Alle vier Jahre treten die 20 besten Teams der Welt gegeneinander an. Das löst bei Rugby-Fans Begeisterung aus – auch beim TV 48 Erlangen. Weil das Ereignis in Frankreich stattfand, waren die Wege kurz.
Einer der Erlanger, der vor Ort war, ist Sergio Nelegatti. Er war beruflich in Frankreich und hat dort in vielen Städten Spiele besucht. „Das Fieber der Rugby-WM ist großartig“, sagt er. „Die Atmosphäre ist etwas anderes als bei anderen Sportarten. Du sitzt mit den Fans des anderen Teams zusammen und singst gemeinsam, schwenkst die Fahnen.“ Alles freundschaftlich, alles gemeinsam.
Zwischen Bier und Bekannten
„Das war bereits meine vierte WM. Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Nelegatti. Getroffen hat er auch alte Rugby-Bekannte – oder eben ganz aktuelle. Beispielsweise Philipp Söder, einen Mitspieler vom TV 48 bei einem Spiel in Paris. „Ich habe ihn erst dort getroffen. Wir wussten nichts voneinander. Das war überraschend“, sagt Nelegatti.
Auch Söder war ordentlich überrascht, als er den Teamkollegen im Pariser Stadion entdeckte. „Ich bin Bierholen gegangen und dann habe ich ihn in der Schlange gesehen“, sagt er und lacht. 80.000 Leute bei einem Spiel hunderte Kilometer von zuhause weg – und ausgerechnet einen Mitspieler trifft er. Noch heute schwärmt Söder von der WM vor Ort.
„In Frankreich ist das viel größer als in Deutschland. Überall schauen dich die Rugby-Spieler von den Plakaten an“, berichtet er. Nicht nur das: Auch er lobt die Atmosphäre. „Es spielen zwei Nationen – keine davon ist Frankreich. Und trotzdem wird die französische Nationalhymne immer wieder angestimmt. Das ist einzigartig“, sagt er. „Du sitzt in den Kurven zusammen. Das war ein schönes Miteinander.“
Start in Franken
Los ging die WM für ein paar Franken schon viel früher, denn Vizeweltmeister Neuseeland – die berühmten All Blacks – absolvierte seine Vorbereitung in Herzogenaurach. Dort gab es für Adidas-Mitarbeiter die Möglichkeit, bei einer Trainingssession zuzusehen. Einer von ihnen ist Bastian Wölfel, Spieler und Coach des Rugby-Teams des TV 48 Erlangen. „Das war ziemlich interessant, weil sie kurz vorher gegen Südafrika auf die Mütze bekommen haben. Die mussten sich einerseits erholen, andererseits für die WM hochfahren“, erzählt er.
Danach gab es die Möglichkeit, mit den Spielern Fotos zu machen. Coach Bastian Wölfel machte es etwas anders: Als sich viele auf die Spieler stürzten, unterhielt er sich mit Trainer Ian Foster. „Das hat mir persönlich mehr gebracht“, sagt Wölfel. „Mir ging es darum, wie seine Philosophie vom Coachen ist. Er sagte, das Wichtigste ist, dass man den Leuten immer etwas Neues beibringt, damit sie sich entwickeln und Spaß haben.“
Knapp eine Woche waren die Neuseeländer vor Ort. Bastian Wölfel hat sie aber noch häufiger im Training gesehen. Von seinem Arbeitsplatz bei Adidas aus hatte er beste Sicht auf die Einheiten der Mannschaft. „Da konnte ich mir Einiges abschauen“, sagt er. „Das ist Weltniveau. Die Ausführung, die Geschwindigkeit, ihre Qualität – das ist was ganz anderes.“
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In einer Nische steckt das Rugby in Deutschland. Die Nationalmannschaft zählt nicht zu den Top-Teams der Welt. Bei der WM war sie nicht vertreten. „Rugby ist in Deutschland eine Randsportart“, sagt Wölfel. Anders weltweit: Je nach Kategorie – ob Zuschauerzahlen vor Ort oder an TV-Geräten – ist die Rugby-WM unter den Top Ten der Sportereignisse.
Auch Wölfel ist nach Frankreich gefahren und schwärmt von der Atmosphäre vor Ort, dem Miteinander, der guten Laune. „Jeder Stadionbesuch dort ist ein Riesen-Fest“, sagt er und erzählt von familiären Szenen zwischen Fans gegnerischer Mannschaften, Marschkapellen, die umherliefen. „Meist geht man mit den Leuten, die man trifft, danach noch einen trinken.“ Getroffen hat er viele, die er durch die Sportart kennt – oder die sich für Rugby begeistern. So zum Beispiel Sam, seinen ehemaligen Mitbewohner.
Was bleibt von der Rugby-WM?
Am Samstagabend stieg das große Finale: Neuseeland gegen Südafrika – mit besserem Ausgang für Letztere. Auch die Spieler des TV 48 Erlangen haben das Spiel verfolgt – beim Public Viewing in einer Bar. „Ich fand das sehr spannend. Es ging ordentlich zur Sache. Es war vielleicht nicht das spannendste Spiel der WM“, sagt Julian Kißkalt, einer der Spieler. Spaß hatten sie trotzdem.
Den einen oder anderen Neuling, der durch die WM auf die Sportart aufmerksam geworden ist, hatten sie auch schon beim Training. Ob das nachhaltig ist, wird sich zeigen. „Ich nehme jedenfalls Motivation mit“, sagt Kißkalt. „Man sieht, dass das ein geiler Sport ist.“
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