Es ist 14.44 Uhr in Herzogenaurach, als Bundestrainer Julian Nagelsmann das Podium der Pressekonferenz betritt. Die Nationalmannschaft ist zurück am Home Ground – 59 Tage nach dem EM-Aus. Der Abschied damals war tränenreich.
Das wirkt noch immer nach, wenn der Bundestrainer seine Rückkehr beschreibt: „Es waren gemischte Gefühle. Einerseits schön, weil es eine schöne Zeit war. Anderseits war da ein bisschen Wehmut, weil wir nicht noch ein bisschen länger dagewesen sind.“ Mit dem Erreichen des EM-Endspiels hätte die DFB-Elf ihren Aufenthalt um eine Woche verlängert.
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Dass gegen Spanien im Viertelfinale Schluss war, hat Nagelsmann noch immer nicht ganz überwunden. „Wir waren in vielen Punkten unter den Top-Teams Europas. Aber am Ende war es nur das Viertelfinale. Wir haben den Anspruch, dass es in Zukunft mehr wird. Unser Antrieb ist es, uns stetig zu verbessern und die Spiele, die anstehen, zu gewinnen.“
Dabei stehen ihm und dem Team vier wichtige Säulen nicht mehr zur Verfügung: Ilkay Gündogan, Manuel Neuer, Thomas Müller und Toni Kroos verkündeten den Abschied aus der Nationalmannschaft. „Vier Spieler, die eine große Historie beim DFB haben“, sagte Nagelsmann. „Sie alle hatten während der EM sehr tragende Rollen. Man versucht, die besten Spieler zu haben, und ist sehr schade, wenn sehr gute Spieler gehen und du neue Positionen besetzen musst.“
Nagelsmann hält Spieler-Rückkehr offen
„Wenn wir sie brauchen, sie herausragende Leistungen abliefern und sie auch Lust haben, dann ist die Tür nie ganz zu.“ So wird gemunkelt, Manuel Neuer könnte zur WM 2026 doch noch einmal zurückkehren.
So lange gibt es aber die erwartete Lösung: Marc-André ter Stegen ist Deutschlands Mann im Tor. „Marc ist verdientermaßen die Nummer 1. Er hat über mehrere Jahre hinweg seine Leistung gebracht, ist auch in Barcelona Kapitän. Dahinter gibt es schon einen Konkurrenzkampf“, sagte Nagelsmann.
DFB in Herzogenaurach mit bewährtem Personal
Nagelsmann setzte bei der Nominierung seines im Vergleich zur EM um drei Mann kleineren Kaders auf altbewährtes Personal. Nur Antonio Rüdiger und Leroy Sané bekamen eine Pause. Neu im Trikot der A-Nationalmannschaft ist der Stuttgarter Angelo Stiller.
Den 23-Jährigen hatte Nagelsmann schon nach dem EM-Aus vor zwei Monaten als potentiellen Kroos-Nachfolger in den Ring geworfen. „Den Druck will ich ihm jetzt aber noch gar nicht geben, wenn er zum ersten Mal dabei ist. Wir haben auch noch zwei andere Kandidaten.“ Der Neu-Dortmunder Pascal Groß gilt dabei als eine wahrscheinliche Option.
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Wenig Überraschung bot die Verkündung des Gündogan-Nachfolgers. Kapitän des Teams wird Joshua Kimmich sein. Der 29-Jährige war schon während der EM Stellvertreter von Gündogan. Daher sei die Nachfolge für ihn nur logisch, sagte Nagelsmann. „Er ist aber auch in der Art und Weise, wie er seinen Job als Profifußballer ausführt, ein Vorbild. Er gibt immer Vollgas, will immer trainieren. Er ist einer, der nie müde ist, der immer gewinnen will und mit seiner Mentalität vorangeht.“ Und weiter: „Noch dazu ist er ein lustiger Zeitgenosse, der auch neben dem Platz immer ein bisschen Klamauk im Kopf hat. Er vergisst neben seinem großen Ehrgeiz das nötige Kindsein nicht. Diese Mischung macht es aus.“ Ihn vertreten werden Kai Havertz und Antonio Rüdiger.
Kimmich wird zudem seine DFB-Position in der Verteidigung beibehalten – anders als beim FC Bayern, wo er ins Mittelfeld zurückgekehrt war. „Wie auch bei allen anderen Spielern lege ich nie eine Position fest. Aber nach der aktuellen Planung bleibt er hinten rechts“, sagte Nagelsmann.
Nagelsmann spricht über DFB-Schwachstellen
Einzig überraschend war, wie deutlich Nagelsmann die Schwachstellen seiner Mannschaft ansprach, an denen es jetzt in Herzogenaurach zu arbeiten gilt. „Wir werden diesen Lehrgang nicht Neues machen, sondern versuchen, Dinge, die wir bei der EM gemacht haben, zu festigen“, sagte Nagelsmann.
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Aber: „Wir haben eine große Baustelle. Das ist unser Umschalten nach Ballgewinn. Wir hatten zu wenige Situationen, wo wir den Ball gewinnen und einfach schnell und geradlinig zum Tor kommen.“ Ein Schlüssel, den Nagelsmann verbessern möchte. Und das Thema Standardsituationen steht auf dem Trainingsplan. „Bei der EM hatten wir dadurch acht Großchancen. Acht freie Kopfbälle, ohne Gegnereinfluss. Daraus haben wir kein einziges Tor erzielt. An der Verwertung solcher Chancen müssen wir arbeiten.“
Am Samstag (20.45 Uhr) trifft Deutschland in Düsseldorf auf Ungarn. Am Dienstag geht es um 20.45 Uhr in Amsterdam gegen die Niederlande. Alles mit dem Fokus auf die anstehende Weltmeisterschaft 2026. „Die Nations League hat keinen Rieseneffekt auf die WM-Quali. Aber sie hat schon einen Effekt auf das Entwickeln eines Selbstverständnisses“, sagte Nagelsmann in Herzogenaurach und verwies auf Europameister Spanien. Die Iberer hatten zuvor die Nations League gewonnen.
So lief die Ankunft der Spieler am Home Ground:














