Partnerstadt
Nach Militärputsch: Brenzlige Lage in Kaya
Schutz vor Corona, mit Spendenmitteln aus Herzogenaurach: eigene Herstellung von Seife, Masken, Desinfektionsmitteln
Schutz vor Corona, mit Spendenmitteln aus Herzogenaurach: eigene Herstellung von Seife, Masken, Desinfektionsmitteln
Foto: privat
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Herzogenaurach – Geschlossene Schulen, Ausgangssperre - Die Situation in Burkina Faso und der Herzogenauracher Partnerstadt ist gefährlich. Was droht der Bevölkerung?

Unlängst ereignete sich ein Militärputsch in Burkina Faso. Dies hat auch Auswirkungen auf die Herzogenauracher Partnerstadt Kaya. Die Regierung des Landes wurde abgesetzt, das Parlament aufgelöst und eine nächtliche Ausgangssperre wurde verhängt. Außerdem blieben die Schulen eine Woche lang geschlossen.

Darüber informiert Rosa Abel, die Beauftragte der Stadt Herzogenaurach für die Partnerschaft mit der afrikanischen Stadt Kaya. Sie hatte inzwischen auch mehrfach Kontakt mit Bürgermeister Boukaré Ouédraogo. „La vie continue (das Leben geht weiter)“, sagte dieser beim ersten Telefonat. Die Burkinabè gehen ihrem Alltag weiter nach.

Die MPSR – eine Militärgruppierung, der Soldaten und Polizisten angehören – bildet nach dem Putsch die Militärübergangsregierung. Sie habe versprochen, wie Bürgermeister Ouédraogo gegenüber Rosa Abel erklärte, in Kürze eine zivile Person als Übergangspräsidenten vorzuschlagen, die das Land bis zu demokratisch geführten Neuwahlen führe.

Inzwischen aber überschlagen sich die Ereignisse. In einem Telefonat am vergangenen Freitag (4. Februar) habe Bürgermeister Ouédraogo mitgeteilt, dass alle Bürgermeister aus dem ganzen Land von ihren Ämtern zurücktreten mussten. Die Stadt Herzogenaurach erwartet nun ein offizielles Schreiben aus Kaya, das angekündigt wurde, um diesen Rücktritt offiziell zu bestätigen.

Zunehmend dschihadistische Angriffe

Rosa Abel hat in vielen Quellen recherchiert und umfangreiche Informationen über die aktuelle Entwicklung in Burka Faso zusammengetragen. Schon seit Monaten protestierte die Bevölkerung gegen die „Unfähigkeit der Machthaber, den zunehmenden dschihadistischen Angriffen entgegenzuwirken“, und forderte den Rücktritt des Präsidenten Kaboré. Ende November 2021 demonstrierte die (junge) Bevölkerung heftig gegen das französische Militär, das im Kampf gegen den Terrorismus auf dem Weg von der Elfenbeinküste nach Niger und Mali das Land durchquerte. Der Konvoi fuhr auch durch Herzogenaurachs Partnerstadt Kaya. Die Proteste währenddessen legten die Stadt lahm.

Dann kam der 24. Januar 2022: Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba erklärte die Machtübernahme durch das MPSR im staatlichen Fernsehen. Grund dafür sei die „Verschlechterung der Sicherheitslage, die Unfähigkeit, die Nation zu vereinen und effektiv auf die Herausforderungen zu reagieren.“ In den Tagen davor hatten die Straßenproteste stark zugenommen und in verschiedenen Militärstützpunkten des Landes fanden Meutereien statt.

Bürgermeister Ouédraogo vor der Lebensmittelverteilung im Juli 2019
Bürgermeister Ouédraogo vor der Lebensmittelverteilung im Juli 2019
Foto: Stadt Kaya

Bewaffnete dschihadistische Gruppen, die mit Al-Qaida und der Organisation „Islamischer Staat“ verbunden sind, üben seit 2015 Terrorakte in Burkina Faso aus. Seit 2019 hat sich diese Spirale der Gewalt deutlich verschärft. Beispiel Dablo, Mai 2019: Bei einem Attentat wird ein ehemaliger Schüler von Pfarrer Jean Désiré, während er einen Gottesdienst hält, ermordet. Jean Désiré ist in Herzogenaurach bekannt, lebte er doch sieben Jahre an der Aurach.

112 000 flüchteten nach Kaya

Beispiel Dablo, Ende November 2021: Das ganze Dorf (20 000 Einwohner) flüchtet nach Kaya, nachdem die Wachposten vor den Terroristen fliehen und es schutzlos bleibt. Wegen der andauernden Bedrohung durch Terrorakte aus Mali und Niger sowie aus Mangel an eigenem Schutz durch die burkinischen Streitkräfte sind diese Menschen auf der Flucht. Die Sahelregion wird durch die Dschihadisten zunehmend destabilisiert: Einige Monate vor Burkina Faso erlitten die Nachbarländer Mali und Niger ebenfalls einen Militärputsch.

In Burkina Faso forderte der Terror innerhalb von sieben Jahren 2000 Tote und zwang 1,5 Millionen Personen, ihr Zuhause zu verlassen. Die Gesamtbevölkerung in Burkina Faso beträgt 21,5 Millionen. Kaya zählt zu den Städten, die am meisten Vertriebene aufnimmt. So befinden sich in der Partnerstadt momentan 111 890 Vertriebene, darunter: 69 919 Kinder (Quelle: Conasur Burkina Faso, Stand: 31. Oktober 2021).

Die Stadt Herzogenaurach und der Verein Partnerschaft Herzogenaurach Kaya sowie Kirchen, Schulen und auch Unternehmen aus Herzogenaurach haben im Rahmen humanitärer Hilfe auf den Hilferuf von Bürgermeister Ouédraogo hin 2019 und 2020 die Herzogenauracher zu Spenden aufgerufen. Sie konnten damit der Stadt und der katholischen Kirche in Kaya zum Kauf von Mais, Reis, Sardinen und Schulmaterial für die Geflüchteten verhelfen. Mit Geldern vom Benefizlauf, den das Gymnasium Herzogenaurach seit vielen Jahren organisiert, wurden Zelte zur Unterkunft der Geflüchteten besorgt.

Bevölkerung leidert unter Hungersnot

Es gibt noch weitere Sorgen: Aufgrund einer 2021 schlecht ausgefallenen Ernte leidet die Bevölkerung von Kaya unter einer neuen Hungersnot. In einer gemeinsamen Aktion arbeiten die Stadt Kaya und die burkinische Caritas der katholischen Kirche bei der Lebensmittelverteilung mit Unterstützung aus Herzogenaurach zusammen. Die nächste Spendenaktion wegen der Lebensmittelknappheit zeichnet sich bereits ab.

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