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Herzogenaurach
Gastronom für Ratskeller gesucht: Wer wird der neue Pächter?
Wann öffnet sich die Tür zum Ratskeller?  Die Stadt Herzogenaurach ist auf der Suche nach einem Pächter.
Wann öffnet sich die Tür zum Ratskeller? Die Stadt Herzogenaurach ist auf der Suche nach einem Pächter. // Bernhard Panzer
Herzogenaurach – Seit dem Neujahrstag 2019 ist der Ratskeller in Herzogenaurach im Dornröschenschlaf. Die Suche nach einem Pächter gestaltet sich schwer: Nur ein ernsthaftes Angebot liegt derzeit vor. Doch der Eigentümer, die Stadt, hat einige Auflagen für neue Gastronomen.

Die große schwarze Tafel ist das letzte Übrigbleibsel der Ära Ratskeller. „Heute Barbetrieb“ steht darauf noch zu lesen, klein darunter der Zusatz „Guten Rutsch“ und ein vierblättriges Kleeblatt. Und die fast schon verblasste Jahreszahl 2019 verrät: Silvester 2018 war der letzte Öffnungstag. Seither ist das Lokal im Schloss quasi im Dornröschenschlaf.

So sah der Eingangsbereich vor 2019 aus.
So sah der Eingangsbereich vor 2019 aus. // Bernhard Panzer

Die letzten Jahre wurden die Räume als Lager genutzt, für die Sanierung des Schlossgebäudes und den Neubau des Rathauses. Eine Baustelle ist dort heute noch. Das Lokal wird erst dann wieder schick gemacht, wenn ein neuer Pächter gefunden ist. Erst wenn ein Gastro-Konzept vorliegt, wird renoviert und eingerichtet. So eine Investition ist schließlich kein Pappenstiel.

Konzept für Ratskeller muss schlüssig sein

Es ist das Filetstück der gastronomischen städtischen Liegenschaften: das frühere Schlosscafé mit dem dazugehörigen Gewölbekeller. Die Herzogenauracher sprechen auch beim Lokal im Erdgeschoss indes nur vom „Ratskeller“. Seit 2008 war dieser als Musikkneipe genutzt worden. Zehn Jahre lang, bis die Kultur der Großbaustelle weichen musste. Jetzt wird nach einem neuen Pächter gesucht. Ob der dann nur die obere Ebene mit Terrasse nutzt, oder auch den stimmungsvollen Gewölbekeller – das wird nicht vorgeschrieben. Viel entscheidender für die Stadt ist ein schlüssiges Konzept, das die Bewerber vorlegen müssen.

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Als der Ratskeller Musikbühne war: Der damalige Wirt "Smiley" übte sich als Janis Joplin im Ratskeller, // FT-Archiv

In den vergangenen drei Monaten lief – nachdem zwei Versuche vor Jahren ohne Ergebnis geblieben waren – eine erneute Ausschreibung. Diese fand einen sehr guten Zuspruch und hatte sehr viele Aufrufe auf den unterschiedlichsten Plattformen, wie Christian Stöcker vom Liegenschaftsamt der Stadt mitteilt.  Das Angebot wurde über die zentrale Seite „Ohne Makler“ auf viele einzelne Adressen gestreut. Allein zweitausend Mal sei dort das Exposee der Stadt angeklickt worden, berichtet Stöcker. Und 22.000 Suchergebnisse wurden zum Ratskeller angezeigt.

Der Aushang an der Schlosswand kurz vor der Wiedereröffnung des Ratskellers  im Mai 2009
Der Aushang an der Schlosswand kurz vor der Wiedereröffnung des Ratskellers im Mai 2009 // FT-Archiv

Leicht gehobene deutsche Küche für Ratskeller geplant

„Man sieht, es wurde wirklich stark frequentiert“, sagt der für den Ratskeller zuständige Mann im Rathaus. Und dennoch blieb unter dem Strich nicht viel Konkretes stehen. Es gab zehn Kontaktanfragen, „nicht wenige“ Besichtigungen, aber letztlich nur eine einzige geeignete Bewerbung bislang. Laut Stöcker handelt es sich um ein „sehr gut eingestelltes Dreikopf-Gremium“ rund um eine Gastronomin aus Zirndorf, das „leicht gehobene Küche in deutscher Richtung“ anbieten möchte. Eine zweite Bewerbung mit griechischer Küche ist mündlich angekündigt. Hinzu kamen reihenweise Anfragen Richtung Pizza oder Döner, was freilich nicht in Frage kommt. Auch das Nürnberger Trio muss laut Bürgermeister Hacker noch nachbessern. Verlangt wird ein schlüssiges Konzept mit Businnesplan.

