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Stadt erschwert das Schwimmen
Zu gefährlich? Dilemma um Sandstrand am Baiersdorfer Badesee
An dieser Stelle am Weiher in Baiersdorf befand sich einst ein Sandstrand, der jedoch zurückgebaut wurde.
An dieser Stelle am Weiher in Baiersdorf befand sich einst ein Sandstrand, der jedoch zurückgebaut wurde. // Udo Güldner
Baiersdorf – Der beliebte Sandstrand am See in Baiersdorf wird von vielen Schwimmern schmerzlich vermisst. Nun könnte ein neuer Antrag Bewegung in die Sache bringen – doch es gibt gewichtige Gegenargumente.

Fast drei Jahre ist es her. Da schaffte die städtische Verwaltung Tatsachen: Ohne den Stadtrat zu informieren, wurden umfangreiche Maßnahmen am Baiersdorfer Weiher umgesetzt. Ziel war es, die Attraktivität des im Volksmund sogenannten Baggersees zu verringern, damit nicht mehr so viele Badegäste kommen. Im Rathaus hatte man nämlich Angst, dass etwas passieren könnte und man dann haften müsste – weil man das Baden zugelassen und die Verkehrssicherungspflichten vernachlässigt hat.

Denn eigentlich sind der größere Ausee und der südlich gelegene kleinere Angersee nur zum Spazieren, Verweilen und Erholen außerhalb des Wassers gedacht. Höchstens noch zum Angeln durch den Fischereiverein Baiersdorf. Oder zum Nacktsonnen im FKK-Bereich am westlichen Ufer. Nicht aber zum Schwimmen, Plantschen oder Tauchen. 

Baggersee Baiersdorf: Kommt der beliebte Sandstrand zurück?

Neben Anpflanzungen und Beschilderungen sorgte damals vor allem eine bauliche Veränderung im südlichen Uferbereich für Unmut: Der einst so beliebte Sandstrand, der im Laufe der Jahre ohne Zutun der Kommune entstanden ist, wurde zurückgebaut. Statt eines barrierefreien Zugangs, der es auch Kindern sowie älteren und gehbehinderten Menschen ermöglichte, ohne Sturzgefahr ins kühle Nass zu gelangen, erwartet die Besucher nun eine schroffe, felsige Kante. Den Ärger über die Vergrämung bekamen die Stadträte zu hören.

Nun haben die Fraktionen  der Freien Wähler und der Jungen Liste in der letzten Stadtratssitzung eine Grundsatzdiskussion angestoßen: mit dem Antrag, den Sandstrand zumindest als flachen Zugang wiederherzustellen, indem man die absichtlich eingebrachten Steine entfernt.

Volleyballfeld und Grillstellen in Baiersdorf

Inzwischen habe man doch die Attraktivität des Geländes Jahr für Jahr gesteigert. Etwa durch einen großen Sandkasten für Kinder, ein Volleyballfeld für Jugendliche und Grillstellen für Erwachsene, argumentierten die Stadträte Jürgen Maiß und Philipp Glaser. Ob man da nicht auch den Sandstrand wiederherstellen könne. Das Dilemma der Entscheidungsträger ist, dass man das Baden nicht verbieten, es aber auch nicht erlauben will, weil die Umwidmung in ein Badegewässer mit erheblichen Kosten verbunden wäre.

Etwa  für die Erstellung eines gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitskonzeptes wie am benachbarten Dechsendorfer Weiher und für dessen punktgenaue Umsetzung. Dann bräuchte man zu den „Öffnungszeiten“ geschultes Aufsichtspersonal und Rettungsschwimmer, etwa von  der Wasserwacht oder der DLRG.

Man müsste aber auch ständig die Wasserqualität überprüfen, um Badegäste vor gefährlichen Blaualgen zu warnen. Die andere Möglichkeit wäre, das gesamte Gelände wie in Marloffstein zum Naturschutzgebiet zu erklären und das Baden  komplett zu verbieten.

Baden in Baggersee: Stadt Baiersdorf droht Prozess im Schadensfall

Denn wenn die Stadt Baiersdorf das Baden erlaube oder durch bauliche Maßnahmen ermögliche, drohen im Schadensfall straf- und zivilrechtliche Verfahren gegen die Verantwortlichen. In erster Linie gegen den Ersten Bürgermeister und seine Verwaltung, aber auch, darauf wies Stadtrat Thomas Voit hin, für jeden einzelnen Stadtrat, der solchen Maßnahmen zugestimmt habe. Voit schilderte einen Gerichtsprozess gegen den Bürgermeister der nordhessischen Kleinstadt Neukirchen.

Dort waren vor zehn Jahren in einem seit Generationen als Badestelle genutzten Löschteich drei kleine Kinder ertrunken. Das Amtsgericht Schwalmstadt und das Landgericht Marburg gaben daran dem Stadtoberhaupt eine Mitschuld, weil bauliche Veränderungen am Ufer den Ausstieg erschwert hatten. Sieben Jahre dauerte es, bis die beiden Schuldsprüche wegen fahrlässiger Tötung gegen den Kommunalpolitiker durch das Oberlandesgericht Frankfurt am Main aufgehoben wurden. Der Bürgermeister wurde letztlich freigesprochen.

Müll wird zum Problem am Baggersee in Baiersdorf

Von einer Zivilklage wegen Schmerzensgeld oder Schadenersatz gar nicht zu reden. Wie von Verwaltungschef Klaus Hutzler zu erfahren war, ist der städtische Bauhof in den zurückliegenden Jahren nicht untätig geblieben. Am Baggersee habe man ständig zu tun, um ihn nicht zum Badesee werden zu lassen. Das betreffe nicht nur Mäharbeiten oder Mülleinsammeln.

Man müsse immer wieder künstlich hergestellte Zugänge zum Baggersee entfernen. Oder an den Bäumen angebrachte Lianen abschneiden, an denen sich Jugendliche hineinschwingen. Eine echte Sisyphus-Aufgabe. Zumal es wegen des durch die Bayerische Verfassung garantierten Zugangs zur freien Natur zu Erholungszwecken nicht möglich sei, einfach einen Zaun um den Baiersdorfer Weiher zu ziehen.

Antrag für Sandstrand in Baiersdorf vertagt

Am Ende der äußerst sachlichen Diskussion  war man sich einig. Die Verwaltung soll prüfen, welche Verkehrssicherungspflichten man erfüllen müsse, wenn man den barrierefreien Zugang wiederherstelle. Danach erst will man über den Antrag entscheiden.

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