Bewegende Geschichte
Wie Herzogenaurach die letzten Kriegsjahre erlebte
Altes Rathaus in Herzogenaurach mit einem Panzer, Fenster, jetzt im Stadtmuseum
Altes Rathaus in Herzogenaurach mit einem Panzer, Fenster, jetzt im Stadtmuseum
Foto: Manfred Welker
Herzogenaurach – 257 Tote hatte Herzogenaurach im Zweiten Weltkrieg zu beklagen. Am Kriegsende waren sogar russische Truppen in der Stadt einquartiert.

Der Krieg kam für die Bewohner immer näher. In der Nacht vom 10. auf den 11. August 1943 gab es Fliegerangriffe auf die Region. Veitsbronn und Landgemeinden wie Tuchenbach sowie Untermichelbach waren das Ziel, die Herzogenauracher Feuerwehr kam in Veitsbronn zum Einsatz. Bei Dondörflein und Burgstall fielen Brandbomben, östlich von Burgstall eine Sprengbombe.

Der Luftalarm im Zweiten Weltkrieg war bald an der Tagesordnung, so für Tageseinflüge nach Schweinfurt und Regensburg, aber ebenso nächtliche Angriffe auf den Großraum Nürnberg, wo auch die Vororte betroffen waren.

Britischer Bomber stürzt ab

Am 28. August 1943 erfolgte morgens zwischen 1 und 3 Uhr ein Fliegerangriff auf Nürnberg. Über Hesselberg stürzte an diesem Tag ein britischer Bomber ab, der in den Kampf um Nürnberg eingesetzt war. Den Absturz überlebten der Pilot des viermotorigen Bombers Short S29 MK1, Serie Stirling EH 985, Flight Lieutenant Lionel Jeffries, der Navigator, der Funker Bill Bailey und der Bombenschütze Taggart. Die drei ums Leben gekommenen Flieger wurden im Herzogenauracher Friedhof beerdigt.

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Seit dem 13. Juli 1943 war eine Divisionskriegsberichtsabteilung im Herzogenauracher Schloss untergebracht, die im September aber nach Gräfenberg übersiedelte.

Alliierte Streitkräfte

Die alliierten Streitkräfte begannen ab dem 10. Juli 1943 mit der Eroberung Siziliens und kämpfen sich anschließend durch den ganzen italienischen Stiefel nach Norden durch. Eine weitere Front wurde am 6. Juni 1944 mit dem Unternehmen Overlord eröffnet, die Landung der Alliierten in der Normandie.

Flugzeugabstürze

Am 16. Mai 1944 stürzte ein Flugzeug des Fliegerhorsts auf das Anwesen der Lehrerswitwe Elsa Scharf in der Richthofenstraße. Der Flugzeugführer kam zu Tode, Elsa Scharf erlitt erhebliche Verletzungen. Ein weiteres Flugzeug stürzte am 29. Mai 1944 zwischen den Weihersbachweihern und Dondörflein ab. Dieser Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten.

Attentat auf Hitler

Einen Tag nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 wurden im Herzogenauracher Rathaus zur Sicherheit Wachen der SA und der Landwache eingerichtet. Da mit Fortdauer des Krieges alle wehrfähigen Männer eingezogen worden waren, wurde zur Verteidigung der Heimat der Volkssturm mobilisiert. Dies betraf alle waffenfähigen Männer der Jahrgänge 1884 bis 1924 und wurde später bis zum Jahrgang 1928 ausgeweitet.

Ärmelbinde des Volkssturms (Stadtmuseum Erlangen)
Ärmelbinde des Volkssturms (Stadtmuseum Erlangen)
Foto: Manfred Welker

In Herzogenaurach trat am 29. Oktober 1944 der Volkssturm zur Einteilung an drei Kompanien zusammen. Die 1. Kompanie stand unter dem Kommando von Hans Sieder, die 2. Kompanie wurde vom Lehrer Georg Barnikel geführt, die 3. Kompanie vom Polizisten Adam Bamberger. Für das Land gab es eine 4. Kompanie, geführt von H. Kress. Das Bataillon stand unter dem Kommando von Dr. Herbert Kuno, die Vereidigung nahm Ortsgruppenleiter Markus Sehring vor.

Sowjetarmee rückt näher

Zum Schutz vor der Sowjetarmee wurden im Volkshaussaal 63 Rückgeführte aus der Ukraine und Rumänien am 15. November 1944 untergebracht. Unter den Personen gab es einen Ausbruch von Flecktyphus, drei von ihnen starben daran.

Saarländer kommen an

Dass auch im Westen die Front immer näher rückte, war daran zu erkennen, dass 235 Saarländer am 24. November 1944 in Herzogenaurach ankamen. Sie wurden auf die Landgemeinden verteilt.

Eine Bombe, die auf Hauptendorf am 28. November 1944 abends zwischen 19 und 20 Uhr abgeworfen wurde, kostete drei Frauen der Familie Schühlein das Leben.

Bombenangriffe auf Nürnberg

Nach dem massiven Bombenangriff auf Nürnberg am 2. Januar 1945 kamen viele Obdachlose aus Nürnberg bei ihren Verwandten in der Umgebung unter, so auch in Herzogenaurach. Die Herzogenauracher Feuerwehr war nach einem Bombenangriff am 20. Januar 1945 auf Nürnberg dort zur Brandbekämpfung eingesetzt.

Strom wird gesperrt

Eine Einschränkung für die Bevölkerung war es sicherlich, dass vom 18. Januar 1945 an täglich von 13.30 bis 15 Uhr der Strom gesperrt war. Gegen Ende des Krieges kamen immer mehr Flüchtlinge aus Ostpreußen und Schlesien in Herzogenaurach an.

Todesanzeige Familie Schühlein
Todesanzeige Familie Schühlein
Foto: Repro: Welker

Auf Welkenbach fielen am 23. Februar 1945 Bomben, getötet wurde die Ukrainerin Katharina Dobrianska, Margaretha Kaltenhäuser wurde verletzt. Zu Tode kam auch der Bürgermeister Michael Holzammer aus Burgstall.

Todesanzeige Familie Schühlein
Todesanzeige Familie Schühlein
Foto: Repro: Welker

Am 18. März 1945 waren russische Freiheitstruppen des Generals Wlassow mit 16 Offizieren, 68 Unteroffizieren, 314 Mannschaftsdienstgrade und 50 Pferde in Herzogenaurach einquartiert. Der 1941 begonnene Krieg mit Russland war hautnah auch nach Herzogenaurach zurückgekehrt.

Für die Stadt endeten die Kampfhandlungen am 16. April 1945 mit der kampflosen Übergabe. Im Zweiten Weltkrieg hatte Herzogenaurach 257 Tote zu beklagen, dazu kamen noch 141 Vermisste. (Teil 2 von 2)