Noch ruht der Berg. Aber genau 99 Tage vor dem Start der Erlanger Bergkirchweih wehen seine Klagelaute schon unüberhörbar durch die Stadt. Nachdem Erlangen die Gebühren kräftig angehoben hat, scheint die Vorfreude auf den Beginn der „fünften Jahreszeit“ dahin. Freunde der bunten Kirchweih unter Bäumen vom Verein „Bergflair“ sehen bereits die Festkultur in „akuter Gefahr“. Wirte wie Vincenz Schiller vom beliebten „Entla`s Keller“ fürchten den Verlust der Familienfreundlichkeit des fränkischen Volksfestes. Allein die Schausteller müssen für den nächsten „Berg“ einen Preissprung um rund 25 Prozent verkraften und zukünftig rund 250.000 statt bislang 200.000 Euro insgesamt bezahlen.
Besonders stark trifft es die Festwirte, deren Beitrag an den Nebenkosten sich verdoppeln wird. „Als Veranstalter wissen wir, was wir allen Beteiligten hier zumuten“, hat der für das beliebte Volksfest zuständige Wirtschaftsreferent der Stadt, Konrad Beugel, durchaus selbstkritisch gesagt. Die Beträge seien heftig, meinte Beugel nach dem kürzlich erfolgten Votum für die Anhebung der Gebühren. Die Kosten, die während des Bergfestes zum Beispiel für Müllentsorgung, Rettungsdienste und Sicherheitskräfte entstehen, werden abzüglich eines städtischen Zuschusses zwischen Schaustellern und Festwirten nach bestimmten Kriterien wie der Größe umgelegt.
Steigende Gebühren: Nebenkosten haben sich verdreifacht
In den letzten Jahren seien die Ausgaben rund um den Berg um etwa 20 Prozent gestiegen, während die Platzgelder beispielsweise für Schausteller seit 2017 gleichgeblieben seien. Außerdem lege Erlangen laut „Bergreferent“ Beugel viele Kostenpositionen wie zum Beispiel die Personalkosten der Veranstaltungsleitung oder die nicht unerheblichen Investitionskosten in das Gelände gar nicht um. „Und gerade die Investitionskosten gehen in die Millionen“, verteidigt Beugel den Anstieg und verweist darauf, dass der städtische Zuschuss für die Nebenkosten von 50.000 auf 150.000 Euro sogar verdreifacht worden sei. Sonst wären die Mehrbelastungen wohl noch deutlich höher ausgefallen.
Für Festwirte wie Vincenz Schiller vom „Entla´s Keller“ sind diese Argumente nur ein schwacher Trost. „So können wir nicht weitermachen. Die Stadt muss die Nebenkosten endlich in den Griff bekommen, damit die Bergkirchweih für die Besucher bezahlbar bleibt“, findet Schiller und fordert die Stadt auf, überflüssige Ausgaben zu überdenken. „Das System der Abrechnung ist wie eine Nebenkosten-Abrechnung zwischen Vermieter und Mieter“, erläutert dagegen der Bergreferent und erntet postwendend Widerspruch.
Festwirte kritisieren mangelnde Transparenz
„Ein Mieter bekommt wenigstens eine Nebenkostenabrechnung. Wir haben dagegen überhaupt keine Einsicht in die einzelnen Positionen“, kritisiert Schiller und fordert mehr Transparenz. „Das wäre der erste Schritt, um die Kosten langfristig wieder zu senken.“ Schiller befürchtet, dass die Preise auf dem Berg in diesem Jahr weiter steigen. „Wir können nicht alles weitergeben, aber etwas teurer wird es wohl wieder werden.“
Bei dieser Prognose ist sich der Bergfestwirt mit dem Bergreferenten zumindest wieder einig. „Die Kosten einer Großveranstaltung sind zuletzt enorm gestiegen und sie werden es vermutlich weiter tun“, befürchtet Beugel genau 99 Tage vor dem Start der „fünften Jahreszeit“ in Erlangen.
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