Weniger Auto-Verkehr
So soll die Mobilitätswende doch noch klappen
Eine Blechlawine rollt durch Niederndorf. Für die Grünen ist der Bau einer Umgehungsstraße zur Entlastung keine Lösung. Sie fordern ein generelles Umdenken.
Eine Blechlawine rollt durch Niederndorf. Für die Grünen ist der Bau einer Umgehungsstraße zur Entlastung keine Lösung. Sie fordern ein generelles Umdenken.
Foto: Richard Sänger (Archiv)
Herzogenaurach – Die Umstellung vom Verbrenner aufs E-Auto und neue Straßen reichten nicht aus, sagen die Herzogenauracher Grünen. Sie fordern viel mehr.

Jetzt ist es Zeit für eine Mobilitätswende. Das fordert ein bundesweiter Aktionstag am heutigen Samstag, an dem sich die Grünen in Herzogenaurach beteiligen, zusammen mit einigen Mitstreitern aus der Bürgerinitiative Stopp Südumfahrung, darunter die Bewegung Parents for Future.

Nach Meinung der Autogegner ist nicht damit getan, die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch E-Autos zu ersetzen. Denn das dauert zu lange, verbraucht viele Ressourcen und setzt viel CO2 frei, beschreibt es Werner Mesnaric. Er fordert: „Der Individualverkehr muss kurzfristig um 50 Prozent gesenkt werden!“ Damit fasst Mesnaric die Machbarkeitsstudie für die Erreichung des 1,5- Grad-Ziels zusammen, die im Oktober 2020 für Fridays for Future erstellt wurde.

ÖPNV massiv ausbauen

Martine Herpers, Sprecherin der Grünen, fordert in einer Pressemitteilung zum Aktionstag: „Der lokale und regionale ÖPNV muss massiv ausgebaut werden.“ Dazu gehören mehr Linien, höhere Taktung und eine bessere Vernetzung, um die Mobilität für alle zu gewährleisten. „Am besten gelingt der Umstieg, wenn die Stadtgemeinschaft gemeinsam handelt und Verkehr nicht mehr als Individualverkehr gedacht wird“, betont Herpers. Und ergänzt: „Stadtteil-Car-Sharing, ein Angebot von Lastenräder, Vorrang für Fußgänger*innen und Radverkehr im Stadtgebiet sind schnell und günstig umsetzbar.“

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Einen ersten Entwurf für Herzogenaurach gebe es seit 2017 als Ergebnis der Agenda 21 und eine Studie der Universität in Karlsruhe zeige auf, wie Herzogenaurach autofrei werden könnte. Die Bürgerinitiative Stopp Südumfahrung sammelt Unterschriften für ein Bürgerbegehren, „damit keine Fehlanreize zu mehr Verkehr gegeben werden und auch die Natur als CO2-Speicher erhalten bleibt“, informiert Herpers. Und Horst Eisenack vom Bund Naturschutz ergänzt: „Gesunden Wald zu roden, ist angesichts der Klimakrise unverantwortbar. Eine gesunde Natur gehört zu einem verantwortlichen Mobilitätskonzept dazu, um den Menschen nicht nur Ruhe und Entspannung in ihrer Nachbarschaft zu ermöglichen, sondern auch die Produktion von Lebensmitteln.“

Stub als Hoffnungsschimmer

Die Klimakrise ist dieses Jahr für Deutschland und viele Länder in Europa zwar weniger sichtbar, weil die Wetterlage Deutschland bisher ein stabiles kühleres und regnerisches Wetter beschert hat. In anderen Teilen der Welt war die Temperatur jedoch höher. So war der April insgesamt 0,2 Grad Celsius wärmer als alle bis ins Jahr 1991, wird in der Pressemitteilung beschrieben. In Deutschland gehen rund 20 Prozent des CO2-Ausstoßes auf das Konto des Verkehrs, heißt es weiter. Während in anderen Bereichen die CO2-Emissionen seit 1990 sinken, werden Effizienzsteigerungen bei Autos und Lastwagen häufig durch größere und schwerere Fahrzeuge aufgehoben. Um das Klima zu stabilisieren, seien daher tiefgreifende Maßnahmen für den Verkehr erforderlich.

Die Aktion „Mobilitätswende Jetzt“ ruft dazu auf, die Anforderungen an die Veränderung der Mobilität mit lokalen und regionalen Beispielen zu untermauern. Herzogenaurach steht nach Ansicht er hiesigen Akteure als Stadt mit hohem Bevölkerungswachstum und attraktiven, weltweit agierenden Unternehmen vor der Herausforderung, Mobilität für Menschen, die hier arbeiten und leben, zu ermöglichen.

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Das heutige Mobilitätskonzept der Stadt biete unter anderem einiges für den Radverkehr, den öffentlichen Nahverkehr und eine Verkehrsberuhigung in der Innenstadt.Aber es wird auch festgestellt: „Leider hat keine der bisherigen Maßnahmen zu einer Reduktion des Pkw- oder Lkw-Verkehrs geführt“. In einigen Jahren könnte die Stadtumlandbahn (Stub) zwar eine Entlastung bringen, aber alle Prognosen für den Verkehr gehen von einer wachsenden Verkehrslast (trotz StUB) aus, berichtet Martine Herpers. So werde auch der Neubau der Südumfahrung begründet.

Beispiel Nordumgehung

Für die Gegner ist es aber anders: „Neue Straßen zu bauen, bringt jedoch keine Reduktion des Verkehrs“. Das zeige in Herzogenaurach schon die Geschichte der Nordumfahrung, die für eine Entlastung der Stadt Herzogenaurach und auch von Niederndorf sorgen sollte. Insbesondere Niederndorf leide aber weiterhin an einem hohen Verkehrsaufkommen, insbesondere zu den Stoßzeiten des Berufsverkehrs. Und jetzt solle die Südumfahrung Entlastung bringen.

Die Lösungen für eine umweltgerechte Mobilität verzichten laut Pressemitteilung auf den Bau von neuen Straßen, die durch die Verwendung von Beton sehr viel CO2freisetzen und zu mehr Verkehr einladen würden. Am Infostand wollen die Herzogenauracher Grünen nun auf die vielfältigen Möglichkeiten hinweisen, die zu einer effektiven Mobilitätswende führen können.bp