Der nächste Starkregen kommt bestimmt. Der letzte ergoss sich am Abend des 17. Juli dieses Jahres über Höchstadt und hinterließ überflutete Keller, Wohnungen, Garagen und Grundstücke. Die Feuerwehren aus Höchstadt, den Ortsteilen und den Nachbargemeinden mussten zwischen 20 und zwei Uhr 98-mal ausrücken. Die Wetterstation an der Kläranlage registrierte 33 Liter Regen pro Quadratmeter, 30 davon innerhalb einer halben Stunde.
Kann man sich vor Schäden durch Starkregen schützen? Nicht zu hundert Prozent. „Aber man kann sich gemeinsam gut vorbereiten“, erklärte Höchstadts Klimaanpassungsmanager Maximilian Brönner den rund hundert Besuchern einer Veranstaltung in der Fortuna Kulturfabrik. Die Stadt hatte im Rahmen der bundesweiten „Woche der Klimaanpassung“ eingeladen, um die Bürger zu informieren und aufzuklären. In den Zuhörerreihen saßen dann auch viele, in deren Kellern Pumpen der Feuerwehr gelaufen waren.
Klimamanager Brönner berichtete, dass die Regenmengen an diesem 17. Juli in den verschiedenen Stadtteilen völlig unterschiedlich waren. „Es ist purer Zufall, wo es bei einem angekündigten Starkregen wieviel regnet“, sagte Brönner und appellierte, Warnungen immer ernst zu nehmen. Die gebe es beispielsweise kostenlos von Bund und Land aufs Handy. Von insgesamt 140 Einsatzkräften in 22 Fahrzeugen berichtete Höchstadts stellvertretender Feuerwehrkommandant Christian Stark.
220 Liter pro Sekunde in Kläranlage in Höchstadt
Die meisten der 98 Einsätze seien im Stadtgebiet gewesen. Stark bedauerte, dass die Feuerwehr bei einem solchen Wetterereignis halt immer nur reagieren könne. Gefordert seien vielmehr die Bürger selbst, sich vor den Wassermassen zu schützen, meinte Brönner, wobei aber ein Restrisiko immer bleibe. Über die Ursachen für die überfluteten Keller klärten der Leiter der Kläranlage, Ralf Gebhardt, und Bauamtschef Gerd Litz auf.
So könnten die Kanäle solch extreme Wassermengen einfach nicht mehr aufnehmen. Mit 220 Liter in der Sekunde fährt zudem Gebhardt in der Kläranlage Vollauslastung. Regnet es noch mehr, staut sich das Wasser in Teilen des 160 Kilometer langen Kanalnetzes zurück und tritt dort aus, wo es Möglichkeiten findet. Das passiert an Gullys auf den Straßen oder auch in Kellern von Wohnhäusern.
Schutz vor Starkregen in Höchstadt
Hier kann Bauamtsleiter Litz nur raten, Rückstauklappen einbauen und regelmäßig überprüfen zu lassen. Auch bauliche Maßnahmen könnten schützen, wie eine „abflusssensible Geländegestaltung“, Barrieresysteme wie Umrandungen von Lichtschächten, Türschwellen oder einfach auch Sandsäcke. Litz rät dazu, für den Schutz vor Wassereintritt Fachfirmen zu Rate zu ziehen. Am besten sei es, bei Starkregen Wasser gar nicht erst in die Kanalisation einzuleiten.
Das der Dachflächen könnte in Mulden auf dem Grundstück oder einem Gartenteich zurückgehalten werden. Wenn das auf breiter Front geschähe, wäre schon viel gewonnen. Mit 14 Regenüberlauf- und elf Regenrückhaltebecken tue die Stadt schon viel, um ihre Bürger bei Starkregen zu schützen. Die Kanalisation aber so zu dimensionieren, dass sie alles abfängt, sei technisch und finanziell unmöglich, so Litz.
Bürger in Höchstadt müssen ihre Straße reinigen
Das sieht Bürgermeister Alexander Schulz (CSU) ebenso, dem es mit der Veranstaltung auch darum ging, im Zusammenhang mit dem Starkregen am 17. Juli auf ungerechtfertigte Kritik in den sozialen Medien zu reagieren. Wohl wissend, dass sie sich unter den Zuhörern keine Freunde machen würde, hielt Stadtplanungschefin Jacqueline Fröhlich den Höchstadter Bürgern vor, auf dem Gebiet der Straßenreinigung verwöhnt zu sein. Das sei laut einer Verordnung aus dem Jahr 2008 eigentlich einmal wöchentlich Sache der Grundstückseigentümer oder deren Mieter.
Dazu würden auch Abflussrinnen, Kanaleinlaufschächte und sogar Sinkkästen gehören. Würde diese Verordnung umgesetzt, könnte nach Fröhlichs Meinung manche überflutete Straße vermieden werden. Die Höchstadter überlassen diese Pflicht lieber der alle paar Monate durchfahrenden Kehrmaschine oder dem Bauhof. Bei 4500 Revisionsschächten in der Stadt ein kaum zu schaffendes Unterfangen.













