Naturschutz
Wenn Waldpflege Schule macht
Mit Engagement gingen die Schüler daran, den Baum- und Strauchbestand auszulichten. Der Wald ist eine Ausgleichsfläche der Stadt Herzogenaurach.
Mit Engagement gingen die Schüler daran, den Baum- und Strauchbestand auszulichten. Der Wald ist eine Ausgleichsfläche der Stadt Herzogenaurach.
Foto: Richard Sänger
Burgstall – Die Kommunen schaffen zwar vorgeschriebene Ausgleichsflächen, in vielen Fällen kümmert sich aber niemand darum. In Herzogenaurach ist das anders: dank des Engagements der örtlichen Realschüler.

Schule einmal anders hieß es für die siebten Klassen der Herzogenauracher Realschule. Die Schülerinnen und Schüler tauschten das Klassenzimmer am frühen Morgen mit einer Aufforstungsfläche südlich bei Burgstall und packten bei der Pflege eines jungen Waldbestandes kräftig mit an.

Der junge Wald kennt die helfenden Hände der Jugendlichen bereits: Vor acht Jahren haben die damaligen Siebtklässler der Realschule bei der Pflanzung der etwa einen Hektar großen Waldfläche mitgewirkt. Die damaligen jungen Leute haben die Schule zwar zwischenzeitlich verlassen, aber die nachfolgende Schulgeneration übernimmt weiterhin die Pflege des jungen Baumbestandes.

Der erste Pflegegang 2016 erfolgte durch die Schülerinnen und Schüler der Montessorischule und der Mittelschule. 2018 übernahmen die Realschüler wieder die Pflege der jungen Kulturen. Jetzt steht wieder Arbeit an: Birken und Pappeln wachsen über die gepflanzten Bäume und Sträucher und müssen zurückgenommen werden.

Waldpflege im Biologieunterricht

Waldpflege ist in der Staatlichen Realschule Herzogenaurach zu einem festen Bestandteil des Biologieunterrichtes geworden. Seit 2012 sind die Siebtklässler regelmäßig in den Herzogenauracher Wäldern im Einsatz. In diesem Jahr unterstützte der Rotary-Club Herzogenaurach die Waldpflegeaktion mit Arbeitshandschuhen, die Alfred Sammetinger, Thilo Köppe und Heinz Martin vorbeibrachten. „Wir fördern gerne Aktionen, die unseren Kindern und Jugendlichen dabei helfen, sich im Leben zu orientieren“, hieß es von den Rotariern.

Christian Kölling, Bereichsleiter vom Amt für Forst und Ernährung, zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Schule und der Stadt. „Die Kommunen schaffen zwar die vorgeschriebenen Ausgleichsflächen, aber in vielen Fällen kümmert sich niemand mehr darum und die wertvollen Flächen werden nicht mehr gepflegt“, wusste er. Die Stadt Herzogenaurach sei hier vorbildlich, junge Leute mit ins Boot zu holen.

Bürgermeister German Hacker und Monika Preinl vom Sachgebiet Natur-, Umwelt- und Klimaschutz wiesen die Schülerinnen und Schüler auf den Klimaschutz hin. „Unser Wald ist ein wertvoller Kohlenstoffspeicher und leistet einen wesentlichen Beitrag für den Klimaschutz. Andererseits ist er selbst stark vom Klimawandel betroffen“, hob der Bürgermeister hervor. So würden die Jugendlichen über die praktische Arbeit an die ökologischen Zusammenhänge herangeführt und leisteten darüber hinaus einen Beitrag für den Klimaschutz.

Nachdem wegen Corona 2020 und 2021 die Aktion ausfallen musste, freuten sich die Initiatoren ganz besonders über diesen Waldpflegetag. Die körperliche Betätigung und der Aufenthalt an der frischen Luft seien ein Segen für die Jugendlichen, besonders in dieser von Corona-Einschränkungen geprägten Zeit. Sie sollen durch praktisches Tun auch im außerschulischen Bereich lernen, Mitverantwortung zu übernehmen. Wie schon in den Vorjahren wurden die 51 Schülerinnen und Schüler von der Försterin Heike Grumann vom Forstrevier Herzogenaurach und Monika Preinl vom Sachgebiet Natur-, Umwelt- und Klimaschutz unterstützt und angeleitet. Nach der Sicherheitseinweisung wurden Klappsägen, Schutzbrillen und Handschuhe verteilt.

Scharfe Sägen, empfindliche Finger

„Die Sägen sind sehr scharf, ein Finger ist für die Säge kein Hindernis, sonst wachsen im nächsten Jahr Fingerbäume“, warnte die Försterin schmunzelnd. Die Siebtklässler waren vorgewarnt, denn Heike Grumann war vor der Aktion schon in den Klassen unterwegs, um über Waldpflege zu referieren. Sie erklärte: „Pflanzung ist gut, die Pflege danach ist aber mindestens genauso wichtig. Die dynamische Entwicklung eines jungen Waldes zu begleiten und behutsam zu beeinflussen ist sehr spannend und faszinierend. Wenn wir bei den Schülern daraus die Liebe zur Natur und ein starkes Umweltbewusstsein wecken und entwickeln können, haben wir viel gewonnen.“ „In Realschulen steht der Lebensraum Wald zwar im Lehrplan der sechsten Klassen, aber das Thema Nachhaltigkeit ist an unserer zertifizierten Umweltschule jahrgangs- und fächerübergreifend präsent“, erläuterte Markus Koschnicke, der den Fachbereich Biologie an der Realschule leitet.

Die Erstaufforstung auf dem städtischen Grundstück wurde für das Ökokonto angelegt und hat sich trotz der zum Teil extrem trockenen Sommer überraschend gut entwickelt. Nachpflanzungen wie auf anderen Aufforstungsflächen in Herzogenaurach und der Region waren hier nicht erforderlich. Gepflanzt wurden ausschließlich Arten, die sich an die steigenden Temperaturen und die Anforderungen des Klimawandels voraussichtlich anpassen können: Stieleiche, Flatterulme, Spitzahorn und Roterle als Hauptbaumarten, Hainbuche, Winterlinde und Rotbuche im Nebenbestand, dazu Elsbeere, Feldahorn und viele heimische Sträucher im Waldmantel.

Nach getaner Arbeit gab es von der Stadt heißen Tee und Wienerle, die im großen Kessel über dem offenen Feuer zubereitet wurden und im Freien besonders gut schmeckten.

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