So sieht’s zurzeit im Innern aus. Umgebaut und eingerichtet wird erst, wenn ein Pächter gefunden ist. Und der braucht ein überzeugendes Konzept.
So sieht’s zurzeit im Innern aus. Umgebaut und eingerichtet wird erst, wenn ein Pächter gefunden ist. Und der braucht ein überzeugendes Konzept. // Florian Dormann

„Wir fordern halt. Und das ist nicht ohne“, sagt Christian Stöcker. Schließlich erwartet die neuen Pächter dann ein kernsaniertes Lokal, in das noch eine „horrende Summe“ investiert werden müsse. Und das macht die Stadt nur, wenn auch alles passt.

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Auch die Schankanlage wurde für die Musikbar im Ratskeller 2008 neu installiert. // Bernhard Panzer

Die Zurückhaltung der Bewerber machen Hacker und Stöcker vor allem an der augenblicklich schweren Zeit für die Branche fest. Viele haben Probleme, Personal zu finden, es steigen die Preise, und jetzt auch wieder die Mehrwertsteuer. „Vor fünf Jahren hätten wir uns vor Bewerbungen nicht retten können“, mutmaßt Stöcker. Aber inzwischen scheuen offenbar viele Geschäftsleute aus der Branche das Risiko.

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Auf der Baustelle im Ratskeller Herzogenaurach. Die schwarze Tafel steht noch. // Florian Dormann

Keine Musikbar mehr im Ratskeller

Nichtsdestotrotz besteht die Stadt auf ihren Forderungen. Es kämen nur Leute in Frage, die sich zum einen in der Gastronomie auskennen und zum anderen ein überzeugendes Konzept vorweisen können. Nur mal so am Abend öffnen, wie es zuletzt in der Musikbar Ratskeller gewesen ist, genüge da nicht. Auf eine ähnliche Nutzung wird sich die Stadt wohl nicht wieder einlassen, klang zwischen den Zeilen durch. Stöcker spricht auch die 200 Quadratmeter große Terrasse an, in Premiumlage zum Marktplatz hin. Da sei es geboten, diese mit Leben zu erfüllen. Und wünschenswert wäre für Stöcker, der auch Vorsitzender des Personalrats ist, dass auch ein Mittagsmenü für die städtischen Beschäftigten in Schloss und Rathaus angeboten würde. „Wir haben ja keine Kantine“.

Albert Geinzer vom Bauamt im Gewölbekeller
Ein Bild aus älteren Tagen: Albert Geinzer vom Bauamt sieht sich im Gewölbekeller um // FT-Archiv

Auch wenn bald die fünf Jahre voll sind, dass der Ratskeller geöffnet hatte – besonders eilig hat es die Stadt nicht. Die Stadt müsse in der jetzigen Zeit nicht zwingend mit einem hoch subventionierten Ratskeller für die Herzogenauracher Gastronomie eine zusätzliche Konkurrenz und Belastung schaffen, meint Bürgermeister German Hacker. „Uns läuft ja nichts weg“. Aber wenn der geeignete Bewerber kommt, werde man handeln. Trotz schlechter Haushaltslage wolle man sich Investitionen schon leisten. Gleichwohl der Dornröschenschlaf auch dann noch wenigstens ein Jahr andauern dürfte. So lange müsse man für den Umbau schon ansetzen.

Die Terrasse hat eine Premiumlage zum Marktplatz hin.
Die Terrasse hat eine Premiumlage zum Marktplatz hin. // Bernhard Panzer

Koch bringt Michelin-Stern für Ratskeller

Der Ratskeller im Herzogenauracher Schloss mit der Adresse Marktplatz 11 wurde nach einem Umbau am 25. Oktober 1979 eröffnet. Letzte Nutzung war seit dem 16. Mai 2008 ein Konzept mit Livemusik. Durch die Sanierung im Schlossgebäude und den Neubau des Rathauses ist die Lokalität seit Jahresende 2018 geschlossen.

Im August 1995: Bürgermeister Hans Lang begrüßt das Pächterpaar Reinhold Vockentänzer und Monika Zeilinger. Den früheren Sternekoch hielt es elf Jahre in Herzogenaurach.
Im August 1995: Bürgermeister Hans Lang begrüßt das Pächterpaar Reinhold Vockentänzer und Monika Zeilinger. Den früheren Sternekoch hielt es elf Jahre in Herzogenaurach. // FT-Archiv

In vergangenen Zeiten ruhte der Schwerpunkt auf der Kulinarik. Der Gewölbekeller selbst, der eigentliche Ratskeller, diente dann ab und an einem kulturellen Programm. Und auf der oberen Ebene, im Schlosscafé, konnte vorzüglich gespeist werden. Von 1995 bis 2006 hatte Reinhold Vockentänzer beide Einheiten gepachtet. Er war zuvor 15 Jahre lang Küchenchef des renommierten Nürnberger Restaurants „Bammes“ und erhielt 1982 einen Michelin-Stern, den er auch lange verteidigen konnte. Als 43-Jähriger hatte der Erlanger, der aus Burghaslach stammt, mit der Pacht des Herzogenauracher Ratskellers den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Zuletzt gab es auch Kritik. Als ein Lokal für die Herzogenauracher jedenfalls betrachteten es viele offenbar nicht mehr.

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