Der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn (StUB) ist auf Tour in eigener Sache. Nach mehreren digitalen Fragestunden und dem Lokalforum Nürnberg Nord im März sind die Verantwortlichen des Megabauprojekts am Dienstagabend in Herzogenaurach eingekehrt, um Bürgerinnen und Bürger über den aktuellen Stand der Planungen für ihre Stadt zu informieren.
StUB in Herzogenaurach: Sieben Haltestellen über 4,8 Kilometern Strecke
Im Stadtgebiet Herzogenaurach werden für die StUB in den kommenden Jahren 4,8 Kilometer S-Bahn-Gleise verlegt und sieben Haltestellen gebaut. Auf den Gemeindeteil Haundorf kommen außerdem der Bau eines großen Parkhauses und einer Abstellhalle für die Straßenbahnen nahe der Autobahn A3 zu.
Nicht mehr lange, dann geht es los mit dem Bau der 26 Kilometer langen Straßenbahn. 2028 ist der Baustart in Nürnberg vorgesehen. Die wird in Zukunft mit 31 Haltestellen zehn Städte und Gemeinden in der Metropolregion Nürnberg vernetzen. Damit bringt die StUB die größte Veränderung des regionalen öffentlichen Nahverkehrs der kommenden Jahrzehnte mit sich – auch für Herzogenaurach. Die Straßenbahn könnte den Autoverkehr in und aus der Stadt enorm entlasten.
Mehr Pendler von der Straße auf die Schiene?
Fast 20.000 Einpendler bewegen sich für die Arbeit Richtung Sneaker, Raubkatzen und Maschinenbau nach Herzogenaurach – und das bei 26.000 Einwohnern und ohne Bahnverbindung. In der Stadt sind einige der größten Arbeitgeber der Region, die Sportartikelhersteller Adidas und Puma sowie der Automobil- und Maschinenbauzulieferer Schaeffler angesiedelt.
StUB in Herzogenaurach: Endhaltestelle, Park-and-Ride und Verknüpfung mit Busverkehr
Während des Lokalforums haben die Verantwortlichen des Zweckverbands StUB zusammen mit dem Herzogenauracher Bürgermeister und aktuellen Vorsitzenden des Verbands, German Hacker (SPD), interessierten Bürgerinnen und Bürgern den aktuellen Stand der Planung für Herzogenaurach vorgestellt. Für die Infoveranstaltung gab es achtzig freie Plätze– etwa hundert Menschen kamen an dem Abend ins Herzogenauracher Feuerwehrhaus und brachten unterschiedlichste Fragen mit.
Baubeginn in Herzogenaurach frühestens 2031
„Das Ziel ist es wert“, sagte Mandy Guttzeit, Geschäftsleiterin des Zweckverbands StUB, zu Beginn der Veranstaltung. Laut Guttzeit ist der Baubeginn für die erste Haltestelle Nürnberg Am Wegfeld 2028 geplant. „Da Herzogenaurach am Ende der Strecke liegt, sind wir mit den Planungen noch nicht so weit, wie in Nürnberg.“ Mit einem Baubeginn in Herzogenaurach sei frühestens 2031 zu rechnen.
Endhaltestelle Herzo Base: Begrünung und E-Ladestationen
Vom Haltepunkt Haundorf aus wird die StUB künftig die drei Firmenstandorte Herzo Base (Adidas), Puma Way und das Schaeffler Osttor vernetzen. Weitere Haltestellen sind in der Zeppelinstraße und in der Rathgeberstraße geplant. Patrick Hankele, der stellvertretende technische Leiter, erklärte dem Publikum den aktuellen Arbeitsstand und die Besonderheiten des geplanten Abschnitts in Herzogenaurach.
Für die Endhaltestelle der Stadt-Umlandbahn, Herzo Zentrum, ist die Vorplanung relativ weit fortgeschritten. Eine erste Computeranimation zeigt die geplante Anbindung an die Stadtbusse, eine Endwendeschleife und einen Abstellhof für die Straßenbahnen, die künftig in der Früh von Herzogenaurach nach Nürnberg starten werden.
Das Konzept sieht zudem Abstellflächen für Fahrräder und E-Scooter und Ladestationen für E-Autos vor. Eine Besonderheit an der Endhaltestelle werden die nach dem Prinzip „Schwammstadt“ (ein Konzept zur Wasseraufnahme und -speicherung durch Flächen und Grünanlagen in Städten) vorgesehenen begrünten Überdachungen des Wartebereichs und des Fahrradparkhauses.
Fünfstöckiges Parkhaus nahe A3 bei Haundorf
Die flächenmäßig größte bauliche Veränderung kommt auf den Gemeindeteil Haundorf zu. Auf dem Areal zwischen Haundorf und der Autobahnraststätte Aurach Süd ist ein fünfstöckiges Park-and-Ride-Parkhaus für knapp 750 Pkws vorgesehen, sowie weitere zwanzig Stellplätze. Außerdem soll dort auch eine Abstellanlage für insgesamt etwa zwanzig Straßenbahnen angesiedelt werden. Eine weitere Abstellanlage ist nahe der Nürnberger Haltestelle Am Wegfeld geplant.
Ein Besucher aus Haundorf fragte während des Lokalforums, warum die Entscheidung für den Bau des Parkhauses auf Haundorf gefallen sei. „Der Flächenverbrauch ist hoch“, gab der Mann zu bedenken. „Das wird enorme Auswirkungen auf Haundorf haben.“ Vor allem, je nachdem, wie die Autobahnanbindung geplant wäre.
