Vor 30 Jahren
Als die US-Army aus Herzogenaurach abgezogen ist
Am 31. Juli 1992 wurde das 117 Hektar große Areal mit einer militärischen Zeremonie endgültig an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben.
Am 31. Juli 1992 wurde das 117 Hektar große Areal mit einer militärischen Zeremonie endgültig an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben.
Foto: Stadtarchiv
Herzogenaurach – Das Ende der Militärpräsenz vor 30 Jahren brachte eine Jahrhundertchance für Herzogenaurach.

Vor 30 Jahren wurde auf der Herzo Artillery Base in einer feierlichen Zeremonie die US-Flagge eingeholt. Nach fast einem halben Jahrhundert endete zum 31. Juli 1992 die Präsenz der US-Armee in der Aurachstadt.

Im Rahmen einer Feierstunde verabschiedete sich die Stadt von ihrer amerikanischen Garnison. Oberstleutnant John C. Odell, letzter Standortkommandant der Herzo Base, und Oberst Bathmus, stellvertretender Stabschef des VII. Armeekorps, äußerten ihren Dank dafür, dass die Kontakte zwischen Soldaten und Einheimischen – sowohl auf offizieller, als auch auf zwischenmenschlicher Ebene – am Standort Herzogenaurach über die Jahre hinweg so gut gewesen wären, wie an kaum einem anderen Standort in Deutschland.

Im Rahmen einer Feierstunde verabschiedete sich die Stadt am 2. April 1992 von der US-Army. Geladen waren Standortkommandeur Oberstleutnant Odell und Oberst Barthmuth, stellvertretender Stabschef des VII. US-Corps aus Stuttgart. In der Mitte steht...
Im Rahmen einer Feierstunde verabschiedete sich die Stadt am 2. April 1992 von der US-Army. Geladen waren Standortkommandeur Oberstleutnant Odell und Oberst Barthmuth, stellvertretender Stabschef des VII. US-Corps aus Stuttgart. In der Mitte steht der Herzogenauracher Bürgermeister Hans Lang und rechts Zweiter Bürgermeister Rudolf Welker.
Foto: Stadtarchiv

Im Sitzungssaal des Rathauses betonte auch Bürgermeister Hans Lang, man habe sich immer um gute Nachbarschaft bemüht, und er ließ die Stationen der deutsch-amerikanischen Beziehungen Revue passieren.

Wichtigste Abhörstation in Europa

Nach der Übernahme im April 1945 hatten die US-Militärs den ehemaligen Fliegerhorst zur wichtigsten Abhörstation der amerikanischen Bodentruppen in Europa ausgebaut. Die Aufklärungsspezialisten der US Army Security Agency überwachten vom Hochplateau aus mit einem Wald aus 160 Gittermasten und Funkantennen die Länder des Ostblocks. Doch so betont unauffällig wie sie den Dienst seit ihrem Einzug versehen hatten, verabschiedete sich die Elite-Einheit des militärischen Geheimdienstes zu Beginn der 1970er Jahre aus Herzogenaurach. Sie wurde nach Augsburg verlegt und machte Platz für Artillerieeinheiten, die dem Standort eine ganz neue militärische Brisanz gaben.

Die Luftaufnahme zeigt die Herzo Artillery Base zu Beginn der 1990er Jahre.
Die Luftaufnahme zeigt die Herzo Artillery Base zu Beginn der 1990er Jahre.
Foto: Stadtarchiv

Neben schweren Panzerhaubitzen gehörten zur Ausrüstung der Artillerietruppen auch Kurzstreckenraketen, beides Trägersysteme für den Abschuss von sogenannten Mini Nukes, taktischen Atomwaffen. Im Ernstfall sollten die Artillerieeinheiten im Rahmen der NATO -Doktrin „Flexible Response“ eingesetzt werden, um den anrückenden Gegner möglichst kurz hinter der tschechischen Grenze aufzuhalten und „nicht erst am Rhein“. Unterschwellig präsent war in Herzogenaurach seither die Sorge, zum Schlachtfeld eines konventionellen oder mit taktischen Atomwaffen geführten Konfliktes zu werden, doch erst die Friedensbewegung trug das Thema seit Beginn der 1980er Jahre in die Öffentlichkeit.

Im Jahr 1990 erreichte die Zahl der Amerikaner in Herzogenaurach einen letzten Höchststand. Auf der Herzo Base waren 1230 Artilleriesoldaten und -soldatinnen stationiert, daneben lebten 970 Familienangehörige in der Aurachstadt. Entspannungspolitik und Abrüstungsinitiativen prägten zu Beginn des Jahrzehnts den Kurs der Großmächte in Mitteleuropa, doch Herzogenaurach befand sich zunächst nicht auf der von Verteidigungsminister Richard Cheney veröffentlichten Liste der deutschen Standorte, die im Rahmen einer ersten Truppenreduzierung geräumt werden sollten.

Während in Herzogenaurach weiterhin über einen möglichen Abzug der Artillerieeinheiten spekuliert wurde, kam für die Soldaten des VII. US-Korps im Dezember 1990 der Marschbefehl in den Nahen Osten, wo sich ein zweiter Golfkrieg ankündigte. Zu den Bodentruppen der „Operation Wüstenschild“ gehörten auch Soldaten der 5. und 17. Feldartillerie von der Herzo Base.

Die Nachricht kam im Februar 1992

Kurz nach ihrer Rückkehr aus der Golfregion verkündete das Pentagon im August 1991 zunächst die geplante Reduzierung der Herzogenauracher Garnison auf rund die Hälfte. Die ersten Truppen wurden im Dezember verabschiedet, doch das Ende der Militärstation kam schneller als erwartet. Anfang Februar 1992 kam die Nachricht, dass das VII. US-Korps zurück in die USA verlegt und dort außer Dienst gestellt werden sollte. Die Garnison Herzo Base würde vollständig aufgeben.

Kasernen und Siedlung leerten sich

Das große Packen hatte begonnen, vom Spaten bis zur Haubitze wurde das gesamte Inventar in Container verladen und per Schiff in die Staaten gebracht. Die Kasernen und Wohnsiedlungen leerten sich Zug um Zug. Im Februar 1992 verließ der Großteil der 210. Feldartillerie-Brigade nach exakt 20 Jahren die Aurachstadt. Als letzter Verwalter der Kasernengebäude und Einrichtungen fungierte bis Ende Juli der Zivilangestellte Barry Robinson, der sich dort „etwas einsam fühlte“. Das Ende einer Ära: Mit dem Abzug der Soldaten war ein Schlussstrich gezogen unter die amerikanische Militärpräsenz in der Aurachstadt.

Heute ist dort ein neuer Stadtteil

Für die Stadt eröffnete sich nach der Rückgabe des 117 Hektar großen Geländes an das Bundesvermögensamt und mit dem Kauf der Liegenschaft durch die GEV Grundstücksgesellschaft eine Jahrhundertchance. Im „Sportquartier“ im Norden Herzogenaurachs sind heute die internationalen Firmenzentralen der Sportartikelfirmen Adidas und Puma angesiedelt. Und was bei einer Info-Veranstaltung vor zwanzig Jahren noch wie Zukunftsmusik klang, ist längst Realität: In einem der größten geschlossenen Neubaugebiete Deutschlands entwickelt sich ein komplett neuer Stadtteil.

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