Mit reduzierter Geschwindigkeit geht es Kilometer für Kilometer dicht gedrängt durch die schmalen gelben Markierungen der A3. Für viele Autofahrer zwischen Biebelried und dem Autobahnkreuz Erlangen/ Fürth ist die Autobahnbaustelle zur Normalität geworden. Kaum vorstellbar, dass der Verkehr auf den 76 Kilometern des A3-Abschnitts in absehbarer Zeit bald durchgängig auf drei Spuren vorwärtsrollen wird. Nach etwa fünf Jahren neigt sich die Großbaustelle A3 dem Ende zu.
A3 Ausbau zwischen Biebelried und Erlangen: bis 2025 fertig?
Bis zum Ende des Jahres könnte der dreispurige Ausbau für insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro beendet sein. Einen Termin für die offizielle Einweihung der Strecke gibt es zwar noch nicht. Bei der für den Ausbau zuständen A3 Nordbayern GmbH zeigt man sich aber zuversichtlich, die Mammutaufgabe bald abgeschlossen sein könnte.
A3-Ausbau: Großteil bis 2025 geschafft
„Bis November beziehungsweise Dezember 2025 werden wir zu 97 Prozent fertig sein“, sagt Thomas Schwenzer. Schwenzer ist Pressesprecher der A3 Nordbayern GmbH und teilt sich zusammen mit Christoph Schmidt die Geschäftsführung der A3 Nordbayern Verwaltungs-GmbH. „Projekte in dieser Größenordnung gibt es so gut wie nicht“, sagt Schwenzer. Seiner Kenntnis nach ist der A3-Ausbau das derzeit größte Straßenbauprojekt in Deutschland.
Kaum einer kennt das umfangreiche Projekt so gut wie er. Ausbau meint eigentlich: „Wir reißen die alte Autobahn komplett weg und bauen eine nagelneue dahin“, sagt Schwenzer. Dazu gehören unter anderem 71 Kilometer Ausbaustrecke, 22 Überführungsbauwerke, 64 Autobahnbauwerke, rund 60 km Straßenbauarbeiten im nachgeordneten Straßennetz, acht Anschlussstellen, zwei Großbrücken und 137.000 Quadratmeter Lärmschutzwände.
Biebelried bis Erlangen/Fürth: Zeitplan der Bauabschnitte
Das Projekt startete im Mai 2020. In der Coronazeit waren Lieferketten zusammengebrochen und der Transport von Material verzögerte alles erheblich. Ein großer Faktor sei auch der Kriegsausbruch in der Ukraine gewesen, durch den Material wie Stahl, Asphalt oder Beton um ein Vielfaches teurer wurden. „Wir haben uns trotz enormem Aufwand durchgekämpft“, zieht der Geschäftsführer Bilanz. Trotz der Hindernisse strebe man mit hohem Aufwand weiterhin eine vertragsgerechte Fertigstellung an.
Derzeit sind drei von acht Bauabschnitte, Autobahnkreuz Biebelried bis Mainbrücke bei Dettelbach, westlich der Anschlussstelle Wiesentheid bis westlich der Anschlussstelle Geiselwind und östlich der Anschlussstelle Schlüsselfeld bis Anschlussstelle Pommersfelden sechsstreifig ausgebaut.
Fünf der restlichen Bauabschnitte sind jeweils in eine Richtungsfahrbahn dreistreifig fertig gebaut. Die weiteren Fahrbahnen sollen zwischen Oktober und Dezember fertig werden.
Und dann gibt es noch Abschnitt 6 im Landkreis Erlangen-Höchstadt. „Hier sind wir hinter dem Zeitplan. Das ist unser gallisches Dorf“, sagt Schwenzer. Ähnlich, wie die Gallier in Goscinnys und Uderzos Comics gegen die Römer Widerstand leisten, liegt allein dieser Bauabschnitt hinter dem Zeitplan von A3 Nordbayern.
Generell sei die Region vor allem wegen der vielen Brücken im Aischgrund eine bauliche Herausforderung. „Auf einen Kilometer Autobahn kommen hier fünf Brückenbauwerke“, sagt Schwenzer. Ob diese Brücken rechtzeitig fertig werden, liegt nicht in der Hand der Baugesellschaft. Denn in einem letzten Schritt müssen die Überbauten der Brücken abgedichtet werden. Dafür ist trockenes Wetter notwendig. Ausgerechnet diese Arbeiten sind „besonders witterungsabhängig“ und fallen sehr sicher in die kältere und nassere Jahreshälfte.
„Wenn die Brückenarbeiten so weit im September fertig sind, könnte die Abdichtung erst im darauffolgenden Jahr fertig werden. Sobald das schlechte Wetter rein funkt, hat man keine Chance mehr.“ Dann würde das Ziel Bauende 2025 nicht erreicht. Autofahrer müssten bis zum Frühjahr weiterhin die 5,2 Kilometer lange Strecke durch die Baustelle fahren. Laut Schwenzer fließe der Verkehr bei erlaubtem Tempo Hundert und 50.000 bis 60.000 Verkehrsteilnehmern am Tag bereits jetzt schon recht flüssig.
Bauprojekte durch Öffentlich-private-Partnerschaft
Anders als andere Großprojekte in Deutschland, wie Stuttgart 21 oder der Flughafen Berlin-Brandenburg, welche jahrelang Probleme, explodierende Kosten und immense Verzögerungen mit sich gebracht haben, scheint beim A3-Ausbau für 1,5 Milliarden Euro alles nach Zeitplan zu verlaufen.
Fraglich, ob Bahnhöfe oder Flughäfen mit Straßenbau vergleichbar sind. Aber auch in Sachen Autobahn bringe dieser Ausbau einen entscheidenden Vorteil mit sich, nämlich das Bauen aus einer Hand durch eine „Öffentlich-private Partnerschaft“ (ÖPP). „Wir haben hier drei Gesellschafter“, erklärt Schwenzer, „Die Projektgesellschaft A3 Nordbayern und die Gesellschafter und Bauunternehmen Eiffage und Johann Bunte.“ Letztere finanzieren das Projekt aus Eigenkapital.
Die vertragliche Gesamtverantwortung liege durch den Auftrag der Bundesrepublik Deutschland dabei bei A3 Nordbayern. „Wir leisten Planung, Bau, Betrieb und Erhaltung – alles über 30 Jahre hinweg. Dazu kommen die Finanzierung und das gesamte Projektmanagement“, fügt Schwenzer hinzu.
Ein bereits durchgeführtes ÖPP-Projekt in Bayern ist der Ausbau der A 8 zwischen Augsburg/West und München/Allach von 2007 bis 2010. Dabei handelte es sich um eines mehrerer Pilotprojekte des Bundesministeriums für Verkehr. „Wirtschaftlichkeit“ und „Minimierung der Eingriffe in den bestehenden Betriebsdienst“ seien Vorteile von ÖPP-Projekten, wie das Ministerium auf seiner Website schreibt.
Üblicherweise würden Autobahnen in kleinen Häppchen durch verschiedene Unternehmen ausgebaut. Die bräuchten dementsprechend länger. „Der Ausbau der A3 von der Landesgrenze nach Hessen hat schon fünfzehn bis zwanzig Jahre gebraucht“, sagt Schwenzer. Ihm sind dreizehn ÖPP-Projekte in Deutschland bekannt. „Sie sind alle vor dem vertraglichen Termin fertiggestellt worden“, sagt er. Sofern die gallischen Dörfer und das Wetter nicht in die Quere kommen, könnte das in ein paar Monaten vielleicht auch für den A3-Ausbau von Biebelried bis Erlangen/ Fürth gelten.














