Noch stehen sie, die beiden Mehrfamilienhäuser in der Merzbacher Straße 6 und 8. Wenn es nach den Plänen des Stadtrates Baiersdorf geht, sollen sie und sämtliche Nebengebäude bereits im Oktober abgerissen werden. Die Siedlungshäuser aus den 1960er-Jahren machen dann dem heiß ersehnten Neubau der Mittagsbetreuung Platz. Das Gebäude steht strategisch günstig unweit der Grundschule, die Kleinen müssen nur die Fahrbahn überqueren.
Baiersdorf baut neue Mittagsbetreuung: Das sind die Pläne
Die eigentlichen Baumaßnahmen sollen im März 2027 beginnen und bis Ende 2028 abgeschlossen sein. So sieht es die Präsentation bei der jüngsten Stadtratssitzung vor. Wobei Ralph Kroder, seit nunmehr 19 Jahren Architekt beim Städtischen Kommunalunternehmen Baiersdorf, einen zeitlichen Puffer eingeplant hat. Damit man auch bei unvorhergesehenen Schwierigkeiten bis zum Schuljahresbeginn 2029/30 fertig ist. Denn daran hängen die staatlichen Fördergelder, die von der Regierung von Mittelfranken kommen.
In Absprache mit den Mitarbeitern der bisherigen Mittagsbetreuung hat Kroder ein Raumkonzept erstellt. Es sieht Kapazitäten für 280 Kinder vor. Das sind rund 80 Prozent der prognostizierten 331 Schüler. Für sie gibt es große, helle Räume mit drei Metern Höhe. Im Erdgeschoss befindet sich die 150 Quadratmeter große Mensa mit angeschlossener Ausgabeküche.
Mittagsbetreuung Baiersdorf: Mensa als Mehrzweckhalle
Die Mahlzeiten sollen über einen Dienstleister angeliefert werden. In der Küche könne man aber auch mit den Kleinen Kuchen backen. Die Mensa selbst könne als Mehrzweckraum für Veranstaltungen genutzt werden – damit sie nicht die meiste Zeit leer steht. Hinzu kämen die Verwaltung mitsamt Personalraum, ein Sanitätsraum und eine Dusche – für alle Fälle. Wie in den anderen Stockwerken auch, sind Sanitäranlagen sowie ein Lager- und Technikraum angedacht.
In den beiden Obergeschossen sind jeweils sieben Gruppen- und Hausaufgabenräume untergebracht. So groß, dass 24 Kinder darin Platz finden. Neben dem zentralen Treppenhaus mit barrierefreiem Aufzug wird das Gebäude durch eine Außentreppe erschlossen: der gesetzlich vorgeschriebene zweite Fluchtweg. Die meisten Nachfragen kamen in Sachen Hitzeschutz und Kühlung – auch angesichts immer heißer werdender Sommer. Weil die Fassade über viele Fenster verfügt, sollen als Verschattung davor Raffstores angebracht werden.
Lösung für Legionellen-Problem in Baiersdorf
Im Inneren soll es keine aktive Kühlung mit Hilfe einer Klimaanlage geben, sondern nur eine passive über die Fußbodenheizung, mit der man die Raumtemperatur um bis zu drei Grad senken könne. Außerdem plant Architekt Kroder mit einer Nachtauskühlung über die Lüftungsanlage. Das führte zu Diskussionen, weil auch die Nächte immer wärmer würden. Wie Kroder erläuterte, habe er dieses Konzept auch beim Neubau der Kindertagesstätte Igelsdorf angewandt. In den bislang fünf Jahren der Nutzung habe es keinerlei Beschwerden gegeben.
Ein anderer Punkt waren die Investitions- und die Reinigungskosten für die Glasfront und das lichtdurchflutete Treppenhaus. Das sei den Vorgaben der Zuschussgeber geschuldet, die eine spielerische und keine eintönige Fassade möchten. Die vielen Sonnenstunden sollen genutzt werden: mit einer Photovolatikanlage, die nach dem Wunsch mehrerer Stadträte nicht nur auf der nördlichen Dachseite installiert werden soll, sondern auf der gesamten Fläche des flachen Satteldaches. Der selbst erzeugte Strom soll gespeichert und auch für die Wärmepumpe und die Durchlauferhitzer zur Warmwassererzeugung genutzt werden. Damit geht man einem Wasserspeicher und dem vor allem nach den Ferien drohenden Legionellen-Problem aus dem Weg.
Neue Mittagsbetreuung in Baiersdorf kostet fast zehn Millionen Euro
Eine größere Außenfläche ist aus Platzmangel nicht vorgesehen. Die Kinder sollen dazu den benachbarten Pausenhof nutzen. Allzu viel Spielraum hat der Planer aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Raumgrößen, der Abstandsflächen zu den Nachbarhäusern und der technischen Ausstattung nicht. Es gelingt ihm gerade so, am Rande des Grundstückes neun Stellplätze unterzubringen. Am Ende ging es um die Kosten.
Kroder veranschlagte für das Bauwerk rund 5,2 Millionen Euro, für die Technik knapp 1,7 Millionen Euro, für die Außenanlagen fast 300.000 Euro und für die Baunebenkosten (Gutachten, Prüfungen, Honorare) etwas mehr als zwei Millionen Euro. Insgesamt kommt man damit auf mehr als 9,1 Millionen Euro. Davon bleiben nach Abzug der mehr als 50-prozentigen Förderung beinahe 4,3 Millionen Euro an Baiersdorf hängen. Nicht eingepreist sind bislang die Summen für die Ausstattung der Mittagsbetreuung, den Erwerb der beiden Baugrundstücke mit 1138 Quadratmetern und den Abriss der Mehrfamilienhäuser.
Mittagsbetruung wird Stadtrat in Baiersdorf beschäftigen
Vor allem die Frage der fachgerechten Entsorgung problematischen, beispielsweise asbesthaltigen Bauschutts trieb dem einen oder anderen Stadtrat Sorgenfalten ins Gesicht. Da brachte der Hinweis, dass man für den Kauf des Geländes noch einmal 450.000 Euro erhielte, keine wirkliche Entspannung. Mit dem Projekt wird sich der Stadtrat noch mehrfach befassen müssen.