Geschäftsleiterin Guttzeit merkte an, dass der aktuelle Arbeitsstand eine „Maximalvariante“ des Standorts in Haundorf darstellt. „Die Anlage ist noch nicht finalisiert. Wir sind noch weit weg von einer finalen Planung und versuchen, den Flächenverbrauch möglichst gering zu halten“, sagte sie. Konkrete Äußerungen dazu, wie die Anbindung an die Autobahn aussehen wird, konnte Guttzeit noch nicht machen. Fest steht bisher: „Die Zu- und Abfahrt in dem Bereich wird in beide Richtungen möglich sein“, sagte Guttzeit.
Warum Haundorf künftig mit einigem mehr an Verkehr rechnen könnte, der von der A3 dort ab- und auffährt? Laut Bürgermeister Hacker kommt die Park-and-Ride-Parkanlage auch ohne die StUB nach Haundorf. „Das Pilotprojekt ist unabhängig von der StuB geplant“, sagte Hacker. In der Idee geht es darum, den Autobahnverkehr mit der künftigen Straßenbahn und dem Busverkehr zu verknüpfen, erklärte er. Es gäbe keine Absichten, „den Verkehr auf Haundorf abzuwälzen“, sagte Hacker. Der Standort sei ausgewählt worden, „weil es dort schon die Autobahnraststätte gibt.“ Ein weiterer Park-and-Ride-Standort ist bei der Haltestelle Puma Way vorgesehen.
Bürger befürchtet Kostenexplosion
Ein Thema, das manches Gemüt erhitzte, war während des Lokalforums die Sache mit den Finanzen. Ein Bürger monierte aufgebracht, dass es seiner Meinung seit 2015 (Kostenstand: 620 Millionen), keine aktuelle Rechnung für das Großprojekt an die Öffentlichkeit kommuniziert worden wäre: „Ich lese immer nur von 620 Millionen. Das ist der Stand von 2015.“ Außerdem stelle er infrage, wie sicher die zugesagte Förderung von Bund und Ländern wäre, und ob am Ende nicht mehr als die besagten zehn Prozent der Kosten auf die Kommunen des Zweckverbands zukommen würden.
Der kaufmännische Leiter des StUB-Zweckverbands, Daniel Große-Verspohl, versuchte Entwarnung zu geben. Die Förderzusage von 90 Prozent stammte ursprünglich vom bayerischen Innenminister Joachim Hermann (CSU). Jedes Jahr bekäme man darüber erneut eine Bestätigung. Guttzeit erklärte außerdem, dass die letzte angepasste Berechnung für den Bürgerentscheid in Erlangen ermittelt worden wäre: Wäre die Stadt-Umland-Bahn 2022 gebaut, hätte sie in jenem Jahr einen sogenannten Preisstand von 635 Millionen Euro gehabt.
Anwohner befürchten Einschränkungen im Wohngebiet
Es bleibt Ansichtssache: Wegen oder für die StUB werden die von den Bauarbeiten Betroffenen mit Einschränkungen rechnen müssen. Unter den Teilnehmern des Lokalforums war auch ein Bewohner der Rathgeberstraße. Mit einem Halt wird die Straßenbahn in Zukunft dort durch das Wohngebiet führen. „Die Probleme der Einwohner werden von Ihnen nicht durchgesprochen“, so der Vorwurf des Mannes.
Im Fragenhagel über Lärmvorsorge, Emissionsschutz, Sicherheit der Fußgänger, und Einschränkungen durch Baumaßnahmen, gingen manche Antworten der Verantwortlichen unter. Hankele versicherte dem Mann, dass sich die Strecke Herzogenaurach erst in der Vorplanung befinde. Man werde sukzessive auf die Eigentümer zugehen.
In Sachen Sicherheit gab Corinna Gräßel, Teilprojektleiterin für Verkehrsanlagen, Entwarnung: „Die Straßenbahnen müssen, wie alle Verkehrsteilnehmer, die vorgeschriebene Geschwindigkeit einhalten und mit angepasstem Tempo fahren.“
Bürgermeister Hacker: „Wir graben uns einmal durch den Ort durch“
Womit Anwohner in Herzogenaurach allerdings rechnen müssen, sind Einschränkungen durch den StUB-Bau. Bürgermeister Hacker brachte es auf den Punkt: „Wir graben uns einmal durch den Ort durch. Da müssen wir durch.“ „Sehen Sie es positiv“, schlug er vor. Denn im Zusammenhang mit den Arbeiten für die Straßenbahn plane die Stadt, die Versorgungs- und Entsorgungskanäle zu erneuern.
Während des Lokalforums schlug Hacker darüber hinaus eine mögliche Verlängerung der StUB-Strecke zum Freizeitbad Atlantis auf Kosten der Stadt aus: „Dafür hat Herzogenaurach kein Geld“, sagt er. Eine Niederndorferin erkundigte sich nach einer besseren Bus-Anbindung an die Herzo Base. Das sei laut Hacker nicht vorgesehen.
Wann startet die StuB in Herzogenaurach?
Zuletzt blieb nur noch die Frage eines Teilnehmers: „Wann darf man denn das erste Mal mitfahren?“ Wird die Stadt-Umland-Bahn vollständig in Betrieb genommen, werden zwischen der Hauptverkehrszeit (5 bis 21 Uhr) Straßenbahnen im Zehn-Minuten-Takt fahren. Für den Betrieb haben die Verantwortlichen 18 Fahrzeuge plus drei Reservefahrzeuge vorgesehen, die ohne Umsteigen von Herzogenaurach nach Nürnberg und zurück fahren sollen. Bis dahin werden noch ein paar Jahre vergehen. Vorgesehen ist, dass der Bau der Strecke abschnittweise erfolgen wird. Laut Guttzeit sei für Herzogenaurach mit einem Baustart gegen 2031 zu rechnen. Die erste Straßenbahn könnte als frühestens 2034 dort starten.















