Sanierung
Reichmannsdorf: Stolz auf die 100 Jahre alte Orgel
Gute Stimmung herrschte zum Abschluss der Orgelsanierung. Auf dem Orgelbock freuen sich (von links) der Reichmannsdorfer Organist Thomas-Stefan Ebert, Gastorganist Markus Blumenhofer und Orgelbaumeister Thomas Eichfelder.
Gute Stimmung herrschte zum Abschluss der Orgelsanierung. Auf dem Orgelbock freuen sich (von links) der Reichmannsdorfer Organist Thomas-Stefan Ebert, Gastorganist Markus Blumenhofer und Orgelbaumeister Thomas Eichfelder.
Foto: Evi Seeger
Reichmannsdorf – Die Kuratie Sankt Sebastian feierte das 100-jährige Bestehen der Kirche und die gelungene Orgelsanierung.

Das „Großer Gott wir loben Dich“ am Ende des Gottesdienstes klang besonders festlich jubilierend: Die Kuratie Sankt Sebastian feierte am Sonntag nicht nur ihr Kirchweihfest, sondern auch den 100. Geburtstag ihrer Kirche und den Abschluss der Orgelsanierung. 100 Jahre und damit genauso alt wie der Erweiterungsbau der Kirche ist die in Lichtenfels gebaute Dietmann-Orgel.

Sanierung unumgänglich

Nach der Begutachtung durch Sachverständige war eine Renovierung zur Erhaltung des historischen Instruments unumgänglich. Staub, Sporen und Holzschädlinge hatten der „Königin der Instrumente“ stark zugesetzt. Die Zinkpfeifen waren undicht und die Windladen – noch aus der Erbauerzeit – gerissen. Marode waren nicht nur die Stromleitungen. Auch am Spieltisch und der Tastatur hatte der Zahn der Zeit genagt.

40 000 Euro mussten für die Sanierung aufgebracht werden. Ein großer Brocken für die Kuratie, vor allem weil kein Zuschuss der Diözese zu erwarten war. Innerhalb von drei Jahren hat es die Kirchengemeinde trotzdem geschafft, die Mittel für die Restaurierung der Orgel aufzubringen. Vor allem, weil ein Mann die Initiative ergriff: Thomas-Stefan Ebert, ortsansässiger Zimmerermeister, Leiter der Reichmannsdorfer Kirchenmusik und seit sechs Jahren Organist in der Kirche Sankt Sebastian.

Los ging’s 2018

Das Orgelprojekt, das Ebert in die Hand nahm, startete im Advent 2018: Geld aus möglichst vielen Quellen sollte gesammelt werden. Als hervorragende Idee entpuppte sich die im Kirchenschiff aufgestellte „Spendenorgel“. Holzfachmann Ebert hatte sie selbst gebaut. Nach dem Einwurf von Geld begann die Orgel auf Knopfdruck zu spielen. Allein dadurch kamen 6000 Euro zusammen.

„Patenschaften“ für Orgelpfeifen

Die Oberfrankenstiftung unterstützte die Orgelsanierung mit 7200 Euro, wofür im Kirchweihgottesdienst besonders gedankt wurde. Weitere 1800 Euro steuerte die Stadt Schlüsselfeld bei. Der Rest, also 25 000 Euro, ging nach entsprechenden Aufrufen über Spenden ein, mit denen Firmen, Vereine und Bürger das Projekt unterstützten. Unter anderem wurde zu „Patenschaften“ für Orgelpfeifen aufgerufen, damit die Orgel – „ein Stück Ortskultur“ – für künftige Generationen erhalten bleibe.

Dank an Stefan Ebert

Pfarrer Wolfgang Dettenthaler dankte im Gottesdienst Stefan Ebert dafür, dass er die Sanierung von der ersten Stunde bis zum erfolgreichen Abschluss begleitet, sich um Spenden gekümmert und immer wieder dazu motiviert hat, das Projekt zu unterstützen. Für die Kirchenverwaltung dankte Hans Güttler allen, die die Sanierung mitgetragen und unterstützt haben. Dazu zählt auch das Bamberger Orgelbauunternehmen Eichfelder, das die Arbeiten durchgeführt hat. Zum festlichen Abschluss der Renovierung hatte Orgelbaumeister Thomas Eichfelder einen Freund, den Organisten Markus Blumenhofer aus Küps, mitgebracht, der an diesem besonderen Tag die Orgel spielte. Nach dem Gottesdienst gab Eichfelder – im Dialog mit dem Mann auf der Empore – einen interessanten Einblick in die Orgelgeschichte. Dazu zeigte Blumenhofers Spiel die faszinierenden Möglichkeiten und die unterschiedlichsten Stimmungen auf, die in der „Königin der Instrumente“ stecken.

Orgel komplett zerlegt

Für die Sanierung musste die Orgel komplett zerlegt werden. Die rund 1000 Orgelpfeifen wurden ausgebaut, in die Bamberger Werkstatt gebracht und restauriert. „Bis auf die Leder-Bälgchen sind alle Bestandteile wieder verwendet worden“, erklärte Orgelbaumeister Eichfelder. Seine Frau Monika – wie er selbst „aus der Musik kommend“ – habe die restaurierte Orgel abschließend neu intoniert.