Attraktivität
Note 1 für die neue Wachenrother Ortsmitte
Durch Dorferneuerung und neue Straßenführung wurde die Ortsmitte von Wachenroth total umgestaltet. Am Wochenende wollten die Kerwasburschen wissen, ob sich der neue Dorfplatz für das Aufstellen eines Kirchweihbaums eignet. Die Kerwasfichte (von der Kirchweih Anfang Oktober) wurde dafür zur Probe auf dem neuen Platz aufgestellt.
Durch Dorferneuerung und neue Straßenführung wurde die Ortsmitte von Wachenroth total umgestaltet. Am Wochenende wollten die Kerwasburschen wissen, ob sich der neue Dorfplatz für das Aufstellen eines Kirchweihbaums eignet. Die Kerwasfichte (von der Kirchweih Anfang Oktober) wurde dafür zur Probe auf dem neuen Platz aufgestellt.
Foto: Evi Seeger
Wachenroth – Wachenroth präsentiert sich als Musterbeispiel für eine gelungene Dorferneuerung. Bei einer Baumpflanzung verrieten die Beteiligten ihr Geheimnis.

Es ist eine Erfolgsgeschichte: Die Dorferneuerung, 1981 vom bayerischen Landtag als Programm beschlossen, wurde zum Grundstein der positiven Entwicklung des ländlichen Raums. Das Modell hat sich seit nunmehr 40 Jahren bewährt. Zur Erinnerung wurden bayernweit 40 Linden gepflanzt.

Für einen der viel besungenen, symbolträchtigen Bäume wurde Wachenroth ausgewählt. Die Dorferneuerung sei heute so aktuell wie am Anfang. Bester Beweis dafür sei der Markt Wachenroth, findet Bürgermeister Friedrich Gleitsmann (CSU).

In Wachenroth sei im Rahmen der Dorferneuerung der Ortskern völlig neu gestaltet worden. Der oberhalb der neuen Stützmauer entstandene Dorfplatz solle zu einem Ort der Begegnung werden. Die „soziale Dorferneuerung“ ist nach den Worten von Gerhard Jörg, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung Ansbach, für den Erfolg von herausragender Bedeutung. Es sei sogar geplant, künftig die Kirchweih auf dem neuen Platz abzuhalten.

Ortskerne aufwerten

Von Anfang an sei es Ziel der Dorferneuerung, die Dörfer für die Bewohner und nachfolgende Generationen lebens- und liebenswert zu machen. Heute gelte es vor allem, die Ortskerne zu gestalten und aufzuwerten, Leerstände mit Leben zu erfüllen. Wesentliche Themen seien aber auch die Sicherstellung der Nahversorgung, die Infrastruktur, der Flächenverbrauch und der Erhalt der Biodiversität.

In Wachenroth habe es bereits von 1963 bis 1983 ein Flurneuordnungsverfahren, jedoch ohne Maßnahmen der Dorferneuerung gegeben, berichtete Jörg. 2009 sei dann ein „kombiniertes Verfahren“ von Dorferneuerung und Flurneuordnung angeordnet worden. Neben den Wirtschaftswegen war die Umgestaltung der Ortsmitte von Wachenroth in den vergangenen Jahren – als Zusammenarbeit von Straßenbauamt, Landkreis, Kommune und Teilnehmergemeinschaft – die bedeutendste Maßnahme. Die Mitwirkung der Bürger sei enorm wichtig, so Jörg. „Nur wenn die Menschen vor Ort mitreden, mitplanen und mitentscheiden, tragen sie auch die Ergebnisse des Veränderungsprozesses mit.“

Praktizierte Demokratie

Landtagsabgeordneter Walter Nussel (CSU) würdigte bei all den Maßnahmen ganz besonders „die Leistung der Kommunen und der Bürgermeister“. Die Dorferneuerung sei praktizierte Demokratie. Dennoch habe die Erfahrung gezeigt, dass es oft große Aufregung und viele Reibungspunkte gebe. Auch in Wachenroth, wo er „als Vermittler eingebunden“ war, sei das so gewesen. Im Nachhinein sei jedoch die Freude umso größer.

„Die Dorferneuerung ist ein hervorragendes Instrument, um den ländlichen Raum zu stärken“, betonte stellvertretender Landrat Martin Oberle (FW). Leben auf dem Land bedeute Lebensqualität, die in Großstädten oft verloren sei. „Unser Landkreis hat sehr viele schöne Orte und Dörfer, die in ihren Strukturen und im Kern erhalten werden müssen“, forderte Oberle.

Nach dem Bericht des Ansbacher Amtsleiters haben bereits zwei Drittel der Gemeinden in Bayern von der Dorferneuerung profitiert. Lebens-, Wohn- und Arbeitsverhältnisse konnten dadurch nachhaltig verbessert werden. Ortszentren seien gestärkt und eine flächensparende Siedlungsentwicklung unterstützt worden.

Das für Mittelfranken zuständige Amt in Ansbach bearbeite aktuell 180 Dorferneuerungen. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt sind es derzeit drei Gemeinden mit 13 Ortschaften. In sieben Gemeinden sind die Dorferneuerungen bereits abgeschlossen. Weitere drei Gemeinden hätten die Dorferneuerung beantragt.