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DFB gegen Finnland
Lennart Karl entzückt Fans – Nene Brown greift David Raum an
Der Frammersbacher Lennart Karl hat beim deutschen Testspiel gegen Finnland ordentlich Eigenwerbung betrieben und den positiven Eindruck bei Bundestrainer Julian Nagelsmann bestätigt.
Der Frammersbacher Lennart Karl hat beim deutschen Testspiel gegen Finnland ordentlich Eigenwerbung betrieben und den positiven Eindruck bei Bundestrainer Julian Nagelsmann bestätigt. // Federico Gambarini/dpa
Herzogenaurach/Mainz – Deutschlands-WM-Test gegen Finnland ist gelungen. Auch, weil zwei Franken mächtig Eigenwerbung betrieben haben. Klar wurde auch: David Raum muss sich Sorgen um seinen WM-Startplatz machen.
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Die Deutsche Fußballnationalmannschaft um Bundestrainer Julian Nagelsmann hat ihr letztes Testspiel auf deutschem Boden vor der anstehenden Weltmeisterschaft gewonnen. Mit 4:0 besiegte das Team um Kapitän Joshua Kimmich am Sonntagabend Finnland. Zwei Spieler stachen besonders heraus – und beide sind Franken.

Dass der Frammersbacher (Landkreis Main-Spessart) Lennart Karl auf dem rechten Flügel starten würde, hatte Nagelsmann schon tags zuvor in Herzogenaurach verkündet. Und sofort fiel Karl auf. Er sorgte mit seiner wirbeligen Art für Frische auf den Außen, zog auch gerne in die Mitte. Dort sorgte er im Zusammenspiel mit Florian Wirtz für Aufsehen (2.), arbeitete mit seiner Schnelligkeit nach hinten ordentlich mit und bewies, dass er Grätschen sauber setzen kann (11.).

Auch Grätschen kann Lennart Karl.
Auch Grätschen kann Lennart Karl. // Federico Gambarini/dpa

Rotation und Kreativität: Lennart Karl fällt auf

Dadurch, dass es der Bundestrainer liebt, seine vier Offensivleute rotieren zu lassen (innerhalb weniger Minuten spielte Florian Wirtz mal auf links, dann auf rechts, Musiala zog von der Mitte auf die Außen) kam Karl auch mal zentraler zum Einsatz. Gegen den Ball lief er die gegnerische Einheit an der Seite von Deniz Undav an.

Auch der frühere Nürnberger Nathaniel Brown hat sich um einen WM-Starelf-Platz als linker Verteidiger beworben.
Auch der frühere Nürnberger Nathaniel Brown hat sich um einen WM-Starelf-Platz als linker Verteidiger beworben. // Tom Weller (dpa)

Beim ersten Tor der deutschen Mannschaft (33.) bekam Karl offiziell keinen Assist zugesprochen. Doch der Treffer fiel nur deshalb, weil Karl blitzschnell reagierte und den Eckstoß zügig ausführte und Kimmich in den Fuß spielte, der den Kopf von Undav fand.

Bei Eckstößen sicherte den kleingewachsene Karl im Rückraum ab – und das neben dem nächsten (Ex-)Franken, Nathaniel Brown. Der frühere Nürnberger bekam auf der linken Verteidigerposition den Vortritt gegenüber dem gebürtigen Nürnberger David Raum. Wie schon gegen Ghana änderte sich dadurch das Spiel der deutschen Mannschaft erheblich. Während Raum als klassischer Schienenspieler die Außenbahn von vorne bis hinten beackert und gerne flankt, zog es Brown immer wieder ab Höhe der Mittellinie nach innen. So war Florian Wirtz besser in Szene gesetzt worden.

Nathaniel Brown schiebt das deutsche Spiel an

Eine Hereingabe für Deniz Undav machte Brown beinahe zum Vorlagengeber (8.). Auch wenn er unter der Woche im Gespräch noch meinte „so oft flanke ich gar nicht“, so war er doch der einzige deutsche Spieler, der schon nach rund einer Viertelstunde dreimal auf diese Weise für Torgefahr gesorgt hatte.

Lennart Karl wirkt mit seiner Art manchmal wie ein Junge auf dem Bolzplatz, was aber keineswegs despektierlich gemeint sein soll. Vielmehr ist es genau das, was ihn auszeichnet und woraus er seine Stärken kreiert. Karl geht jedem Ball hinter. Lässt der Gegner die Kugel vor einem Eckstoß liegen, holt sich Karl den Ball. Er will sofort weitermachen, er will einfach nur Fußballspielen.

Und das macht er auf eine kreative wie freche Art und Weise. Denn nie kann sich der Gegner sicher sein: Flankt er? Geht er links oder rechts vorbei? Oder werde ich gleich schon wieder getunnelt? Lennart Karl ist wendig, wuselt umher und strahlt dabei trotzdem eine dem deutschen Spiel hervorragend stehende Zielstrebigkeit aus.

Zu Beginn von Durchgang 2 stand Finnland höher und versuchte, die DFB-Elf hinten reinzudrücken. Es war aus deutscher Sicht Geschwindigkeit gefragt, um die generischen Ketten zu überwinden. Und die kam über die Flügel. Links von Brown (Saison-Topspeed von 35,8 km/h) und rechts über Karl. Erst traf der Frammersbacher selbst nur den Außenpfosten (55.), um zwei Minuten später aus dem Sprint heraus Undav brillant zu bedienen, der zum 3:0 für die Deutschen traf (57.). Karl verzückte die Fans – und musste erst in Minute 73 für Leroy Sané das Feld räumen.

Zwei Franken stellen Ansprüche auf die WM-Startelf

Die Nationalmannschaft hatte bis dato das Spiel wieder weitgehend übernommen. Vor allem Brown war in der Defensive wieder weniger gefragt. Offensiv hatte er auch dann „Einfluss“, wenn er nicht selbst am Ball war. So auch vor dem 4:0 (63.). Musiala nahm den Ball auf Höhe des Sechzehners an. Er hätte ihn den gut positionierten Brown auf links in den Lauf weiterleiten können. Das zog wiederum einen finnischen Verteidiger zu Brown und somit aus der Schussbahn. Musiala traf fast ungehindert.

Brown und Karl - beide haben überzeugt. Und beide dürfen sich Hoffnung auf WM-Startplätze machen. Brown hat sich Ansprüche erspielt, David Raum die unangefochtene linke Defensiv-Seite streitig zu machen. Und Lennart Karl dürfte Leroy Sané das Stammplatz-Ticket wohl weggeschnappt haben.

Es ließe sich nun argumentieren: Die Partie war lediglich ein Test gegen ein Land, das bei der WM nicht dabei ist  - und das auch noch viele Tage vor dem Turnier. Nagelsmann betonte aber in Herzogenaurach, dass die Elf von Mainz zu großen Teilen schon der Idee seiner WM-Stammelf entspräche.

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