23 Kinder werden derzeit im Waldkindergarten „Fuchsbau“ in Adelsdorf betreut, der seit 2018 Kindern die Natur näherbringt. 23 Kinder, die sensibilisiert werden sollen für die Welt, die sie umgibt. Das Team des Waldkindergartens hat sich das Thema „Nachhaltigkeit“ auf die Fahne geschrieben und auch schon ein entsprechendes Konzept erarbeitet, welches stetig weiter wachsen kann und wird. „Es soll keine Eintagsfliege sein“, erläutert Andrea Bolzmann, die zusammen mit zwei weiteren Kolleginnen und einer Praktikantin die Rasselbande betreut. „Es soll verankert werden, dass die Kinder das täglich leben.“ Also praktisch Nachhaltigkeit, die nachhallt.
„Angefangen hat es damit, dass wir Müll aufgesammelt haben auf dem Weg vom Treffpunkt zum Waldkindergarten“, berichtet Bolzmann. Fasszangen zum Aufsammeln liegen im mitgeführten Bollerwagen, ein großer Joghurtbecher dient als Sammelbehältnis. Im Kindergarten geht es an dann ans Trennen des Mülls. Mit gezielten Fragen werden die Kinder zum Nachdenken angeregt. Beispielsweise: Was macht die achtlos weggeworfene Zigarette, wenn sie da liegt?
Komposthaufen und Komposttoilette für Nachhaltigkeit
„Wir wollen die Kinder zum Denken kriegen, den Motor in Gang halten, neugierig zu sein“, beschreibt es Claudia Smits. Was Kindern und Betreuern auf ihrem Weg ebenfalls sauer aufstößt, sind die Hundehaufen, mit welchen sie sich täglich konfrontiert sehen. Manchmal lägen auch gefüllte Hundekotbeutel am Wegesrand. Gefühlt stoße man alle fünf Meter auf eine „Tretmine“. „Die Kinder können sich nicht frei bewegen, werden in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt“, beschreibt es Bolzmann.
Ihre Kollegen und sie wünschen sich wenigsten noch drei Abfalleimer für den Bereich um den Kindergarten, jeweils einen vor und nach dem Areal, welches den Kindern zugedacht ist sowie einer an der Kreuzung nach dem Treffpunkt. Im Kindergarten selbst dann wird Nachhaltigkeit bereits sichtbar praktiziert. Es gibt einen Komposthaufen, eine Komposttoilette, auf dem Bauwagen prangt eine Fotovoltaikanlage, welche den Strom erzeugt, damit die Kinder im Wagen nicht im Dunkeln sitzen und die Kinder werden angehalten, sorgsam umzugehen mit Wasser. Drei Tonnen fangen zudem Regenwasser auf. Mehrere Hochbeete werden von den Kindern gepflegt, angebaut wurden letztes Jahr Erdbeeren, Salat, Karotten, Zucchini und Kürbis.
Waldkindergarten Fuchsbau: Nistkästen für Blaumeisen gebaut
Ein Kräuterbeet ermöglicht zudem die Herstellung eines leckeren Dressings. Die Kindergruppen haben zehn Nistkästen für Blaumeisen gestaltet und aufgehängt. „Die fressen die Eichenprozessionsspinner, das ist eine Win-Win-Situation“, erläutert Smits. Selbstverständlich werden die gefiederten Freunde jetzt im Winter auch mit Futter versorgt, welches die Kinder selbst zusammenstellen. Mit Beeren, Körnern, Haferflocken und Sonnenblumenkernen verwöhnen sie jene, die bei Schnee und Eis sonst darben müssten. Auch für Fledermaus und Eichhörnchen wurde jeweils ein Zuhause geschaffen.
Überhaupt treibt sich so manches Tier dort rum. „Wir hatten schon Igel, Nilgänse, Maulwürfe und sogar einen Hermelin.“ Zusammen mit den Kindern wurde aufgeforstet und so mittlerweile zwei Felsenbirnen und drei Kastanienbäume gepflanzt. „Die Kastanie ist einer der Zukunftsbäume“, so Smits. „Hintergrund war, dass wir immer wieder Bäume verlieren“, ergänzt Bolzmann und nennt dabei die Kiefer.
Kaum Plastik wegen Nachhaltigkeit in Adelsdorf
Nachhaltig ist auch der Weihnachtsbaum in der Mitte des Areals. „Wir haben mit Draht Zweige um einen abgesägten Baum gewickelt“, so Smits. Und auch der Adventskalender war nachhaltig, war er laut Bolzmann doch nicht mit Süßigkeiten gefüllt. „Wir haben den Kindern Zeit geschenkt, je nach Wunsch für ein Spiel oder einen Tischspruch. Das wird wertgeschätzt.“ Weg vom Plastik möchte man auch.
Die Töpfe und Pfannen in der Matschküche beispielsweise sind aus Metall. „Geschenke von Anwohnern“, berichtet Bolzmann. Auch das im letztlich ein Akt der Nachhaltigkeit. Ansonsten sieht man im Kindergarten Holz so weit das Auge reicht. Bei allem Wunsch nach Nachhaltigkeit stehen jedoch immer die Kinder im Mittelpunkt. „Sie dürfen mitbestimmen“, so Bolzmann.
Waldkindergarten Fuchsbau bewirbt sich bei Wettbewerb des LBV
„Das wird nicht einfach übergestülpt. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg und gehen auf Entdeckung.“ Das unterschreibt auch Smits. „Die Kinder werden mit ins Boot geholt. Was ich kennen und schätzen lerne, das schütze ich auch.“
Bolzmann sagt: „In den Vordergrund stellen wir, die Natur zu schützen.“ Beworben hat sich die Gruppe des Waldkindergartens um die Auszeichnung „Öko Kids 2024 KindertageseinRichtung Nachhaltigkeit“, angeboten vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern. Bolzmann blickt auf den Flyer: „Vielleicht haben wir ja eine Chance.“
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