauft

Dieses sonderbare Zusammentreffen mit den Warmersdorfer Kerwäsburschen, den „Stangenloher Hasen“, entstand dem Umstand, dass im letzten Oktober 2020 am Warmersdorfer Kirchweih-Montag ein Höchstadter Kellerbruder den Warmersdorfer Kirchweihbaum aufgekauft hat. Freilich, der Kellerbruder hatte einige Seidla oberfränkisches Bier in der Warmersdorfer Gaststätte genossen, und er hatte Mitleid mit den Warmersdorfern – da die den seiner Meinung nach „scheußlichsten Baum des südlichen Steigerwaldes“ hatten.

In Bügelflaschen stoßen Vertreter des Nackendorfer Kapellenvereins, der Höchstadter Kellerbrüder und der Warmersdorfer Kerwäsburschen auf die Nackendorfer Kirchweih an.
In Bügelflaschen stoßen Vertreter des Nackendorfer Kapellenvereins, der Höchstadter Kellerbrüder und der Warmersdorfer Kerwäsburschen auf die Nackendorfer Kirchweih an.
Foto: privat

Die Übergabe des Warmersdorfer Kerwasbaums erfolgte nun in Form von Brennholz – fast ein Ster kam zusammen. Corona-bedingt hatte sich die Auslieferung bis zum Freitag verzögert – immerhin noch rechtzeitig zur nächsten Heizperiode.

Mit viel Musik

Wie es aber der Zufall will, hat sich auch noch die 1956 gegründete Blaskapelle aus Mönchherrnsdorf (Oberfranken) zu einem Probe-Abend im „Boläsdä-Häusla“ mit ihren Höchstadter Dirigenten verabredet. Da aber urlaubsbedingt ein Trompeter ausfiel, hat ein stellvertretender Landrat des Landkreises Erlangen-Höchstadt den Trompetenersatz und die Schirmherrschaft für diese Heimat-Abend übernommen.

Der ausgediente Kerwasbaum aus Warmersdorf kam in Form von Scheitholz nach Höchstadt.
Der ausgediente Kerwasbaum aus Warmersdorf kam in Form von Scheitholz nach Höchstadt.
Foto: privat

Ein gelungene Brauchtumspflege war dieses Zusammentreffen in einer kulturellen armseligen Zeit allemal.