Wermut, Oregano, Majoran, Salbei – die Namen hören sich an wie Würzkräuter aus dem mediterranen Raum. Natürlich sind sie auch im Süden zu Hause – aber nicht nur: Sie alle finden sich auf einer Blühwiese im Bereich Häckersteig im Nordwesten von Höchstadt.
Ausgerechnet in einem Gebiet, das teilweise zu Bauland werden soll. Für unzählige Arten ein Lebensraum, der nicht verloren gehen dürfe, findet der Höchstadter Biologe Hans Krautblatter, nicht zuletzt als Beitrag in der Diskussion um neues Bauland, die schließlich in einem Bürgerentscheid endete.
Krautblatter hat die Wiese, die seit Jahren beweidet wurde, „planmäßig untersucht und beobachtet“. Nach seinen Aufzeichnungen ist die Pflanzenvielfalt seit 2020 von „90 Spezies, die man blühend erfassen konnte“ bis heute auf mehr als 200 Arten, „davon reihenweise Arten der Roten Liste“, angewachsen.
„Durch ihre Vorgeschichte vereinigt die Wiese eine Reihe von unterschiedlichen Biotopen“, macht Krautblatter deutlich. Auf der Wiese, der untersten von vier Geländeterrassen, sei vorübergehend humoses Erdreich abgelagert worden.
Biotop Heckersteig
Als es wieder abgetragen wurde, seien vom Rohboden bis hin zu fettem Boden sämtliche Übergänge in der Bodenbeschaffenheit und damit unterschiedliche Biotope entstanden. Zudem seien durch eine zeitweise Ablagerung von Reisig – zum natürlichen Eintrag – eine Fülle weiterer Samen hinzugekommen.
Heute zeige sich das Biotop dreigeteilt. Im hinteren Bereich finde sich eine „mustergültige Streuobstwiese“, im mittleren Teil würden hohe Gräser und verschiedene Gruppen wilder Rosen dominieren, und im vorderen Drittel an der Straße habe sich eine ausgesprochen blumenreiche Vegetation entwickelt.
Die Dreiteilung mit unterschiedlichen Wasser- und Bodenverhältnissen sei die Voraussetzung für die große Vielfalt an Pflanzen und Insekten. Der Stadt Höchstadt legt Krautblatter die Pflege und Erhaltung dieser Wiese besonders ans Herz.
Er sieht darin eine einmalige Gelegenheit, sich hinsichtlich Biodiversität und Artenvielfalt zu profilieren. Die Blühwiese sei geradezu ein Paradies für Schmetterlinge und Insekten.
Von Scharfgabe bis Johanniskraut
Das war es auch, worauf Krautblatter bei seiner Studie besonderes Augenmerk richtete: „Welche Bedeutung hat eine solche Wiese für die Natur?“ Jede Pflanzenart ziehe wiederum etwa zehn Arten von Insekten und Schmetterlingen an.
Tatsächlich summt und schwirrt es in dem hohen Bewuchs. Unter den vielen Faltern fallen der Schachbrettschmetterling und das Ochsenauge besonders ins Auge.
Bei den Blühpflanzen entdeckt der Betrachter unzählige Arten, angefangen bei der Schafgarbe und der Falschen Möhre bis hin zum Johanniskraut, Baldrian und verschiedenen Salbeiarten. Neben dem Rainfarn und der Wegwarte finden sich auch ganz besondere Kräutlein.
Beispielsweise der Dost (Oregano), der durch seinen lila, manchmal auch weißen Blütenteppich ins Auge sticht. Oder der Flachblättrige Mannstreu, eine intensiv-blaue Schönheit.
Die attraktive Karde steht wie eine Diva kerzengerade im umgebenden Gras. Ihre Samen suche der Stieglitz, sagt Krautblatter: „Die Samen bringen die Vögel über den Winter.“
Daher sei es wichtig, die Wiese erst sehr spät im Herbst zu mähen. Eine ganz besondere Pflanze ist das Jakobskreuzkraut.
Die gelb blühende Pflanze ist für Tiere giftig. „Schafe fassen die gar nicht erst an“, weiß der Biologe. Als er den Niederliegenden Ehrenpreis entdeckte, war Krautblatter zunächst überrascht: „Eine klassische Steppenpflanze.“
Auf der Roten Liste sei sie in die Kategorie „Vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Sie sei aber auch ein deutlicher Beweis dafür, „dass sich bei uns in der Vegetation einiges ändert“.
Der Biologe sieht darin „die Antwort auf den fortschreitenden Klimawandel“. Überhaupt sei interessant, welche Pflanzen mit den veränderten Bedingungen und der Trockenheit zurechtkommen und sich damit gegen die Konkurrenz durchsetzen.
Auch Maria Bettstroh oder Liebfrauenbettstroh, wie der Volksmund das Echte Labkraut nennt, sticht hervor. Von den gelben Blüten geht ein lieblicher Honigduft aus.
Wie schon der Name sagt, fand das Labkraut früher als Auflage für das Nachtlager Verwendung. Nach der Legende soll die Muttergottes das Jesuskind darauf gebettet haben.
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